Erste Kabinettssitzung Trump lässt sich von seinen Ministern huldigen

Zum ersten Mal hat Trump mit seinem vollständigen Kabinett getagt. Von Krisenstimmung keine Spur: Die Minister und Staatssekretäre feierten ihren US-Präsidenten.


Es dürfte ein Treffen ganz nach Donald Trumps Geschmack gewesen sein: Nach einem ausgiebigen Selbstlob auf die eigene Amtszeit überboten sich die Anwesenden mit Demutsgesten - und das alles vor laufenden Kameras. So lief die erste Sitzung des US-Präsidenten mit seinem vollständigen Kabinett ab. Kein Wort zur Russlandaffäre, zu den Vorwürfen des ehemaligen FBI-Chefs James Comey oder zur Anklage durch mehrere Bundesstaaten.

Stattdessen erklärte sich Trump kurzerhand zum erfolgreichsten Präsidenten aller Zeiten: Mit wenigen Ausnahmen habe nie ein Amtsinhaber mehr geschafft als er.

Die Minister und Staatssekretäre stimmten zu. Einer nach dem anderen stellte sich - wie vom Präsidenten aufgetragen - vor, gespickt mit Demutsgesten und Lob für Trump. "Es ist die größte Ehre meines Lebens, dem Präsidenten als Vize zu dienen, der gegenüber den Amerikanern sein Wort hält", sagte Mike Pence als Erster. Damit war der Ton für die Runde vorgegeben: Er sei privilegiert und zutiefst geehrt, sagte Alexander Acosta. "Die Menschen lieben Sie dort", berichtete Sonny Perdue aus Mississippi. "Danke für die Chance, mit Ihnen arbeiten zu dürfen", sagte Ben Carson.

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Trumps Milliardärsminister: Das Kabinett des Großkapitals

Stabschef Reince Priebus - der zumindest Medienberichten zufolge immer wieder um seinen Job bangen musste - setzte noch einen obendrauf: Er dankte Trump für die Möglichkeit und die Ehre, seiner Agenda dienen zu dürfen. Zurückhaltender waren hingegen Verteidigungsminister James Mattis und CIA-Chef Mike Pompeo.

Trump gefiel offenbar, was er da hörte: Er grinste, nickte und verteilte seinerseits Lob. Dass es alleine fünf Monate gedauert hat, bis Trump überhaupt sein Kabinett zu einer ersten Sitzung versammeln konnte, kommentierte der Präsident nur kurz - indem er den Demokraten vorwarf, die Berufung immer wieder verzögert zu haben.

"Bizarr" nannten die Medien Trumps Inszenierung dann auch. Die Runde erinnere an Huldigungen des "geliebten Führers" in Nordkorea, schrieb die "New York Times".

Und auch beim politischen Gegner konnte man die Show nicht unkommentiert lassen. Der Fraktionsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, stellte die Sitzung kurzerhand im Kreis seiner Mitarbeiter nach - und ließ sich unter anderem für seine Frisur loben.

Die Kabinettsitzung in voller Länge hier im Video (englischer O-Ton):

REUTERS

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brk

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