Falken, Buddys, Spin-Doktoren Mit dieser Truppe will Trump regieren

Sie haben ihm zum Sieg verholfen, nun hoffen sie auf Belohnung: Donald Trumps wichtigste Berater und Unterstützer dürften bald wichtige Posten in Washington erhalten. Wer ist wer?

AP; AFP; Getty Images; REUTERS; DPA

Von und , Washington


Es geht jetzt alles ganz schnell: Barack Obama hat ihn getroffen, Staats- und Regierungschefs melden sich bei ihm, um ihn zu beglückwünschen, seine Vertrauten schmieden Pläne für die Regierungsarbeit. Donald Trump ist dabei, die Macht in den USA zu übernehmen.

Steckbrief Donald Trump

Trump muss in diesen Tagen vor allem seine Mannschaft aufstellen, viel spricht dafür, dass der neu gewählte Präsident jene Vertraute mit Jobs belohnt, die ihm im Wahlkampf unter schwierigsten Bedingungen die Treue gehalten haben, während sich viele andere Republikaner angewidert von ihm abwandten. Ein Team der Outsider könnte bald den Kurs der USA bestimmen. Der Überblick:

Der treue Knappe

Reince Priebus war die Überraschung in Trumps Wahlkampf: Der 44-Jährige leitet das eigentlich nicht sehr wichtige republikanische Parteikomitee, arbeitete sich aber im Verlauf der letzten Monate ins Kernteam des Milliardärs vor. In einer zerrissenen Partei hielt Priebus dem Kandidaten die Treue, verschaffte ihm Zugang zu Ressourcen und Daten der "GOP", schaltete sich in den Wahlkampf vor Ort ein. Es war eine riskante Wette: Im Falle einer Niederlage wäre er in der Versenkung verschwunden, jetzt kann Priebus sich seine Stelle aussuchen. Im Gespräch ist er für den Posten des Stabschefs. Ein zentrales Amt in der Administration: Der Stabschef koordiniert die Arbeit im Weißen Haus und regelt den Zugang zum Präsidenten.

Die Strategin

Kellyanne Conway war in den vergangenen Wochen wohl die wichtigste Helferin von Donald Trump. Die bekannte republikanische Umfrageexpertin kam spät ins Team und verhalf Trump wohl mitentscheidend zum Sieg. Sie überredete ihn, am Schluss der Kampagne auf wilde Twitterei und allzu hetzerische Sprache zu verzichten und sich stattdessen auf Inhalte zu fokussieren - ein womöglich wahlentscheidender Rat. Zugleich wurde sie selbst zum TV-Gesicht des Trump-Teams, versuchte in Interviews stets vermeintlich positive Seiten ihres Kandidaten hervorzuheben. Conway kann nun auf einen wichtigen Job hoffen: Gut möglich, dass sie eine zentrale Rolle im Weißen Haus übernimmt, zum Beispiel als Pressechefin.

Der Skandalbruder

Chris Christie, bislang Gouverneur von New Jersey, leitet das Team, das die Übernahme der Präsidentschaft ("Transition") für Trump vorbereitet. Die beiden Männer sind seit 40 Jahren befreundet, kurzzeitig war Christie deshalb auch als Vizepräsidentenkandidat im Gespräch, bis Mike Pence den Job bekam. Christie gilt als Politiker, der nicht nur alle Fallen und Tricks des Geschäfts kennt, sondern auch bestens in Washington vernetzt ist. Ob er nach der Funktion als Leiter des Transition-Teams einen hohen Posten bekommt, etwa als Justiz-, Handels- oder Sicherheitsminister, ist jedoch völlig offen. Aus seiner Zeit als Gouverneur hängt Christie ein handfester Skandal an ("Bridgegate"-Affäre). Es könnte deshalb schwierig werden, für seine Ernennung die Zustimmung des Senats zu erhalten. Denkbar wäre deshalb auch, dass er im Weißen Haus eine Beraterrolle übernimmt, dafür wäre keine Senatszustimmung erforderlich.

Die Falken

Schon im Wahlkampf scharte Trump ein Viererteam harter Falken um sich. Rudy Giuliani, der Ex-Bürgermeister von New York. Newt Gingrich, der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses. Michael Flynn, Ex-Chef des Militärgeheimdiensts. Und David Clarke, Polizeichef von Milwaukee. Viel spricht dafür, dass Trump seinen Vertrauten auch wichtige Posten im Kabinett verschafft. Die Sicherheit war ein zentrales Thema in seinem Wahlkampf und Trump hat klargemacht, dass er in der Einwanderung, beim Kampf gegen die Kriminalität oder im Anti-Terror-Krieg nicht auf sanfte Lösungen setzen will. Giuliani ist als Justizminister im Gespräch, Gingrich als Außenminister. Flynn und Clark kommen für das Heimatschutzministerium und den Posten des Sicherheitsberaters infrage. Demokraten und liberalen Republikanern graut es vor dieser Mannschaft: Sie fürchten, das Viererteam könnte Trumps Autoritarismus im Regierungsalltag verankern.

Die Spin-Doktoren

Trumps apokalyptische und reißerische Botschaften in den letzten Wahlkampfwochen wurden maßgeblich von einem Mann bestimmt: Steve Bannon, Herausgeber der rechten Website "Breitbart News". Bannon fungierte als Trumps Wahlkampfchef, kaum einer war näher dran am Milliardär als er. Ob er eine Rolle in der Regierung erhält, ist aber offen. Angeblich wünscht sich Trump Bannon als Stabschef im Weißen Haus - und die "New York Times" berichtet, er sei der Top-Kandidat für den Job - doch enge Vertraute sollen ihm davon abgeraten haben. Womöglich ist Bannon außerhalb der Administration wertvoller für den neuen Präsidenten. Sollte er zu "Breitbart News" zurückkehren, könnte Bannon das Medium zu einer inoffiziellen Trump-Plattform machen. Zwei andere wichtige Spin-Doktoren könnten dabei helfen, Trumps Pläne gesellschaftsfähig zu machen: Corey Lewandowski, Trumps erster Wahlkampfchef, sowie Jared Kushner, der Schwiegersohn des Milliardärs.

Die Auch-Dabeis

Da Trump kaum etwas mehr schätzt als unbedingte Loyalität, können sich auch einige Republikaner aus der zweiten Reihe Hoffnungen darauf machen, eine wichtige Rolle in der künftigen Regierung zu spielen. Zum Beispiel Ben Carson. Der erfolglose Präsidentschaftskandidat sprach sich sofort nach seinem Ausstieg aus dem Rennen für Trump aus und blieb seitdem an seiner Seite. Als gelernter Neurochirurg könnte er Gesundheitsminister werden.

Hoffnungen auf einen Platz am Kabinettstisch macht sich wohl auch der frühere Gouverneur von Texas, Rick Perry. Der stockkonservative Republikaner kämpfte lange gegen Trump, dreht dann aber bei und zählt nun sein einiger Zeit zu den glühenden Befürwortern des künftigen Präsidenten. Auf welchen Posten er sich Hoffnung macht, ist unklar. Doch Perry ließ die Welt zumindest schon mal wissen, dass er für eine Position im Gespräch ist: Er postete bei Twitter stolz ein Foto, dass ihn angeblich dabei zeigt, wie er kurz nach der Wahl mit Trump oder Leuten aus dessen Team telefoniert.



insgesamt 190 Beiträge
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Seite 1
mariusschmitz 11.11.2016
1. Überschrift und Inhalt?
Die Überschrift suggeriert, dass sein Kabinett bereits feststeht. Statt dessen finde ich im Artikel nur Spekulationen. Unseriös!
breyer.thomas 11.11.2016
2. Was für eine Horrortruppe...
Bei aller berechtigter Kritik - ich bin froh um unser Bundeskabinett!
okav 11.11.2016
3. Wie sehen denn die sanften Lösungen aus?
Im Text heißt es:...dass er in der Einwanderung, beim Kampf gegen die Kriminalität oder im Anti-Terror-Krieg nicht auf sanfte Lösungen setzen will.... Wie sehen diese sanften Lösungen denn aus? Wieso wurden diese sanften Lösungen nicht genutzt? Wären die Probleme gelöst, würde Trump jetzt kein Präsident werden.
okav 11.11.2016
4. Carsen und Clarke?
Das kann doch gar nicht sein! Trump ist doch Rassist.
Vox libertatis 11.11.2016
5.
Die reflexhafte Abneigung des SPIEGEL von Donald Trump wird eigentlich nur noch űbertroffen von der eigenen Rechtschreibschwäche!
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