Telefonat mit Trump Saudischer Kronprinz bestreitet Kenntnis im Fall Khashoggi

US-Präsident Trump hat im Fall des vermissten Journalisten Khashoggi mit Mohammed bin Salman gesprochen. Der weist eine Mitverantwortung zurück - und kündigte "in Kürze" Antworten an.

US-Außenminister Mike Pompeo (l.), der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (r.)
AP

US-Außenminister Mike Pompeo (l.), der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (r.)


Neue Wendung im Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi: Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman hat nach Angaben von US-Präsident Donald Trump jede Kenntnis von den Vorgängen im Konsulat in Istanbul "absolut bestritten". Trump gab auf Twitter an, mit bin Salman gesprochen zu haben.

Außenminister Mike Pompeo, derzeit zu Besuch in der Saudi-arabischen Hauptstadt Riad, sei während des Telefonats anwesend gewesen. Der Kronprinz habe gesagt, er habe bereits eine umfassende Untersuchung dieses Falls begonnen und werde diese schnell ausbauen. Antworten zu dem Fall werde die saudi-arabische Führung "in Kürze" liefern.

Am Montag hatte der US-Präsident bereits mit dem saudischen König Salman telefoniert, der laut Trump ebenfalls vehement abstritt, irgendwas über die Hintergründe von Khashoggis Verschwinden zu wissen.

Khashoggi, ein Kritiker des saudischen Königshauses, hatte am 2. Oktober das Konsulat aufgesucht, um Hochzeitsdokumente abzuholen. Seither fehlt von ihm jede Spur. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Die saudi-arabische Führung bestritt den Vorwurf. Kronprinz Mohammed bin Salman behauptete, der Journalist habe das Konsulat nach wenigen Stunden wieder verlassen.

Haben türkische Ermittler Beweise?

Medienberichten zufolge bereitet das saudische Königshaus jedoch eine Erklärung vor, nach der der Journalist bei einem außer Kontrolle geratenen Verhör getötet wurde. US-Außenminister Pompeo war im Auftrag Trumps zu Besuch in Riad, um dem Fall nachzugehen. Er wurde dort vom Kronprinzen, von König Salman und Außenminister Adel al-Dschubeir empfangen. Nach dem Gespräch mit al-Dschubeir sagte Pompeos Sprecherin Heather Nauert, die beiden Minister seien sich einig gewesen hinsichtlich "der Bedeutung einer vertieften, transparenten Untersuchung" im Fall Khashoggi.

Unterdessen habe die türkische Polizei Beweise für Kashoggis Ermordnung gefunden, wie die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf einen "hochrangigen türkischen Beamten" mitteilt. Aufnahmen aus Überwachungskameras zeigten, wie diplomatische Fahrzeuge zum Konsulat fahren, nachdem Khashoggi hineingegangen sei. Laut dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan seien zudem Spuren von "toxischen Material" gefunden worden. Außerdem seien Teile der Räume frisch gestrichen worden.

sth/Reuters



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