Nato-Verbündete Montenegros Regierung widerspricht Trump

Attacken von US-Präsident Trump gegen die Nato-Partner der USA trafen zuletzt einen der kleinsten Mitgliedstaaten: Montenegro. Doch das Balkanland wehrt sich nun - und appelliert an die Bündnistreue.

Donald Trump und Montenegros Premier Dusko Markovic (Mitte) in Mai 2017
REUTERS

Donald Trump und Montenegros Premier Dusko Markovic (Mitte) in Mai 2017


Montenegro hat sich gegen die jüngsten Verbalangriffe von US-Präsident Donald Trump gewehrt. Das Land trage "zu Frieden und Stabilität nicht nur auf dem europäischen Kontinent sondern weltweit" bei, teilte die Regierung in Podgorica mit. Trump hatte Montenegro in einem Interview als winziges Land mit "sehr aggressiven" Menschen bezeichnet; die Nato-Partner müssten es im Fall eines Angriffs verteidigen, was zum "Dritten Weltkrieg" führen könnte.

In Montenegro leben etwa 660.000 Menschen, das Militär zählt nur wenige Tausend Soldaten. Der Balkanstaat machte sich 2006 von Serbien unabhängig. Im Frühjahr 2017 trat es der Nato bei und hat Verhandlungen mit Brüssel über einen möglichen EU-Beitritt aufgenommen.

Trump nährt Zweifel an Bündnistreue

"In der heutigen Welt, egal wie groß oder klein man ist, zählt es, wie man die Werte der Freiheit, Solidarität und Demokratie verteidigt", so die montenegrinische Regierung. Deshalb seien die Freundschaft und das Bündnis mit den USA "stark und unveräußerlich". Die Regierung wies darauf hin, dass Montenegro "zusammen mit den USA Soldaten in Afghanistan" stelle.

Trump hatte mit seinen Äußerungen erneut Zweifel an seiner Treue zur sogenannten Beistandsgarantie der Nato genährt. Er frage sich, warum die Nato-Partner ein kleines Mitgliedsland wie Montenegro im Fall eines Angriffs verteidigen müssten, sagte Trump im Interview mit dem US-Fernsehsenders Fox News.

Trump hatte zuletzt beim Nato-Gipfel in Brüssel den Streit um die Verteidigungsausgaben der Nato-Partner eskalieren lassen und auch Deutschland wiederholt scharf angegriffen.

asa/AFP



insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ympertrymon 19.07.2018
1. Geistig-rhetorischer Amoklauf ...
... eines debilen US-Präsidenten. Mal eben ohne erkennbaren Grund und Anlass ein ganzes Volk verunglimpft und beteiligt. Man kann nur hoffen, dass möglichst bald ein Amtsenthebungsverfahren in Gang kommt, bevor zu großer Schaden angerichtet ist. Mein Trost: Sämtliche von Trump verunglimpften Staaten bzw. deren Vertreter reagieren mit erstaunlicher Gelassenheit und lassen sich auf die Provokationen nicht ein, selbst der Iran ist vernünftiger als Trump. Sonst würde es vermutlich schon in einigen Regionen brennen ...
gunpot 19.07.2018
2. Wen soll die NATO denn sonst
schützen, wenn es nicht in erster Linie ihre kleinen fast wehrlosen Mitglieder wie Montenegro sind. Trumpel scheint es ja insbesondere auf Montenegro abgesehen zu haben. Nicht vergessen ist die Szene, als Trump im letzten Jahr auf einem Brüsseler Gipfel in Straßenboymanier den Präsidenten von Montenegro einfach beiseite schubste, weil er vorübergehend nicht wie üblich im Vordergrund stand. Was für ein Rüpel, der sich wahrscheinlich obendrein wegen einiger Moskauer Prostituierten in die Hände Putins begeben hat. Anders sind seine Erklärungen nach Helsinki nicht mehr interprätierbar. Wann wird der endlich aus dem Verkehr gezogen?
loeweneule 19.07.2018
3. Faszinierend
Was mich fasziniert sind die profunden Kenntnisse des Präsidenten Trump über andere Völker bzw. Staaten. Ich meine, irgednwo muß er den Quatsch doch herhaben, den er so von sich gibt. Denn von Montenegro weiß man in den USA wirklich nichts - bei uns übrigens auch nicht.
ex_Kamikaze 19.07.2018
4. Hyperventilierender Quatsch
der Aufmerksamkeits-Politiker und ihrer Medien um jeden Preis. Letztlich entscheiden nur die USA und ihr Präsident selbst was sie für Montenegro tun oder nicht - sie könnten auch Decken oder Medikamente schicken. Jeder Staat entscheidet selbst wie er seine Beistandspflicht erfüllt. Mehr sagt auch Artikel 5 nicht. Fraglich ist noch, wer denn nun Montenegro so akut bedroht und wie viele US-Amerikaner das Land überhaupt auf der Karte finden würden. Es ist zweifelhaft, ob die Mehrheit der NATO die Mitgliedschaft Montenegros als Verstärkung empfindet *hüstel*.... Und Trump wäre noch behämmerter als er ohnehin schon ist wenn er Montenegro einen Persilschein um jeden Preis ausstellen würde. Das hätte nicht mal Obama getan. Das Ganze ist die Schattenseite der Osterweiterung: man bekommt winzige untaugliche Streitkräfte, kann auf diese Länder erheblich einwirken aber man kauft auch alle inneren und äußeren Konflikte dieser teilweise politisch und ökonomisch sehr labilen Gebilde mit.
72prozentedelkakao 19.07.2018
5. The Art of the Deal
Eine Einladung: jeder Hegemon nimmt sich in seiner Einfluss Sphäre alles, was der Weltmacht Nr. 1 nicht verteidigungswert erscheint. Ehemalige UdSSR-Staaten wie etwa Estland, Lettland, Litauen leben ab sofort gefährlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.