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Kritik von Papst Franziskus: Ein Segen für Trump

Aus Columbia und Gaffney berichten und

Seine Rivalen wehren sich, jetzt düpiert ihn auch noch der Papst: Vor der Wahl in South Carolina wächst der Widerstand gegen Donald Trump. Und der? Scheint fast glücklich darüber.

Der Kandidat kommt zu spät. In der Halle des Städtchens Gaffney in South Carolina warten 3000 Anhänger ungeduldig. Was ist los mit Donald Trump?

Ja, was ist los mit ihm? Nach normalen Maßstäben des politischen Geschäfts würde man sagen: Es läuft nicht sonderlich gut für Trump. Der Papst ist auf ihn losgegangen. Ein Mann, der eine Mauer bauen wolle, um Menschen fernzuhalten, sei kein Christ, ließ Franziskus zum Abschluss seiner Mexiko-Reise wissen. Der Heilige Vater warnt vor Donald Trump. Zwei Tage vor der so wichtigen Vorwahl in South Carolina. Die christliche Rechte wird aufhorchen, sie wird sich Trump noch einmal genauer anschauen und am Ende fehlen ihm genau aus diesem Lager wichtige Stimmen.

So wird es doch laufen. Oder?

Auftritt Trump. Er wirkt aufgedreht, fast glücklich über die Vorlage des Papstes. Es interessiert ihn nicht die Bohne, was Franziskus über ihn denkt. Er spult sein Programm ab, hier eine Spitze, da eine Attacke. Trotzig ruft er: "Wir werden diese Mauer bauen!" Und: "Wir werden siegen!" Die Menge in Gaffney jubelt. Punkt aus.

Boom, boom, Trump

Es läuft schon lange nichts mehr nach normalen Maßstäben in diesem Wahlkampf, auch jetzt nicht. Trump, so scheint es, sieht in dem Duell mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche keinesfalls eine Gefahr. Eher eine Chance. "Infam" nennt er den Einwurf des Papstes. Sobald der "Islamische Staat" (IS) einmal den Vatikan angreife, würde sich der Papst noch einen Präsident Trump herbeiwünschen, schimpfte der Milliardär in einer Mitteilung. Von wegen Demut. Ich bringe die Geschichte erst noch richtig in Fahrt. Boom, boom, Trump.

Video: Papst über Donald Trump - "Dieser Mann ist kein Christ"

Die Fehde kommt aus seiner Sicht ja auch nicht wirklich ungelegen. Sie lenkt ab von Problemen, die gerade am Horizont auftauchen. Sein aggressiver Auftritt in der jüngsten TV-Debatte zum Beispiel, für die hat er schlechte Kritiken bekommen. Zwei landesweite Umfragen sehen ihn plötzlich hinter seinem Rivalen Ted Cruz. Und seinen anderen Gegnern scheint inzwischen klar zu sein, dass Trump eine echte Chance auf die Kandidatur hat, wenn sie nicht mal anfangen, sich zu wehren.

Zum Beispiel Jeb Bush. Der schimpft auf Trump, als wäre er für die Republikaner gefährlicher als Hillary Clinton. "Trump wäre ein komplettes Desaster", ruft er in einer Halle in Columbia. "Er ist kein Konservativer. Er hat unsere Partei überfallen!" Rauschender Beifall. Man kann sich in diesem Moment nicht vorstellen, dass Bush jemals auf die Idee kommen würde, Trump zu wählen, wenn dieser denn für die Republikaner ins Rennen ziehen würde.

Rubio und Haley werden Trump gefährlich

Unangenehmer als die Kritik Bushs ist für Trump die Zielstrebigkeit, mit der Marco Rubio seinen Aufstieg als Alternative zu ihm inszeniert. Der 44-jährige Senator schlägt auffallend freundliche Töne an. Er verzichtet weitgehend darauf, in South Carolina seine Rivalen per Fernsehwerbung anzugreifen, konzentriert sich auf seinen Ruf nach einem Generationenwechsel in der amerikanischen Politik und hat mit diesem Kurs eine enorm wichtige Unterstützerin gewonnen: Nikki Haley.

Die aufstrebende und äußerst beliebte Gouverneurin von South Carolina schlug sich in dieser Woche auf Rubios Seite. Nach dem Charleston-Massaker im vergangenen Juni hatte sie die Konföderierten-Flagge vom Landesparlament entfernen lassen. Das war gut und richtig. Kürzlich erwiderte sie für die Republikaner Barack Obamas Rede zur Lage der Nation. Das war professionell. Rubio und Haley: Zwei junge Kandidaten für den Wechsel. Diese Botschaft senden die beiden vor dem wichtigen Samstag aus.

Trump hat realisiert, dass die Koalition gegen ihn wächst. Noch immer liegt er in Umfragen in South Carolina klar vorne, aber auch er weiß, dass er etwas für die Mobilisierung seiner Anhänger tun muss. Je weniger Kandidaten es in den kommenden Wochen schaffen, desto umkämpfter werden die Vorwahlen.

Trump-Unterstützer in Gaffney, South Carolina Zur Großansicht
AFP

Trump-Unterstützer in Gaffney, South Carolina

Trump über Franziskus: "Er ist ein guter Mann"

Seine Fehde mit dem Papst könnte sich in dieser Hinsicht als hilfreich erweisen, übertreiben will er es aber auch nicht. "Ich will keinen Krieg mit dem Papst. Er ist ein guter Mann", sagt er am Abend. Trump dominiert, erstmals nach längerer Zeit, mal wieder sämtliche Schlagzeilen und Nachrichtensendungen. Das reicht ihm. Und die Auseinandersetzung hilft ihm dabei, sich erneut als starker Mann zu präsentieren, der sich nichts sagen lässt. Und zwar von niemandem. Nicht einmal vom Papst.

Seine Fans lieben ihn dafür. In Gaffney sitzt Alison, 52, ganz nah bei Trump an der Bühne. Sie verteidigt ihren Helden. "Trump sagt die richtigen Dinge über Migranten", meint Alison. Und überhaupt: Der Papst sei vielleicht auch falsch übersetzt worden. Alles also ein Missverständnis. Gleich daneben sitzt Rentner William. Er glaubt nicht an ein Missverständnis. Im Gegenteil.

"Der Papst", sagt der 79-Jährige, "soll seine Nase nicht in Dinge stecken, die ihn nichts angehen".

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1. Beten hilft nicht
Art. 5 19.02.2016
Der Vatikan ist doch selbst von dicken, meterhohen Mauern umgeben, nur der Petersplatz ist frei zugänglich. Einerseits beklagt der Papst die Drogenkartelle in Mexiko, andererseits sollen die USA aber keine Mauer an der mexikanischen Grenze errichten, um sich vor dem Drogenschmuggel und dem Einsickern der Drogenhändler zu schützen. Durch Beten kann die Drogenkriminalität nicht bekämpft werden.
2.
KurtT. 19.02.2016
Donald Trump ist die dümmlich, zynische Ausprägung, die Personalisierung des psychologisch, mentalen Phänomens, das es OHNE das "kulturimmanent" gewordene Bedürfnis nach "Feindbildern" nicht gäbe! Der Milliardär "bedient" damit vor allem jene Leute, die - in einer sich ständig verändernden Welt - ihre Identität über die Unterschiede statt die Gemeinsamkeiten zu finden hoffen > was dessen potenzielle Wähler für Machtinteressen instrumentalisier- und manipulierbar macht - und die Ursache für den unfriedlichen Status quo auf dieser einen Erde ist! Video Bob Dylan "Political World" > https://vimeo.com/18142038
3.
Hermes75 19.02.2016
Zitat von Art. 5Der Vatikan ist doch selbst von dicken, meterhohen Mauern umgeben, nur der Petersplatz ist frei zugänglich. Einerseits beklagt der Papst die Drogenkartelle in Mexiko, andererseits sollen die USA aber keine Mauer an der mexikanischen Grenze errichten, um sich vor dem Drogenschmuggel und dem Einsickern der Drogenhändler zu schützen. Durch Beten kann die Drogenkriminalität nicht bekämpft werden.
Es ging bei der Aussage von Franziskus wohl weniger um physische Bauwerke als um die Geisteshaltung. Trumps Wunsch eine Mauer zu bauen ist lediglich Ausdruck seines Menschenbildes. Darin unterscheidet er sich nun einmal fundamental von Franzikus. Der eine geht auf andere Menschen zu der andere grenzt sie aus. Selbst als mir als Atheisten erscheint die Haltung des Papstes hier menschlicher.
4.
global player 19.02.2016
Zitat von KurtT.Donald Trump ist die dümmlich, zynische Ausprägung, die Personalisierung des psychologisch, mentalen Phänomens, das es OHNE das "kulturimmanent" gewordene Bedürfnis nach "Feindbildern" nicht gäbe! Der Milliardär "bedient" damit vor allem jene Leute, die - in einer sich ständig verändernden Welt - ihre Identität über die Unterschiede statt die Gemeinsamkeiten zu finden hoffen > was dessen potenzielle Wähler für Machtinteressen instrumentalisier- und manipulierbar macht - und die Ursache für den unfriedlichen Status quo auf dieser einen Erde ist! Video Bob Dylan "Political World" > https://vimeo.com/18142038
Das ist genau die Definition von Religionen, der sich auch die katholische Kirche bedient. Es wird den Untertanen durch bestimmte Rituale und Glaubensbekenntnisse eingetrichtert, dass sie dadurch zu einer einzigartigen Gruppe gehören, die sich von anderen Gruppen mit anderen Religionen unterscheiden. Die Machthaber nutzen diese Unterschiede, um sich als Führer dieser Gruppe zu legitimieren. Auch die katholische Kirche grenzt aus.
5.
KurtT. 19.02.2016
Zitat von global playerDas ist genau die Definition von Religionen, der sich auch die katholische Kirche bedient. Es wird den Untertanen durch bestimmte Rituale und Glaubensbekenntnisse eingetrichtert, dass sie dadurch zu einer einzigartigen Gruppe gehören, die sich von anderen Gruppen mit anderen Religionen unterscheiden. Die Machthaber nutzen diese Unterschiede, um sich als Führer dieser Gruppe zu legitimieren. Auch die katholische Kirche grenzt aus.
Richtig - doch immerhin ist mit der Christianisierung in Europa auch eine hoch sublimierende Kultur entstanden. Mit genialen Könnern, die - wie etwa Leonardo da Vinci, Michelangelo, Johann Sebastian Bach, die Maler Goya, Breughel oder Hieronymus Bosch und viele andere - ohne die Konfrontation mit der "katholisch interpretierten" Wirklichkeit kaum zu dieserart Ausdruck gefunden hätten. Aber es ist zu respektieren, dass es viele Menschen gibt, die wie in ihrem alltäglichen ebenso im spirituellen Leben eine hierarchische Ordnung zu brauchen meinen - und lieber so zähen und langlebigen Institutionen wie der RKK vertrauen, als den eigenen Erfahrungen mit dem, was man "kreative Freiheit" nennen könnte und - idealerweise - die "Verinnerlichung" der "'entfesselnden' Aufklärung" braucht, als "Weg & Ziel" verstanden ... Video John Lennon "Imagine" > https://www.youtube.com/watch?v=yRhq-yO1KN8
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