Trumps Zorn über US-Geheimdienste und Medien "Absolute Schande"

In New York hat Donald Trump eine Pressekonferenz abgehalten - seine erste seit der Wahl. Sichtlich wütend reagierte er auf Berichte über angebliches Erpressungsmaterial aus Russland.


Er hat sich Zeit gelassen: Zwei Monate nach seiner Wahl zum 45. US-Präsidenten ist Donald Trump heute erstmals vor die Presse getreten. In New York gab er seine erste Pressekonferenz als designierter Staatschef.

Als erstes ging er auf Berichte ein, Russland könne ihn womöglich künftig unter Druck setzen: US-Medien hatten berichtet, dass Geheimdiensten bislang nicht überprüftes Material vorliege, mit dem Trump erpressbar gemacht werden sollte. Die Informationen, deren Wahrheitsgehalt nicht bestätigt ist, soll ein ehemaliger britischer Geheimdienstoffizier von russischen Geheimdiensten und Regierungsstellen gewonnen haben.

"Es ist eine absolute Schande, dass die Informationen nach außen gelangt sind", sagte Trump. "Völlig kranke Leute haben einen 35-Seiten-Bericht geschrieben", legte er nach, "das ist alles absoluter Blödsinn".

Trump machte Russland für die Hackerangriffe im US-Präsidentschaftswahlkampf verantwortlich. "Ich denke, es war Russland", sagte er. In den vergangenen Wochen hatte der designierte Präsident entsprechende Erkenntnisse der US-Geheimdienste noch in Frage gestellt.

Weiterhin keine Steuererklärung

Trump hatte sich in den vergangenen Wochen für ein besseres Verhältnis zu Russland ausgesprochen. "Wir werden sehen, was ich für ein Verhältnis zu Russland haben werde", sagte Trump am Mittwoch. Es sei nicht sicher, wie das aussehen werde. Er hoffe, dass er mit Putin auskommen werde. "Ich hoffe, ich komme mit Putin klar. Kann gut sein, dass nicht."

Auf der Pressekonferenz legte Trump sich auch mit Journalisten an. Die Online-Plattform BuzzFeed bezeichnete er als "einen versagenden Haufen Müll". Dem CNN-Reporter Jim Acosta attestierte Trump: "Du bist Fake-News." Acosta hatte mehrfach versucht, eine Frage an Trump zu stellen, dieser wies ihn aber wiederholt zurück und ließ die Frage schließlich nicht zu. Hintergrund: Buzzfeed hatte am Dienstag einen 35-seitigen Bericht veröffentlicht, in dem unter anderem von Sexvideos mit Prostituierten in einem Moskauer Luxushotel 2013 die Rede war. CNN hatte den Bericht aufgegriffen, ohne Details zu nennen.

"Wir werden der größte Arbeitsplatzbeschaffer sein, den Gott je geschaffen hat. Daran glaube ich. Das versichere ich Ihnen." Er wiederholte damit ein entsprechendes Versprechen aus dem Wahlkampf. Er werde sehr hart daran arbeiten, sagte Trump.

Seine Steuererklärung will Trump weiterhin nicht veröffentlichen. Außer Reportern interessiere sich niemand dafür, sagte der designierte Präsident.

Er werde seine beiden Söhne Eric und Donald Jr. seine Firmen führen lassen, kündigte Trump an. "Ich mache das, obwohl ich es eigentlich nicht müsste." Sein Firmenimperium werde eine Struktur haben, die ihn komplett vom Management enthebe. Seine Anwältin Sheri Dillon sagte in der Pressekonferenz, die Amerikaner könnten sicher sein, dass Trump als Präsident eine Kollision mit seinen Interessen als Immobilienunternehmer vermeiden werde.

Einnahmen seiner Firmen, die von ausländischen Regierungen stammen, will Trump spenden. Das kündigte seine Anwältin an. Das Geld soll an das US-Finanzministerium und damit an den Staatshaushalt gehen.

"Obamacare ist ein komplettes Desaster"

"Wir werden eines der besten Kabinette überhaupt haben", kündigte er an. Insbesondere der künftige Außenminister Rex Tillerson sei brillant, das sagten auch andere über den ehemaligen Präsidenten des weltgrößten Erdölkonzerns ExxonMobil. Er habe smarte Leute gesucht, Interessenkollisionen würden ausgeschlossen.

Zur Zukunft der Gesundheitsvorsorge sagte Trump: "Obamacare ist ein komplettes Desaster." Die vom scheidenden Präsidenten Barack Obama eingeführte Gesundheitsreform werde abgeschafft und danach ersetzt werden. Wie und womit, sagte Trump nicht. Die Materie sei sehr kompliziert. Man werde etwas viel Besseres schaffen.

Trump kündigte an, umgehend mit dem Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze zu beginnen. Er wolle damit nicht ein Jahr oder eineinhalb Jahre warten. Mexiko werde die Kosten entweder mit einer Steuer oder einer direkten Zahlung übernehmen.

als/dpa/Reuters/AFP

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Cluedo 11.01.2017
1. Es wird nicht lange dauern, und die meisten Amerikaner ....
.... werden sich sehnsuchtsvoll an die Präsidentschaft Obamas erinnern, als Pressekonferenzen mit dem Staatsoberhaupt noch von Würde und Stil geprägt waren und nicht von den Pöbeleien und dem rüpelhaften Umgangston eines beleidigten Egomanen, der kein Format hat.
RenegadeOtis 11.01.2017
2.
Wohlan denn! Endlich was Konkretes. Bis 31.12.2017 spätestens hat der Bau der Mauer begonnen, in einem Umfang der es zumindest vermuten lässt, dass der Bau bis 2020 signifikant voran gekommen sein wird. Bis Ende 2017 umfassende, detaillierte Pläne zum Ersatz vom Affordable Care Act. Offenlegung der Steuererklärung bis Ende 2017, damit man sieht wieviele Einnahmen aus Geschäften mit ausländischen Regierungen kamen und natürlich Nachweise, dass Spenden in gleicher Höhe an das Finanzministerium gingen. Den Beweis von Gott, der dann auch gleich bestätigt dass er Trump geschaffen hat würde ich jetzt nicht fordern. Aber es geht doch, Mr. president-elect, endlich mal konkrete Angaben. Dann ans Werk. PS: Im Falle dass "zufällig" was davon nicht klappt: Am besten die Medien und die Ausländer als Sündenbock nehmen. Demokraten, Mrs. Clinton und/oder Obama geht dann nicht mehr.
donicc 11.01.2017
3. Wieso sollte Mexiko diese Mauer zahlen?
Wenn man bedenkt, dass ein Politiker in erster Linie eine repräsentative Aufgabe hat (für die Inhalte hat er entsprechende Berater) und es also hauptsächlich auf eine Persönlichkeit ankommt, wird einem bei Trump ganz schwindelig. Denn die Persönlichkeit ist hochgradig egozentrisch und mitnichten staatsmännisch. Die Inhalte hinter der Fassade dürften umso dürftiger ausfallen. Kann mir eigentlich mal einer erklären, warum Mexiko diese Mauer zahlen sollte? Wie kommt er auf so eine Idee?
ed_tom_bell 11.01.2017
4. Mein großer Freund Shame
Womit sollten die Russen Trump schon erpressen können? Der Mann genießt bei seinen Wählern und seinen rechten Sympathisanten in aller Welt Narrenfreiheit. Er könnte Päderast oder Kannibale oder beides sein und sie würden ihn trotzdem noch ganz ganz dufte finden.
HagenWesterling 11.01.2017
5.
Trump hat lediglich Tacheles mt den lügenden Medien geredet. Nachdem #GoldenShowerGate von gestern und heute ist es das mindeste was er tun kann! Sonst war die Konferenz extrem souverän. Die Leute sind jemanden wie Obama leid der 10 Minuten Politikertalk hält und dabei keine einzige konkretes Aussage macht. Wie so viele andere auch unterschätzen Sie Trump und empören sich nur darüber dass er sich nicht wie sonstige Politiker verhält. Das macht er schon ganz bewusst so, schließlich ist dies genau der Aspekt, der ihn ins Amt gebracht hat.
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