Nach Trumps Verbalattacke EU-Kommission sieht sich weiter als Freund der USA

Nachdem Donald Trump die Europäische Union als einen "Gegner" bezeichnet hat, teilt der Vizepräsident der EU-Kommission mit: "Europäer werden Amerika niemals aufgeben."

Frans Timmermans
AFP

Frans Timmermans


Die Europäische Union sieht sich weiter als Freund der Amerikaner - auch wenn US-Präsident Donald Trump die Gemeinschaft eigenen Angaben zufolge eher als Gegner betrachtet. EU-Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans schrieb in der Nacht zu Montag bei Twitter: "Deine besten Freunde als Gegner zu bezeichnen, macht nur deine wirklichen Gegner glücklich. Europäer und Amerikaner sind durch Geschichte und ihre gemeinsamen Werte verbunden. Europäer werden Amerika niemals aufgeben, weil Amerika uns niemals aufgab. Dafür sind Freunde da."

Trump hatte die EU zuvor in einem Interview mit dem Sender CBS als einen "Gegner" beziehungsweise "Feind" der USA bezeichnet. Er begründete dies mit der aus seiner Sicht unfairen EU-Handelspolitik und verwendete dabei das englische Wort "foe". EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte Trump bereits umgehend widersprochen. "Amerika und die EU sind beste Freunde", schrieb er auf Twitter. "Wer auch immer sagt, wir seien Feinde, verbreitet Fake News."

Trump hatte in dem Interview auch über andere Länder gesprochen: China sei ein "wirtschaftlicher Gegner, aber das heißt nicht, dass sie schlecht sind". Über Russland sagte er, das Land sei "in gewisser Hinsicht ein Gegner". Am Montag wird Trump in Helsinki erstmals den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem bilateralen Gipfel treffen.

(Mehr zur Aktion "Deutschland spricht" finden Sie hier .)

Trump und Putin sind sich bislang zweimal begegnet. Die Beziehungen zwischen den USA und Russland befinden sich derzeit - trotz gegenseitiger Sympathien der beiden Präsidenten füreinander - auf einem Tiefpunkt. Streit gibt es unter anderem wegen der US-Sanktionen gegen Moskau, Russlands Rolle in Syrien und der Anklage gegen zwölf russische Geheimdienstmitarbeiter in den USA, denen Cyberangriffe auf die Demokraten im Wahlkampf 2016 vorgeworfen werden.

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Demos in Helsinki: Ist das Donald Trump? Fake News!

Trump kam bereits am Sonntagabend zusammen mit seiner Frau Melania in der finnischen Hauptstadt an - Tausende Menschen demonstrierten gegen den US- sowie den russischen Präsidenten. Am Montagmorgen will sich Trump zum Frühstück mit seinem finnischen Amtskollegen Sauli Niinistö treffen. Putin kommt erst am Vormittag nach Helsinki, kurz vor dem Vier-Augen-Gespräch. Für den Nachmittag ist eine Pressekonferenz der beiden Präsidenten angekündigt.

Ob das mit Spannung erwartete Treffen konkrete Ergebnisse bringen wird, ist zumindest fragwürdig. Trump selbst dämpfte bereits die Hoffnungen: "Ich gehe mit geringen Erwartungen hinein, nicht mit hohen Erwartungen", sagte er in einem Interview. Auf Twitter beklagte er, egal, wie gut der Gipfel für ihn laufen werde, der Öffentlichkeit werde das nicht genug sein.

aar/dpa

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mayazi 16.07.2018
1. "shared values"
Ich schätze, dass Trump und die EU eher keine gemeinsamen Werte haben, also kann er sich durchaus als unser Gegner sehen. Naja, irgendwann ist er wieder fort, besser früher als später, dann kann das Aufräumen beginnen.
sischwiesisch 16.07.2018
2. Devot
Ich hab mir das "Interview" dieses Wirrkopfes ein paar Mal angesehen. Da wird ganz klar deutlich: als größten Feind der USA sieht Trump definitiv die EU. "Wir" sind der Gegner. D.h. seine Soldaten in der EU stehen auf Feindesland. Deswegen kann ich mir mittlerweile die geradezu devoten Äusserungen im Artikel fast nicht mehr antun ob dieses Wahnsinnigen. Was, wenn ein Gegenüber SO auftritt wie Trump ? Was dann ? Das käme einmal auf einen Versuch an. Gänzliche Diplomatie ( das geht doch Trumpisten als politicsl correctness eh auf die Nerven ) vergessen und sofort auf gleiche Art antworten ? Was wäre dann ? Diese Brandstifter wie Trump nützen doch die Vernunftheit des Gegenüber aus. Was, wenn man es eskalieren lässt ? Dann käme das faschistische Gesicht dieses POTUS gänzlich zum Vorschein. Dessen bin ich mir sicher. Dieser Heuchler, bei dem auf jeden Etikett seiner Klamotten "Made in China" oder eines anderen asiatischen oder mittelamerikanischen Landes draufsteht. Wir werden erleben wie wohl er sich mit Putin fühlt. Das wird ein ganz grosses Anschleimen. Die ganze Sanktionspolitik der USA gegenüber Russland ist reine Show.
quark2@mailinator.com 16.07.2018
3.
Naja, man muß sich das Interview im Original anhören. Das Wort "foe" ... Trump scheint es mir als "Gegenspieler" zu interpretieren und in Bezug auf die EU bezieht er es auf die Wirtschaft. Er meint es wäre schwierig, mit seiner schottischen Mutter und seinem deutschen Vater würde er die Länder Europas mögen und ihre Anführer respektieren, aber er meint, die USA wären wirtschaftlich von den EU-Staaten benachteiligt worden. Ich hab da zwar meine Zweifel, aber zumindest ist seine Gedankenlinie nicht unverständlich. Er zählt dann noch Russland und China auf und spezifiziert auch da seine Sicht. Für Trump eher eine außergewöhnlich kohärente Darlegung. Ökonomie ist halt ein kompliziertes Ding und ich bin mir nicht sicher, daß Trumps einfach Sicht auf die Dinge ihm oder seinem Land zum Vorteil gereichen wird. Er legt immerhin dar, daß die Arbeitslosigkeit von "Blacks" und "Hispanics" und Frauen historisch niedrig wäre und meint die Wirtschaftsdaten wären außergewöhnlich gut. Naja ...
stadtmusikant123 16.07.2018
4. nette Worte
Freundlicher Rhetorik sollte die EU nun auch entsprechende Taten folgen lassen. Den besten Freund Jahrzehntelang den Großteil der Nato-Kosten tragen lassen und ihn dann auch noch jahrelang handelspolitisch zu "übervorteilen" , ist ein merkwürdiges Freundschaftsverhältnis.
spon_2937981 16.07.2018
5.
Eigentlich bin ich ja dafür, gegen Trump mit größtmöglicher (verbaler) Härte zurück zu schlagen. Aber 'Europäer werden Amerika niemals aufgeben' ist herrlich, eine wunderbar subtile Spitze. Der Adressat (Trump) wird es nur leider nicht verstehen. Die Aussage von Timmermans wird ihm liebdienerisch vorkommen (und ihm vielleicht schmeicheln).
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