Aufrüstung Trump nennt US-Militärbudget "verrückt"

Ungewohnte Töne vom US-Präsidenten: Donald Trump warnt vor "unkontrollierbaren" Militärausgaben - und bringt Abrüstungsgespräche mit China und Russland ins Gespräch.

Donald Trump
AP

Donald Trump


Noch in diesem Jahr ließ Donald Trump das US-Militär massiv ausbauen. Der Präsident wollte garantieren, dass die Vormachtstellung seines Landes in der Welt gesichert wird - Aufrüstung war schon ein Versprechen während seines Wahlkampfs.

Nun aber sind ganz andere Töne von Trump zu hören. Auf Twitter hat er sich unerwartet gegen die enorme Höhe der amerikanischen Militärausgaben ausgesprochen:

Konkret schrieb Trump: "Die USA haben in diesem Jahr 716 Milliarden Dollar ausgegeben. Verrückt!" Er sei sicher, dass er "irgendwann in der Zukunft" beginnen werde, mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu reden, um das "große und unkontrollierbare" Wettrüsten zu stoppen.

Was Trump zu der plötzlichen Einsicht bewogen haben könnte, ist unklar. Fest steht: Der US-Haushalt ist in diesem Jahr tatsächlich aus den Fugen geraten - unter anderem wegen Trumps eigener Steuerreform. Die Staatsschulden sind enorm gestiegen.

Jetzt soll offenbar gespart werden - und ein Ansatz scheint auch der Verteidigungsetat zu sein.

Außenminister der Nato-Staaten tagen am Dienstag zum INF-Vertrag

Trumps - allerdings noch sehr vager - Abrüstungsvorstoß kommt dennoch überraschend. Schließlich plant er zurzeit, aus dem INF-Abrüstungsvertrag mit Russland auszusteigen. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, den Vertrag gebrochen zu haben.

Mit dem INF-Vertrag verzichteten Amerikaner und Russen 1987 auf landgestützte nukleare Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 500 Kilometern. Kremlchef Putin warnte infolge von Trumps Ankündigung vor einem neuen Wettrüsten - also genau vor dem Szenario, das Trump nun in seinem Tweet kritisiert.

Die Außenminister der Nato-Staaten beraten an diesem Dienstag über die Konsequenzen aus dem vermuteten russischen Verstoß gegen den INF-Vertrag.

Trump hatte sich am Wochenende mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping getroffen. Beide wendeten eine Eskalation in ihrem Handelsstreit ab. Ein bei dem G20-Gipfel geplantes Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hatte Trump abgesagt und das mit den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine begründet.

aev/dpa

insgesamt 59 Beiträge
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Hajopistensau 03.12.2018
1. In der Tat ...
... denn diese Ausgaben sind nicht nur eine völlig überzogene Belastung für den US Haushalt, sie zwingen auch andere Länder zu entsprechenden Reaktionen und belasten so die ganze Welt - stünden diese Ressourcen für sinnvolle Investitionen zur Verfügung, wäre diese Welt ein besserer Ort!
BäckerGeselle42 03.12.2018
2. Jetzt echt?
Ich denke ja immer: "noch blöder/dümmer kann er sich nicht anstellen". Und dann schreibt er den nächsten Tweet, und ich denke mir: Überraschung, er kann es doch. Spannend ist aber eigentlich nur eines: es ist ja klar, dass er seine Tweets NUR für seine Anhänger schreibt. Aber welche Message will er ihnen damit jetzt auf den Weg geben? Vermutlich ist das mit den Zahlen ... alles nur kappes. Wichtig für ihn: er arbeitet erfolgreich mit den Führern anderer (großer) Nationen zusammen.
horstenporst 03.12.2018
3.
Hey Donnie, wenn das verrückt ist, wieso gibst du dann soviel Geld fürs Militär aus? Du musst nicht auf China und Russland warten. Die USA geben nämlich mehr Geld für ihr Militär aus als der Rest der Welt zusammen! https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/
sailor60 03.12.2018
4. ich tue es nur ungern
zum ersten mal muss ich Trump ohne Einschränkungen zustimmen. :-) 35% der Weltweiten Militärausgaben geht auf das Konto der USA. Danach folgt China mit 13%. Alle weiteren Länder folgen mit 4% und weniger. Das ist alles so wunderbar unproduktiv verbranntes Geld, zumindest wenn man dasselbe mit Verhandlungen erreichen kann!
Poli Tische 03.12.2018
5. Bestenfalls könnte man meinen, Trump hätte etwas dazugelernt......
... mir scheint aber, Trumps "Masche" ist es, mit seinem Arsch alles einzureißen, um es dann wieder aufzubauen. Bei seinem Wahlvolk verkauft er sein Handeln dann als die Rettung der USA, ach was, der ganzen Welt. Trump ist ein Hasardeur! "Ein Hasardeur ist ein Mensch, der unkalkulierbare hohe Risiken eingeht und dabei seine Sicherheit weniger eigener Einsicht und eigenem Können als einem wohlgesinnten Schicksal überantwortet. Er stellt sachliche Analysen der realen Gefahrenlage und Überlegungen zu den Folgen seines Tuns hinten an und spielt damit leichtsinnig mit seinem und anderer Menschen Leben bzw. Hab und Gut." WIKIPEDIA
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