Witwe des getöteten US-Soldaten "Trumps Anruf hat mich verletzt"

Die Witwe eines gefallenen US-Soldaten erhebt Vorwürfe gegen Donald Trump: Im Kondolenzgespräch per Telefon habe der US-Präsident sogar Probleme gehabt, sich an den Namen ihres Mannes zu erinnern.

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Die Witwe eines im Niger getöteten US-Soldaten hat Präsident Donald Trump beschuldigt, sich ihr gegenüber respektlos verhalten zu haben.

Trump hatte die 24-jährige Myeshia Johnson in der vergangenen Woche angerufen, als sie gerade auf dem Weg zum Flughafen war, um den Sarg mit der Leiche ihres Mannes in Empfang zu nehmen.

Der Präsident habe während des Telefonats Schwierigkeiten gehabt, sich an den Namen ihres Mannes zu erinnern, sagte Johnson nun in einem Interview des Senders ABC. Das Gespräch habe sie verärgert und verletzt. "Ich musste daraufhin noch viel schlimmer weinen", so die Witwe.

Die Details aus dem Gespräch mit Myeshia Johnson sorgten in den vergangenen Tagen für Wirbel. Die demokratische Kongressabgeordnete Frederica Wilson hatte berichtet, Trump habe der Witwe gesagt, ihr Mann habe gewusst, worauf er sich eingelassen habe, trotzdem schmerze es wohl. Trump wies dies zurück. Johnson bestätigte die Darstellung der Abgeordneten. "Ich war sehr wütend über den Ton seiner Stimme, und wie er es gesagt hat", sagte sie in dem aktuellen Interview.

Trump wies die Darstellung der Witwe zurück. Er habe ein sehr respektvolles Gespräch mit ihr gehabt, schrieb er auf Twitter. Von Beginn an habe er den Namen des Getöteten erwähnt, ohne dabei zu zögern.

La David Johnson war bei einem Einsatz am 4. Oktober im Niger gemeinsam mit drei weiteren US-Soldaten getötet worden. Die Leiche des 25-Jährigen wurde erst zwei Tage später gefunden. US-General Joseph F. Dunford sagte, die eingeschlossenen Soldaten hätten eine Stunde vergebens auf Hilfe gewartet. Bei den Angreifern soll es sich um Kämpfer des "Islamischen Staats" gehandelt haben.

Trump steht wegen seines Umgangs mit Hinterbliebenen von Gefallenen in der Kritik. So hatte er sich erst fast zwei Wochen nach dem Tod des Soldaten zu dem Einsatz in dem westafrikanischen Land geäußert. Als er bei einer Pressekonferenz danach gefragt wurde, warf er seinen Amtsvorgängern vor, sie hätten nie oder nur selten bei Hinterbliebenen angerufen. Er habe dies dagegen in allen Fällen getan. Beides stimmte nicht.

koe/dpa/Reuters

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bmvjr 24.10.2017
1. Fehleinschaetzung
Die arme Witwe hat Grund zur Trauer, keine Frage. Aber wer auch immer glaubt, vorausgegangene Praesidenten haetten die Namen der Gefallenen gekannt oder gar den Gefallenen selbst, der irrt. Der Name eines Gefallenen wird fuer den Zweck des praesidialen Anrufes vom Verteidigungsministerium an den Stabschef geleitet, damit dieser dafuer sorgen kann, dass die beauftragte Person den Praesidenten fuer derlei Anrufe etwas vorbereitet. Kein einziges "wir sind mit unseren Herzen und Gebeten bei den Opfern" aus dem Mund eines Staatsoberhauptes hat jemals bedeutet, dass dieses Staatsoberhaupt auch nur eines der Opfer persoenlich kannte oder gar mit den Hinterbliebenen persoenlich befreundet war. Solche Aussprueche oder auch "persoenliche" Anrufe und Beileidsbekundungen durch hochrangige Regierungsvertreter sollen der Oeffentlichkeit Anteilnahme suggerieren, das war's. Echtes Mitgefuehl mit den Hinterbliebenen ist nur von eben denen und unmittelbaren Freunden, Bekannten, Kollegen eines Opfers zu erwarten. Kein Praesident kann einer Witwe, die er nicht kennt wirklich echtes Mitgefuehl fuer den Tod eines Soldaten, den er ebenfalls nie kannte vermitteln. Egal, ob er nun Trump heisst oder Obama.
sanfernando 24.10.2017
2. Kriegsoperationen...
...können manchmal mit Grund erst später kommentiert werden, wenn z.B. der Vorfall oder evtl. die Schuldfrage unklar ist und noch untersucht werden muss. Merkwürdig nur, dass beim Kondolenzanruf Trumps bei der Witwe Frau Wilson anwesend ist. War bekannt, dass der Präs anrufen würde? Die Witwe, die Mutter des Gefallenen, der Fahrer und Frau Wilson hörten über Lautsprecher mit. Jeder bestätigt die Aussagen des Anderen. Vorgeprescht ist aber nicht die Witwe sondern die demokratische Abgeordnete Wilson. Trump habe gesagt, der Tote "habe gewusst, auf was er ich einlässt, es es schmerze wohl trotzdem", und er habe den Namen nicht parat gehabt. In den US-Nachrichten wurde ein mitgeschnittener Kondolenzanruf Trumps aus dem April veröffentlicht, bei dem Trump ausgesprochen zart und mitfühlend sprach. Schwer vorstellbar, dass er jetzt bei einem solchen Anruf verletzend gesprochen hat. Nach dem Auftritt von Frau Wilson (irgendwie operettenhaft, trägt stets einen Cowboyhut in der Farbe ihres Kleides) bestätigte die Witwe Johnson die Aussagen von Federica Wilson, und dass sie sich verletzt fühle. Einen Tag später sagt sie, der Anruf Trump "made me upset and cry". Wieder einen Tag später war es dann der Tonfall Trumps. Man möchte meinen, Frau Wilson habe etwas gesucht und auch gefunden, instrumentiert das Ganze genüsslich. Aber angesichts des Anlasses des Telefongespräches riecht es etwas unappetitlich! Hier politisch etwas reissen zu wollen, ist obszön! Die Wahl Trumps zum US-Präsidenten ist eine Katastrophe, aber in der obigen Angelegenheit wurde er zu Unrecht angegriffen.
c.PAF 24.10.2017
3.
Ich glaube Trump. Aus seiner Sicht hat er sich sicher respektvoll verhalten. Sein Problem ist halt, daß er keinerlei Ahnung hat, was Respekt bedeutet und zudem Schwarze und Frauen in seiner Auge sicher nicht zur einer Gruppe gehören, die Respekt verdienen. Aber vielleicht hat er sich ja bemüht... Allerdings ist und bleibt er ein Trumpeltier.
ollydk 24.10.2017
4. Sind wir mal ehrlich...
.. natürlich kennt er den Soldaten nicht persönlich, aber wenn man die Witwe schon anruft, sollte man seinen Namen wissen und sich vor allem vorher überlegen, was man sagt. Aber der Typ ist einfach nur ein Trampel und Dampfplauderer, scheint mir.
Hupert 24.10.2017
5. Recht haben sie...
Zitat von bmvjrDie arme Witwe hat Grund zur Trauer, keine Frage. Aber wer auch immer glaubt, vorausgegangene Praesidenten haetten die Namen der Gefallenen gekannt oder gar den Gefallenen selbst, der irrt. Der Name eines Gefallenen wird fuer den Zweck des praesidialen Anrufes vom Verteidigungsministerium an den Stabschef geleitet, damit dieser dafuer sorgen kann, dass die beauftragte Person den Praesidenten fuer derlei Anrufe etwas vorbereitet. Kein einziges "wir sind mit unseren Herzen und Gebeten bei den Opfern" aus dem Mund eines Staatsoberhauptes hat jemals bedeutet, dass dieses Staatsoberhaupt auch nur eines der Opfer persoenlich kannte oder gar mit den Hinterbliebenen persoenlich befreundet war. Solche Aussprueche oder auch "persoenliche" Anrufe und Beileidsbekundungen durch hochrangige Regierungsvertreter sollen der Oeffentlichkeit Anteilnahme suggerieren, das war's. Echtes Mitgefuehl mit den Hinterbliebenen ist nur von eben denen und unmittelbaren Freunden, Bekannten, Kollegen eines Opfers zu erwarten. Kein Praesident kann einer Witwe, die er nicht kennt wirklich echtes Mitgefuehl fuer den Tod eines Soldaten, den er ebenfalls nie kannte vermitteln. Egal, ob er nun Trump heisst oder Obama.
...aber darum geht es im Artikel und in besagtem Vorfall auch gar nicht. Es geht um die Selbstwahrnehmung des mächtigsten Mannes der Welt und vor allem sein schwieriges Verhältniss zur Wahrheit. Und wenn ich mir schon die Mühe mache um bei einer Angehörigen eines gefallenen Soldaten anzurufen, dann fange ich nicht an rumzustottern, sondern sehe zu, das ich den Namen auf Abruf im Kopf hab. Alles andere verschlimmert die Situation für die Angeörigen nur und impliziert Respektlosigkeit. Was er damit getan hat. Mal wieder...
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