Trumps neuer Wirtschaftsberater TV-Moderator Kudlow attackiert EU und China

Ein 70-jähriger TV-Moderator wird neuer Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump. Schon vor seiner offiziellen Ernennung geht der Mann auf Konfrontationskurs zur Europäischen Union und China.

Larry Kudlow
AFP

Larry Kudlow


Am Donnerstag soll Larry Kudlow offiziell ernannt werden, als Top-Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump. Bereits am Tag zuvor äußerte sich der konservative TV-Kommentator in einem Interview seines Senders CNBC - und signalisierte, dass er in Handelsfragen für einen harten Kurs gegenüber der EU und China stehe.

Die Europäische Union verfolge eine "sehr schlechte protektionistische Politik", sagte Kudlow. Und: "China hat seit Langem nicht nach den Regeln gespielt. Ich muss sagen, als jemand, der eigentlich keine Zölle mag, denke ich doch, dass China eine harte Antwort verdient hat." Er hoffe, dass sich mehrere Länder zusammentäten, um beim Thema Handel gegen China vorzugehen.

Zuvor hatte Kudlow der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, dass er Nachfolger des zurückgetretenen Nationalen Wirtschaftsberaters Gary Cohn werde. Trump habe ihm den Posten angeboten, und er habe zugesagt. Das Weiße Haus bestätigte die Personalie.

Lawrence A. "Larry" Kudlow, 70, moderiert derzeit Sendungen bei CNBC, er ist auch Radiomoderator und Kolumnist. In den Achtzigerjahren beriet er die Regierung von Ronald Reagan. Kudlow war Chefökonom bei der Investmentbank Bear Stearns. Mehrfach hat er einschneidende Steuersenkungen als Treiber von Wirtschaftswachstum bezeichnet.

Vorgänger geht nach Streit über Strafzölle

Bereits im Wahlkampf 2016 hatte Kudlow Trump unterstützt, er galt bislang als loyaler, informeller Berater und ist gut verdrahtet in der republikanischen Partei. In US-Medien wird darauf hingewiesen, dass Kudlow keinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften habe.

Trumps derzeitiger Top-Wirtschaftsberater Cohn verlässt das Weiße Haus während eines Streits über US-Strafzölle auf ausländischen Stahl und Aluminium. Cohn war maßgeblich an der jüngst verabschiedeten Steuerreform beteiligt, lag mit Trump aber in fast allen anderen Feldern überkreuz. Bei den Strafzöllen stellte er sich bis zuletzt, aber vergebens gegen den Präsidenten.

Auch Kudlow hatte die Zoll-Entscheidung erst vor Kurzem deutlich kritisiert. Jetzt sagte er CNBC, er sei erleichtert, dass Ausnahmen gemacht würden. Er fügte hinzu, dass die Zölle der breiteren US-Wirtschaft seiner Meinung nach nicht schaden würden. Wichtig sei dagegen ein starker und stabiler Dollar.

cte/dpa/Reuters



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joG 15.03.2018
1. Und dabei ist Kudlow....
....woe ich ein Vertreter freien und offenen Handels. Genau das sollte zu denken geben, zumal selbst hier hinterfragt wird, wie frei und fair Deutschland den Handel regelt. Denn eines muss klar sein. Wir erheben Zölle auf Importe und wir behindern trotz 20 Jahre zielgerichtete Forschung ohne wissenschaftliche Nachweise den Handel und Einsatz genverbesserter Sorten. Letztlich blockierte Deutschland TTIP. Nun mag Trump ein "Handelskrieg" nahegelegt werden. Aber wir starten hier nicht aus der Position freien Handels und das Ziel der USA ist freier Handel, den wir bisher be- bzw verhindern.
forky 15.03.2018
2. Das letzte Zucken
Die Bedeutung der USA nimmt immer mehr ab. EU und China haben überhaupt keine Angst vor einem Trade War. Denn die USA sind allenfalls noch militärisch eine Gefahr. Ein Land, das den größten Teil seiner Erfindungen im Ausland produziert und dann reimportiert, ist durch und durch bankrott und hatt sein Handelsdefizit selbst herbeigeführt. Was jetzt in den USA (und zeitgleich in GB) stattfindet, ist ein letztes Aufbäumen einer vermeintlichen Elite, die es versäumt hat, sich anzupassen. Die Mathematik spricht gegen die USA.
Harald Schmitt 15.03.2018
3. Dummes Amerika
Die sollten sich doch mal nach ihrem Anteil an dem Problem fragen. Warum kaufen die anderen Länder keine überdiemensionalen Kleinlaster mit 10Liter Hubraum für den Individualverkehr, warum kaufen die keine Waschmaschienen die mit kaltem Wasser waschen, warum wollen andere Länder keine Sturmgewehre zur Selbstverteidigung...? Warum müsssen ausländische Firmen, die in den USA produzieren erstmal ihre Angestellten selbst ausbilden, weil die Schulbildung so schlecht ist? Warum wollen die anderen Länder kein genmanipuliertes Essen oder in Chlor ertränkte Hühnchen? Was können sie machen um mehr zu exportieren? Die leben alle auf Pump und geben lieber viel zu viel Geld für ihr Millitär aus, das noch keinen einzigen Krieg gewonnen hat nur überallauf der Welt Zerstörung und Leid bringt! Statt etwas aufzubauen bomben sie lieber alles nieder.
claus7447 15.03.2018
4. Es wird spannend
Sicher wird ein Handelskrieg auch für die EU nicht völlig ohne Einwirkung sein. Aber es wird für die USA sicherlich kein Spaß einen mehrfrontenkrieg mit China etc. durchzustehen. Spezialstähle die in erster Linie aus der EU kommen werden in USA unverzichtbar sein. Dass wir dann ggf. Preisverfall bei baustählen in Europa haben, die aus China kommen ist etwas anderes. Hier sollte man aber nicht in Panik geraten. Es ist gut, dass die EU nicht hektisch Gegenmaßnahmen umsetzen kann (Abstimmungsergebnisse innerhalb der EU). Keep calm.
barrsoi 15.03.2018
5. Keine Angst vor Rotchina
so muss man betonen, denn Taiwan und Hongkong sind etwas anderes. Chinas Staatsfirmen haben sage und schreibe (allein) 29 Billionen Dollar Staatsschulden, die untilgbar sind. Die Staatsbanken haben immer neue Kredite in die Provinzen gepumpt, damit Arbeitsplätze erhalten bleiben. Das hat wenig genützt. Das ist das 1,5-fache der US-Staatsschulden. Rotchina ist mgl. pleite. Während wir hier glauben, es ist ein Riese geblieben. Ein paar Wochen Handelssperren und Xi Jinping muss verhandeln. Wer laufend Dumping macht, kommt in diese Lage. Chinas Achillesferse ist die Kopfzahl, die täglich ernährt werden muss. Xi hat sich auch deswegen zum neuen chin. Kaiser ausrufen lassen. Xi will das interne Chaos und die Megakorruption in den Griff nehmen. Ob ein Wachstum der Volkswirtschaft von rund 7 % überhaupt noch vorhanden ist, darf bezweifelt werden.
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