Neues Enthüllungsbuch über Trump Infant terrible

Nächster Rückschlag für Donald Trump: Im Buch der Reporter-Legende Bob Woodward werden brisante Interna aus dem Weißen Haus enthüllt. Der Präsident erscheint als Choleriker, den selbst eigene Leute für verwirrt halten.

Donald Trump
MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Donald Trump

Von , Washington


"Fear" lautet der Titel des Enthüllungsbuchs: "Angst". Das Werk hat 448 Seiten, soll in der kommenden Woche offiziell in den USA erscheinen und schon jetzt ist klar: Donald Trump hat ein neues Problem.

Denn nach allem, was bislang bekannt ist, dokumentiert Reporter Bob Woodward in seinem Buch nicht nur detailliert die Arbeit im Weißen Haus, sondern liefert auch brisante bis peinliche Geschichten und Zitate aus Trumps engster Umgebung. Zusammengenommen lässt dies vor allem einen Schluss zu: Trump und Co. sind zum Scheitern verurteilt.

Die Washington Post veröffentlicht erste Auszüge des Buchs - und schon ist der politische Betrieb in Washington in Aufregung. Ähnlich wie schon im Bestseller "Fire and Fury" erhalten Leser einen gnadenlosen Einblick in das Innenleben einer chaotischen und zerstrittenen US-Regierung.

Stabschef John Kelly nennt den Präsidenten demnach einen "Idioten". Trumps eigener Verteidigungsminister James Mattis wird mit den Worten wiedergegeben, der Präsident habe die "Aufnahmefähigkeit und das Verhalten eines Fünft- oder Sechstklässlers". Und Trump selbst soll Justizminister Jeff Sessions als "geistig zurückgeblieben" beschimpft haben.

Für Trump und seine Partei, die Republikaner, könnte das Buch zu keinem schlechteren Zeitpunkt erscheinen. In weniger als neun Wochen wählen die Amerikaner einen neuen Kongress und schon jetzt sind sie in der Defensive. Neue Umfragen zeigen einen 14-Prozent-Vorsprung der oppositionellen Demokraten, 60 Prozent der Amerikaner geben an, dass sie mit Trumps Amtsführung unzufrieden sind.

Der Wirbel um das neue Buch könnte diesen Trend verstärken. Dazu muss man wissen, dass Bob Woodward zu den angesehensten Enthüllungsjournalisten des Landes zählt. Er hat als junger Reporter zusammen mit Carl Bernstein bei der "Washington Post" den Watergate-Skandal aufgedeckt und gilt seither als einer der präzisesten und zuverlässigsten Chronisten des amerikanischen Politbetriebs.

Etliche brisante Passagen

Das Weiße Haus beeilte sich, die Beschreibungen in dem Buch als "pure Erfindung" zu brandmarken. Es gehe nur darum, den Präsidenten in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen, sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Stabschef Kelly wies Woodwards Darstellung, er habe Trump als "Idioten" bezeichnet, als unwahr zurück. Verteidigungsminister Mattis nannte Woodwards Aussagen erfunden. Und Trump selbst sprach von "vielen Glaubwürdigkeitsproblemen", die der Autor gehabt habe.

Ob die Dementis wirken, ist indes fraglich. Für sein Buch über Trump soll Woodward laut "Washington Post" Hunderte von Interviews mit Informanten geführt haben. Mehrfach habe er auch versucht, mit Trump selbst zu sprechen. Doch der habe ein Interview zunächst abgelehnt. Erst im August, nachdem das Manuskript bereits fertig war, habe er sich per Telefon gemeldet und seine Zusammenarbeit angeboten. Die Zeitung veröffentlicht auch ein Transkript dieses Gesprächs. Trump erkundigt sich darin nach Woodwards Quellen und erklärt, dass das Buch sicher "schlecht" für ihn, den Präsidenten, sei.

Zu den brisantesten Passagen zählen zweifelsohne die Episoden über Trump und die Ermittlungen zur Russlandaffäre von Robert Mueller. Woodward schildert unter anderem den Versuch von Trumps damaligem Anwalt John Dowd, Trump im Januar in einer Art Generalprobe auf ein Interview mit Mueller vorzubereiten.

Dowd soll Trump mit schwierigen Fragen zu den Russlandermittlungen gelöchert haben, wie sie auch Mueller und die Fahnder stellen würden. Das Ergebnis: Trump verwickelte sich in Widersprüche, tischte offenkundige Lügen auf, rastete aus und erklärte schließlich: "Ich will eigentlich gar nicht aussagen." Dowd soll daraufhin gegenüber Mueller erklärt haben, er könne Trump nicht dazu raten, auszusagen. Er würde sich sicherlich komplett "zum Idioten" machen. Und am Ende womöglich - wegen Falschaussage - im Gefängnis landen.

Explosiv sind auch jene Passagen, in denen Trumps Stabschef John Kelly und Verteidigungsminister James Mattis mit abfälligen Bemerkungen über Trump zitiert werden. Anders als Anwalt Dowd sind beide noch im Amt und pflegen zu Trump aber ein distanziertes Verhältnis. Die Woodward-Enthüllungen dürften deshalb vor allem den Entfremdungsprozess zwischen Kelly und Trump beschleunigen.

Der Reporter beschreibt ausführlich das Entsetzen der beiden Militärs über Trumps mangelndes Wissen und Interesse in der Außen- und Sicherheitspolitik. Kelly soll Trump im Weißen Haus vor Mitarbeitern als "verwirrt" bezeichnet haben: "Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Er ist außer Kontrolle. Es ist der Wahnsinn."

Trump beschimpft seine Mitarbeiter

Ähnlich abfällig soll sich Minister Mattis geäußert haben. Mehrfach habe Mattis Trump demnach belehrt oder Anweisungen des Präsidenten ignoriert, etwa den Wunsch, den Diktator Assad zu töten, schreibt Woodward. "Lasst uns Assad verdammt noch mal töten. Lasst uns ganz viele von denen töten", soll Trump in einem Telefonat gerufen haben. Mattis legte auf und sagte zu seinen Mitarbeitern: "Das machen wir nicht."

Der Minister sei über das Verhalten und Auftreten Trumps immer wieder entsetzt gewesen. Bei einem Treffen zu Afghanistan habe Trump seine Generäle in einem Tobsuchtsanfall 25 Minuten lang beschimpft. "Selbst die einfachen Soldaten im Graben könnten diesen Krieg besser führen als ihr", soll Trump erklärt haben. Mattis seinerseits habe Trump die "Aufnahmefähigkeit und das Verhalten eines Fünft- oder Sechstklässlers" attestiert.

Immer wieder beschreibt Woodward laut "Washington Post" Szenen aus dem Weißen Haus, in denen Trump die Mitarbeiter niedermacht oder über sie lästert. Seinen früheren Sicherheitsberater H.R. McMaster soll Trump hinter dessen Rücken wegen seiner vermeintlich billigen Anzüge verunglimpft haben. McMaster sehe aus wie ein "Bierverkäufer", so Trump.

Den damaligen Stabschef Reince Priebus soll Trump als "Ratte" bezeichnet haben. Seinen Justizminister Jeff Sessions nannte er "einen dummen Südstaatler", der "geistig zurückgeblieben" sei. Und zu seinem Handelsminister Wilbur Ross sagte Trump angeblich: "Ich traue dir nicht. Ich will nicht, dass du hier noch länger irgendetwas verhandelst. Du hast deine beste Zeit hinter dir."

Auch ein Schreiduell zwischen dem damaligen Chefstrategen Steve Bannon und Trumps Tochter Ivanka ist laut Buch überliefert. Darin soll Ivanka Bannon zurechtgewiesen haben: "Ich bin nicht irgendeine Mitarbeiterin. Ich werde es auch niemals sein. Ich bin die First Daughter."

An anderer Stelle wird beschrieben, dass Trump erst harsche Briefe oder Anweisungen schreiben lässt, die Mitarbeiter dann wieder von Trumps Schreibtisch entwenden, damit er sie nicht unterzeichnen kann. So sei beispielsweise eine Aufkündigung des Handelsabkommens mit Südkorea verhindert worden.

Immer wieder kommen die Ermittlungen zur Russlandaffäre zur Sprache, die wie ein dunkler Schatten über dieser Präsidentschaft liegen. Woodward berichtet von einem Telefonat des ägyptischen Präsidenten Abdel el-Sisi, in dem sich dieser besorgt bei Trump erkundigt, ob der US-Präsident die Affäre wohl politisch überleben werde. "Donald, bleibst du uns denn erhalten?"

Trump soll über die Frage des Ägypters entsetzt gewesen sein. Seinem Anwalt Dowd vertraute er an: "Das war wie ein Tritt in die Eier."



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Seite 1
ollydk 04.09.2018
1. Klingt alles recht plausibel
Ich kann mir jedenfalls sehr gut vorstellen, dass DT genau so tickt, da sich vieles davon mit seinem sonstigen Verhalten in der Öffentlichkeit deckt. Ich hoffe, die Midterms fallen zugunsten der Demokraten... nein... zugunsten der Amerikaner und der restlichen Welt aus und dass dann hoffentlich bald ein Impeachment oder spätestens die nächste Wahl ihn aus dem Amt entfernt.
alfredo24 04.09.2018
2. USA ist immer Deutschland ein paar Jahre voraus gewesen.
In den USA läuft ja wirklich noch eine größere Schlammschlacht, wie in der deutschen Politik und in deutschen Medien mit der AFD. Die USA war uns schon in jeder Hinsicht um ein paar Jahre voraus. Egal, ob in positivem oder negativem Sinne. Da können wir noch sehen, was auf uns zukommt. Der nächste Schritt wird wohl der deutsche Trump sein. Und verhindern können und wollen wir es offenbar nicht.
Roland Bender 04.09.2018
3. Hatte ich nicht wirklich anders erwartet.
Das Problem ist, dass die Trump Wähler so ideologisiert sind, dass sie sich von derlei Journalismus nicht mehr beirren lassen.
Bueckstueck 04.09.2018
4. Herrlich!
Und dieses mal kann keiner einen vermeintlich fragwürdigen Ruf des Autors als Ausrede anführen - der Mann gilt als journalistischer Nationalschatz. Die Quellen sind real und alles was er zitiert ist angesichts trumps Verhalten in der Öffentlichkeit 100% plausibel. Seine Präsidentschaft wird allgemein entweder als shitshow, Zirkus oder nationale Tragödie bezeichnet- in dem Buch wird man detailliert lesen weshalb all das zutrifft.
zeichenkette 04.09.2018
5. Und, wird das etwas ändern?
Die mit wenig Ahnung und immer umso festerer Meinung wollten einen von ihnen als Präsident und den haben sie bekommen. Je mehr die "Elite" und die von ihnen so verhaßten "Experten" ihn anfeinden und bloßstellen, desto mehr fühlen sie sich bestärkt.
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