Recherchen der "New York Times" Wie Trump wirklich reich wurde

Der angebliche Selfmade-Milliardär erhielt über Jahrzehnte finanzielle Hilfe von seinem Vater, wie Recherchen der "New York Times" zeigen. Nun ermittelt auch die Steuerbehörde. Die Details.

Donald Trump
AFP

Donald Trump


Er stellt sich nur allzu gerne als Macher dar, der sein Vermögen eigenhändig mit klugen Deals erschaffen hat. Bezweifelt wurde das schon häufiger - doch die jüngsten Recherchen der "New York Times" stellen die Geschäftspraktiken von US-Präsident Donald Trump mehr denn je infrage.

Sie zeigen, wie sehr Donald Trump am finanziellen Tropf des Vaters hing und wie die Familie offenbar mit Steuertricks viele Millionen Dollar hinterzog. Trump will von all dem nichts wissen, äußerte sich in einer ersten Reaktion verärgert auf Twitter: Die "New York Times" versuche einen "alten, langweiligen und oft erzählten Treffer zu landen. Zusammengefasst bedeutet das, dass 97 Prozent ihrer Geschichten über mich schlecht sind." Trumps Sprecherin Sarah Sanders hielt eine Entschuldigung bei Trump für angemessen.

Die New Yorker Steuerbehörden haben inzwischen Untersuchungen gegen den US-Präsident eingeleitet.

Die Recherchen der "New York Times" sind umfassend: Sie basieren unter anderem auf vertraulichen Steuerdokumenten und Gesprächen mit ehemaligen Mitarbeitern des verstorbenen Vaters, Fred Trump. Insgesamt wertete die Zeitung mehr als 100.000 Seiten Unterlagen aus.

Der Bericht legt offen, wie der heutige US-Präsident wirklich an sein Vermögen kam - und welch entscheidende Rolle sein Vater Fred Trump spielte.

Zu Weihnachten ein Scheck über 10.000 Dollar

Laut Bericht der "New York Times" floss das Geld des Vaters seit frühester Kindheit. Trump habe bereits im Alter von drei Jahren über ein jährliches Einkommen von 200.000 Dollar verfügt und sei mit acht Jahren Millionär gewesen.

Als er 17 Jahre war, hatte ihm sein Vater bereits einen Apartmentkomplex mit 52 Wohnungen übertragen, berichtet die Zeitung. Fred Trump war demnach äußerst einfallsreich, wenn es darum ging, seine Kinder an seinem Reichtum teilhaben zu lassen: Er stellte Donald als bezahlten Angestellten an, ließ ihn als Verwalter seiner Immobilien arbeiten, als Banker, als Berater. Zu Weihnachten gab es auch mal einen Scheck über 10.000 Dollar. Das Geld floss auf viele Arten.

Fred Trump
imago/ ZUMA Press

Fred Trump

Dabei war die Linie zwischen der Steuervermeidung und Steuerhinterziehung äußert schmal, berichtet die "New York Times."

Eines zeigen die Recherchen ganz deutlich: Trump erhielt von seinem Vater deutlich mehr Geld, als er selbst behauptet. Wiederholt hatte er betont, nur eine Million Dollar von seinem Vater bekommen zu haben. Natürlich habe er das Geld zurückgehzahlt.

"Was ich aufgebaut habe, habe ich selbst aufgebaut", sagte Donald Trump bei vielen Gelegenheiten. Die ausgewerteten Dokumente sprechen aber eine andere Sprache. Laut "New York Times" hat Trumps Vater ihm im Laufe der Zeit 60,7 Millionen Dollar geliehen (heutiger Wert: 140 Millionen Dollar). Dokumente zeigen demnach, dass Trump seinem Vater diese Summen meist nicht zurückzahlte. Im Laufe der Jahrzehnte erhielt Trump von seinem Vater Fred Werte aus dessen Immobiliengeschäft im Volumen von heute mindestens 413 Millionen Dollar.

Donald Trump wollte Testament ändern lassen

Doch nicht nur Donald Trump erhielt finanzielle Zuwendungen. Auch die Geschwister profitieren und versuchten, die Schenkungen des Vaters zu verschleiern. Laut "New York Times" gründeten Donald Trump und seine Geschwister unter anderem eine Scheinfirma, um Schenkungen ihrer Eltern zu verschleiern. Insgesamt hätten die Eltern ein Vermögen von weit über einer Milliarde Dollar auf ihre Kinder übertragen, sodass beim damals gültigen Steuersatz von 55 Prozent auf Geschenke und Erbschaften mindestens 550 Millionen Dollar an Steuern fällig gewesen wären.

Durch Steuertricks und Steuerhinterziehungen hätten die Trumps jedoch nur 52,2 Millionen Dollar gezahlt, so der Bericht. Trump habe etwa geholfen, Immobilien seiner Eltern geringer zu bewerten. Die Familie habe riesige Summen am Fiskus vorbeigeschleust - durch Steuertricks, aber womöglich auch illegale Steuerhinterziehung.

Doch trotz der finanziellen Zuschüsse wollte Donald Trump offenbar mehr: Im Dezember 1990 versuchte er, das Testament des Vaters zu ändern. Er schickte Fred Trump Vorschläge, die ihm mehr Einfluss verschafft hätten - etwa über die Immobilien. Doch der unterschrieb das Dokument nicht, heißt es in dem Bericht der "New York Times."

2003 war Donald Trump erneut in finanziellen Schwierigkeiten. Fred Trump war vier Jahre zuvor im Alter von 93 Jahren gestorben. Donald Trump begann mit dem Verkauf des Imperiums, das der Vater hinterlassen hatten. 177,3 Millionen Dollar brachte ihm das Geschäft ein. Dabei hatten Banken den Wert wesentlich höher taxiert: Trump, der selbst ernannte Meister des Deals, hatte sich und das Vermächtnis des Vaters unter Wert verkauft.

mho/dpa/AFP

insgesamt 70 Beiträge
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Seite 1
Joe Amberg 03.10.2018
1. Was für eine Überraschung...
...jeder der es wissen wollte konnte schon lange wissen, mit welchen unsäglichen "Deals" der feine Herr sein Geld "erwirtschaftete" - wenn er zwischendurch nicht gerade pleite ging. Und dass er seit Jahrzehnten lügt wie gedruckt ist echt keine Neuigkeit mehr...
taglöhner 03.10.2018
2. Eichhörnchen
Warum sollte man sonst Reichtum anhäufen, wenn nicht um seine Kinder und Kindeskinder abzusichern.
leckermaul 03.10.2018
3. All das wird ihm nicht schaden
Selbst wenn es die akribisch recherchierte Wahrheit ist, werden seine Anhänger nur darin bestätigt, dass es die staatlichen Institutionen sind, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.
fehleinschätzung 03.10.2018
4. Alternative Fakten
möglicherweise wurde da von frühester Kindheit an, an Fake News gearbeitet. Wie sonst könnte man erklären, das er so gut in seiner Rolle ist, wenn das nicht lange genug geübt und selbst geglaubt wurde. Am Ende kommt perfektes Geschwurbel dabei raus und er ist Präsident. Ich hoffe so sehr, das die Menschen in Europa andere Werte schätzen....
meister_proper 03.10.2018
5. Donald Trump hat es sogar fertiggebracht
mit einem Casino pleite zu gehen. Das ist eigentlich gar nicht möglich, es sei denn man verschenkt das Geld. Ansonsten gewinnt immer die Bank. Der Mythos vom Deal-Maker ist eine Farce.
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