Verhandlung über Stormy-Daniels-Affäre Niederlage für Trump-Anwalt Cohen

Donald Trump darf die beschlagnahmten Dokumente seines Anwalts Michael Cohen nicht einsehen. Das entschied ein US-Gericht. Bei der Verhandlung gab es eine überraschende Enthüllung.

Michael Cohen (Mitte)
AFP

Michael Cohen (Mitte)


Der von den US-Justizbehörden ins Visier genommene persönliche Anwalt von Präsident Donald Trump hat vor Gericht eine Niederlage erlitten. Eine Bundesrichterin in New York wies den Antrag des Juristen Michael Cohen ab, die bei ihm beschlagnahmten Dokumente teilweise vor der Einsichtnahme durch die Ermittler zu schützen.

Die Entscheidung, die am Montagabend getroffen wurde, ist auch ein Rückschlag für Trump. Denn die Dokumente enthalten möglicherweise brisante Informationen über sein Berufs- und Privatleben.

Der Gerichtstermin mündete in einem Spektakel. Unter gewaltigem Medienandrang erschien auch die Pornodarstellerin Stormy Daniels, die vor Jahren eine kurze Affäre mit Trump gehabt haben will und mit der Cohen kurz vor der Wahl 2016 eine Stillschweigevereinbarung unterzeichnet hatte.

"Herr Cohen hat sich seit Jahren so aufgeführt, als stünde er über dem Gesetz", sagte die 39-Jährige vor dem Gerichtsgebäude.

Stephanie Clifford alias Stormy Daniels
DPA

Stephanie Clifford alias Stormy Daniels

Die Ermittlungen gegen Cohen zielen nach Angaben des US-Justizministeriums hauptsächlich auf sein Geschäftsgebaren ab. In der vergangenen Woche hatten Beamte der Bundespolizei FBI sein Büro, seine Wohnung und sein Hotelzimmer durchsucht und dabei Tausende Dokumente, einen Tresor und zwei Handys beschlagnahmt. Trump betitelte die Razzia als "Angriff auf unser Land".

Cohen arbeitet seit etwa zwölf Jahren für Trump und gilt als dessen enger Vertrauter. Er wird häufig als Trumps "Ausputzer" bezeichnet, weil er hinter den Kulissen für seinen Chef unangenehme Angelegenheiten bereinigt haben soll.

Einige der bei ihm beschlagnahmten Dokumente sollen sich auf eine Summe von 130.000 Dollar (nach heutigem Wert 105.000 Euro) beziehen, die Cohen kurz vor der Wahl an Stormy Daniels gezahlt hatte. Im Gegenzug verpflichtete sich die Schauspielerin mit dem bürgerlichen Namen Stephanie Clifford, mit ihren Schilderungen eines angeblichen Sexabenteuers mit Trump nicht an die Öffentlichkeit zu gehen.

Bei der Zahlung könnte es sich möglicherweise um eine illegale Wahlkampfspende gehandelt haben. Cohen will die Zahlung aus eigener Tasche geleistet haben. Trump wiederum beteuert, von dem Deal nichts gewusst zu haben.

Möglicherweise soll unabhängiger Sachverständiger über Dokumente entscheiden

Bundesrichterin Kimba Woods lehnte nun Cohens Antrag ab, die beschlagnahmten Materialien vom Präsidenten durchsehen zu lassen, damit dieser entscheiden könne, welche unter Verschluss bleiben sollten. Sie schloss jedoch nicht aus, dass zu dieser Frage später ein unabhängiger Sachverständiger eingeschaltet werden könnte. Vorerst erlaubte sie nur Cohens Anwälten, die Dokumente durchzusehen.

Clifford sagte nach der Anhörung im TV-Sender ABC, sie sei es leid, "gemobbt" und "bedroht" zu werden. Sie sagte, sie habe ihre Affäre mit Trump unter massivem Druck geheim gehalten. Die Schweigevereinbarung betrachtet sie heute als ungültig, sie liegt darüber im Rechtsstreit mit Cohen.

Die Pornodarstellerin und ihr Anwalt Michael Avenatti veröffentlichten die Skizze eines Mannes, der Clifford vor sieben Jahren bedroht haben soll, und versprachen eine Belohnung von 100.000 Dollar für seine Identifizierung.

Clifford hatte Ende März in einem TV-Interview berichtet, der Mann habe sie gewarnt, Trump "in Ruhe" zu lassen. Dabei habe er ihre kleine Tochter angesehen und gesagt: "Es wäre schade, wenn ihrer Mama etwas zustoßen würde."

Die Gerichtsanhörung wurde auch durch eine überraschende Enthüllung zu einem denkwürdigen Ereignis: Unter dem Druck der Richterin gab Cohens Anwalt preis, dass sein Mandant auch für den Starmoderator des Trump-freundlichen Senders Fox News, Sean Hannity, gearbeitet habe.

Fox-Moderator Sean Hannity
REUTERS

Fox-Moderator Sean Hannity

Trump verbindet auch mit Hannity ein Vertrauensverhältnis. Beide sollen regelmäßig telefonieren. Der Moderator erklärte jedoch, er habe Cohen nie für irgendwelche Dienste bezahlt. Er habe lediglich gelegentlich dessen Meinung eingeholt, und zwar hauptsächlich zu Immobilienangelegenheiten.

kry/AFP

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