Russlandaffäre "War Room" soll Vorwürfe gegen Trump abwehren

Zurück in den USA erwartet Donald Trump die leidige Russlandaffäre. Sein Team plant eine Offensive, der Präsident soll sich an seiner Basis besser in Szene setzen. Die Idee soll vom Chefstrategen Steve Bannon kommen.

Donald Trump mit Beratern
AFP

Donald Trump mit Beratern


Der US-Präsident soll vor Folgen der Russland-Affäre geschützt werden: Insidern zufolge bereitet das Weiße Haus ein spezielles Team vor, das Vorwürfe über eine Einflussnahme des Kreml auf Donald Trump abwehren und ihn im Land besser in Szene setzen soll.

Mit der Einsetzung eines Sonderermittlers durch das Justizministerium sei der Druck gewachsen, eine Gegenstrategie umzusetzen, hieß es aus Kreisen des Weißen Hauses. Zu dem Team des sogenannten War Room sollen unter anderem Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner sowie Steve Bannon gehören, der die populistische Strategie im Wahlkampf miterdacht hat.

Bannon und Trumps Stabschef Reince Priebus hätten das Konzept für den "War Room" ausgearbeitet, hieß es. Zu dem Team sollen auch Politik-Profis und Anwälte gehören. Laut "New York Times" soll auch Corey Lewandowski, Trumps ehemaliger Wahlkampfmanager, eingebunden werden.

"Nicht auf Zweifrontenkrieg vorbereitet"

Ein Insider mit engen Kontakten zum Weißen Haus sagte, es werde eine neue Struktur benötigt, um sich der "neuen Realität" zu stellen. Er bezog sich dabei auf das ständige Durchstechen von Interna aus Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten an die Presse, was seit der Entlassung von FBI-Chef James Comey deutlich zugenommen habe.

Es habe sich gezeigt, dass das Weiße Haus "in seiner gegenwärtigen Struktur (...) nicht wirklich für einen Krieg an einer Front vorbereitet war, geschweige denn für einen Zweifrontenkrieg". Es gehe darum, einerseits Trumps eigene Politik voranzutreiben und gleichzeitig die Angriffe abzuwehren.

Eine offizielle Stellungnahme zu den Plänen gab es zunächst nicht. Es hieß lediglich, der Präsident wolle den Schwung nutzen, den er aus seiner Auslandsreise spüre. Im Gespräch seien mehr Auftritte Trumps in den USA außerhalb der Hauptstadt.

Im Video: Trump ignoriert Reporterfragen

Chronologie der Russland-Affäre
Juli 2016
Die US-Bundespolizei FBI beginnt Ermittlungen zu einer möglichen Einflussnahme Russlands auf den Präsidentschaftswahlkampf. FBI-Chef Comey bestätigt das aber erst acht Monate später - nachdem die Wahl gelaufen ist.
7. Oktober
US-Geheimdienstler machen ranghohe russische Vertreter öffentlich für Hackerangriffe und Desinformationskampagnen während des Wahlkampfs verantwortlich.
8. November
Trump gewinnt die Präsidentschaftswahl. Mitverantwortlich dafür ist nach Auffassung seiner demokratischen Gegnerin Hillary Clinton unter anderem Russlands Einflussnahme.
29. Dezember
Präsident Barack Obama verhängt noch vor Trumps Amtsantritt Sanktionen gegen Russland wegen russischer Hackerangriffe im Wahlkampf. Moskau nennt die Vorwürfe unbegründet und spricht von Methoden aus dem Kalten Krieg.
6. Januar 2017
Comey und drei ranghohe Geheimdienstvertreter informieren Trump über ihre Einschätzung, dass Kreml-Chef Wladimir Putin persönlich hinter dem Versuch der Einflussnahme in den USA steht.
13. Februar
Sicherheitsberater Flynn tritt zurück. Er stürzt über seine umstrittenen Kontakte zum russischen Botschafter in Washington und eine diesbezügliche Falschaussage.
1. März
Der neue Justizminister Jeff Sessions gerät unter Druck, weil er bei Senatsanhörungen Treffen mit dem russischen Botschafter verschwiegen hat.
20. März
Comey bestätigt erstmals, dass sich die FBI-Untersuchungen zu den mutmaßlichen russischen Hackerangriffen im Wahlkampf auch auf eine mögliche Verwicklung des Trump-Teams konzentrieren.
8. Mai
Die von Trump entlassene Ex-Justizministerin Sally Yates sagt vor einem Senatsausschuss aus, sie habe die Regierung bereits kurz nach Amtsantritt gewarnt, dass Flynn durch Russland erpressbar sein könnte.
9. Mai
Comey wird von Trump wegen der Russland-Ermittlungen als FBI-Chef entlassen.
12. Mai
Trump warnt Comey davor, mit internen Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen. Trumps Anwälte geben an, der Präsident habe in den vergangenen Jahren bis auf "wenige Ausnahmen" keine größeren geschäftlichen Verbindungen nach Russland gehabt. Da sich der Immobilienmilliardär weigert, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen, bleibt Raum für Spekulationen.
15. Mai
Die "Washington Post" berichtet, Trump habe streng geheime Informationen von einem befreundeten ausländischen Geheimdienst an Russlands Außenminister Sergej Lawrow weitergegeben. Das Weiße Haus weist den Bericht als "falsch" zurück. Trump twittert jedoch kurz darauf, er habe das "absolute Recht", Informationen mit Russland zu teilen.
16. Mai
Medienberichten zufolge soll Trump Mitte Februar versucht haben, direkten Einfluss auf die Ermittlungen des FBI zu den Moskau-Kontakten seines Teams auszuüben. Mit den Worten "Ich hoffe, Sie können das sein lassen" soll er Comey gedrängt haben, die Ermittlungen gegen Flynn zu stoppen.
17. Mai
Das US-Justizministerium ernennt den früheren FBI-Chef Robert Mueller zum Sonderermittler für die Untersuchung der möglichen Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf.
23. Mai
Ex-CIA-Chef John Brennan sagt vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, er habe 2016 Informationen erhalten, die "Kontakte und Interaktionen" zwischen Mitarbeitern der Trump-Wahlkampagne und russischen Regierungsmitarbeitern enthüllt hätten. Es solle "jedem klar sein, dass Russland in den Ablauf unserer Präsidentschaftswahl eingegriffen hat".
26. Mai
Während Trumps erster Auslandsreise berichten US-Medien, dass auch Trumps Schwiegersohn und politischer Berater Jared Kushner bei den Ermittlungen der Bundespolizei FBI zur russischen Einflussnahme auf die US-Wahl ins Visier geraten ist. Kushner hat sich laut "Washington Post" Anfang Dezember bei einem Treffen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak um die Einrichtung eines geheimen Gesprächskanals mit dem Kreml bemüht.

cte/Reuters



insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
fabiofabio, 28.05.2017
1. Muss er
doch tun! Die geballte Kraft der linksliberalen Medien schreiben und Blöken die Vorgaben ihrer Herren täglich laut in die Welt, etwa so schlimme Sachen wie überspitzt " Trump hat russischem Aussenminister gesagt, er findet russische Frauen schöner als maerikanische"...Landesverrat! Impeachet ihn!... Wieso soll.er sich nicht wehren dürfen, gegen solchen Mist?
mimas101 28.05.2017
2. Hmm Tja
Hätte Mr. Trump Anstand im Leib würde er von sich aus zurücktreten. Aber nein, er gründet mittlerweile eine Promotion-Agentur die ihn schlicht besser verkaufen soll. Nur was soll aber besser verkauft werden? Nix. Trump ist unfähig fürs Amt. Jüngster Beweis: G7-Gipfel. Trump konnte dort nicht als Macher landen sondern mußte verhandeln und Kompromisse eingehen. Sowas ist natürlich in seinen augen nicht gut und was könnte er dann seinen Wählern sagen? Also kam wie es kommen muß: Als Mr. Wichtig vordrängeln, danach beliebte erm mangels Übersetzer im Ohr nicht mal mehr an den Verhandlungen anesend zu sein und zum Schluß ließ er nicht nur alle warten sondern verkündete sich und seine Regierung selbst über Twitter. Und mit Realitätsverweigerung hat er es sowieso - siehe der Nato-Gipfel wo er mit immer phantastischeren .Aussagen lediglich andeutete das die welt seine Kriegspläne gefälligst bezahlen soll. Ansonsten kann man davon ausgehen das Trump keinen Rückhalt in der Bevölkerung sowie in der Industrie, insofern sie auf Innovationen, Export/Import pp angewiesen ist, hat. Trotzdem - Trump sollte man nicht mit John Doe gleichsetzen, denn der leidet ebenfalls unter diesem Präsidenten. Sollte Trump das Angedrohte nur im Ansatz wahrmachen dann mit Sicherheit schlimmer als das derzeit abgekühlte Teamwork EWG - USA.
niska 28.05.2017
3.
Trump richtet jetzt also einen "War Room" ein. Sprich eine Propagandaabteilung aus Beratern und Anwälten, die eine Art "Wahlkampf" während der Präsidentschaft machen soll. Also weiter keine Inhalte, oder Klärung von strittigen Fragen, sondern nur noch mehr "Wahlkampf"auftritte bei der Basis. Die hinzugezogenen Anwälte lassen erwarten, dass es Ziel ist, die massiven Anschuldigungen nicht zu klären, sondern in gewohntem Trump-Style mit Gegenklagen und Einschüchterung in die Länge zu ziehen und zu ersticken. Er soll solange auf Winketour gehen, als habe er nichts damit zu tun. Das ist schon eine Strategie. Da Bannon aber auch nicht die Eignungen hat, diese Finte richtig aufzuziehen ist das Manöver mehr als offensichtlich.
niska 28.05.2017
4.
Zitat von fabiofabiodoch tun! Die geballte Kraft der linksliberalen Medien schreiben und Blöken die Vorgaben ihrer Herren täglich laut in die Welt, etwa so schlimme Sachen wie überspitzt " Trump hat russischem Aussenminister gesagt, er findet russische Frauen schöner als maerikanische"...Landesverrat! Impeachet ihn!... Wieso soll.er sich nicht wehren dürfen, gegen solchen Mist?
Muss er? Ja, zum Selbstschutz, dass er bei dem, was gelaufen ist, Schadensbegrenzung betreiben kann. Da haben die "linken" Medien aber nichts damit zu tun. Verursacher ist ja schliesslich Team Trump. Die Medien berichten nur, was ihre Aufgabe ist. Bei Ihrer Begründung handelt es sich hingegen um eine klassische Strohmann-Argumentation in Ermangelung von Argumenten.
Ein kleiner Idiot 28.05.2017
5. Putsch von oben a la XYZ...
...gegen den eigenen demokratischen Rechtsstaat. An der Spitze ein rassistsicher Rechtsextremer, der den bestehenden Staat abschaffen will. Das Ganze dann deklariert als "war room". Krieg gegen den eigenen Rechtsstaat, gegen den man sich selbst wendet, den man aushölt, beugt und/oder verbiegt und an dessen Spitze sich ein Clan breit macht, der das Land wie ein Pate führen will. Wer käme auf die Idee vor 1 oder 2 Jahren, dass diese Beschreibung auf dei USA zutreffen wird? Man hätte gehört, das man wohl etwas zu viel VT gelsen habe. Niemand hätte einen ernst genommen. Dabei ist es Realität geworden. Die USA müssen ihre Demokratie verteidigen. Gegen den gewählten Präsidenten, seinen abstrusen Lügen, seinen üblen Verleumdungen und den Nazis an seiner Seite, die ihn persönlich beraten.
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