US-Präsidentschaftskandidatur Republikaner spielen Revolte gegen Trump durch

Aus Angst vor einer Wahlniederlage formiert sich bei den US-Republikanern Widerstand gegen Donald Trump. Berichten zufolge wollen Hunderte Delegierte die Regeln beim Nominierungsparteitag ändern.

Donald Trump
AP

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In vier Wochen könnte Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner gekürt werden. Seine Konkurrenten haben im Vorwahlkampf aufgegeben, die notwendige Zahl an Delegierten hat er zusammen. Doch in seiner Partei wächst die Zahl derer, die eine Trump-Kandidatur in letzter Minute verhindern wollen.

Am Sonntag haben die Gegner Trumps einem Bericht der "Washington Post" zufolge bekanntgegeben, dass sie Geld für einen Fonds sammeln. Aus diesem sollen Mitarbeiter und Anwaltskosten bezahlt werden.

Ihr Plan: Sie wollen die Regeln für den Nominierungsparteitag vom 18. bis 21. Juli ändern. Auf dem Parteitag wird normalerweise der Gewinner der Vorwahlen zum offiziellen Kandidaten der Partei gekürt. Die Delegierten sind dabei an die Vorwahlergebnisse gebunden. Doch die Trump-Kritiker wollen nun durchsetzen, dass die Stimmberechtigten wählen dürfen, wen sie wollen.

"Befreit die Delegierten"

Es ist nicht das erste Mal, dass Republikaner versuchen, Trumps Kandidatur zu stoppen. Beobachter bezeichnen den jetzigen Versuch allerdings als sehr viel koordinierter. Mittlerweile haben sich nach Angaben der Mitbegründerin Regina Thomson Hunderte Delegierte und ihre Vertreter der Kampagne "Befreit die Delegierten" angeschlossen.

Die Parteiführung hat sich bislang eher zurückhaltend geäußert. Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, machte am Sonntag deutlich, dass er als Vorsitzender des Parteitags eine mögliche Rebellion gegen Trump nicht verhindern werde. "Sie machen die Regeln, sie entscheiden", sagte er.

Die Partei sei gespalten und er werde niemandem vorschreiben, wie er oder sie sich verhalten sollte. Es sei eine sehr ungewöhnliche Situation, sagte Ryan mit Blick auf Trumps Kandidatur. "Er ist ein sehr spezieller Kandidat."

Andere Parteiführer wie Reince Priebus geben der Anti-Trump-Bewegung hingegen keine Chance: Die Delegierten seien an die Vorwahlen gebunden. Der Plan, Trump zu verhindern, sei albern und eine Erfindung der Medien auf der Basis einiger Tweets, sagte ein Sprecher des Republican National Committee.

Trumps Umfragewerte waren in der vergangenen Woche auf einen Tiefpunkt gefallen. In mehreren Erhebungen lag die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, sechs bis zwölf Prozentpunkte vor dem Republikaner. Trumps Imageprobleme haben sich zuletzt massiv verschärft. In der vergangenen Woche brachte er viele mit seiner Reaktion auf das Massaker von Orlando zusätzlich gegen sich auf.

Trump hatte zuletzt gesagt, wenn ihn die Republikaner nicht unterstützten, könnte er seinen Weg alleine gehen. In einem CBS-Interview rief er seine Partei am Sonntag zur Einigkeit auf. "Macht Ihr Euren Job und lasst mich meinen machen", sagte er in Richtung Parteiführung.

Während des Vorwahlkampfs war immer wieder über eine Regeländerung für die Convention spekuliert worden. Zuletzt hat es bei den Republikanern 1948 eine sogenannte "brokered convention" gegeben, grob gesagt eine "ausgehandelte Nominierung". Sollte sich die Anti-Trump-Bewegung mit ihrer Regeländerung durchsetzen, dürften allerdings sowohl Trump als auch ein anderer Kandidat geschwächt in den Wahlkampf gegen Clinton gehen.

brk

insgesamt 113 Beiträge
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Tharsonius 20.06.2016
1. Keiner erkennt das Schauspiel ;)
Trump ist in Wirklichkeit und insgeheim Demokrat und zerselegt die Republikaner von innen. Und die merken das nicht. :D *joke*
Tingletangle 20.06.2016
2. da sieht man mal
wie viel einem die Demokratie wert ist, wenn es nicht nach mancher Leute Willen geht.
gruesenko 20.06.2016
3. Vernunfteinkehr!
Gut, dass es unter den Republikanern auch noch vernunftbegabte Politiker gibt!
pauleschnueter 20.06.2016
4. Sabotage
Ob der Vorwahlenhyp um Trump nicht am Ende eine gewiefte mediale Sabotage an den Republikanern war? Nun sind sie an einen gebunden, der sich und die Partei bereits jetzt nach Strich und Faden blamiert hat.
dasdondel 20.06.2016
5. Wozu
sind dann Vorwahlen gut ?
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