Anti-Islam-Videos Donald Trump verbreitet Tweets britischer Rechtsextremistin

Eine rechtsextreme Britin hetzt auf Twitter gegen Muslime - und erhält Unterstützung von oberster Stelle: US-Präsident Trump teilte die Videos der Frau.

US-Präsident Donald Trump
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Jayda Fransen ist außer sich vor Freude. Der Grund: Die Vizechefin der rechtsextremen Partei Britain First fühlt sich geschmeichelt - von Donald Trump. Der US-Präsident hat am frühen Mittwochmorgen Ortszeit in Washington drei ihrer anti-islamischen Videos verbreitet.

"Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, hat drei Twittervideos der stellvertretenden Vorsitzenden Jayda Fransen retweeted!", schrieb Fransen. "Donald Trump hat diese Videos retweetet und rund 40 Millionen Follower! Gott segne Trump! Gott segne Amerika!"

Trump schürt mit den Retweets Hass gegen Muslime. Darin sind drei Videos eingebettet, die Verbrechen von Muslimen zeigen sollen:

  • Ein Video zeigt eine Szene aus dem Jahr 2013 in Alexandria. Damals hatten mutmaßliche Anhänger der Muslimbrüder einen jungen Mann von einem Hausdach geworfen. Das Opfer, der 19-jährige Hamad, wurde damals getötet. Einer der Männer wurde zum Tode verurteilt und im März 2015 hingerichtet.
  • Ein zweites Video stammt offenbar aus Syrien. Es zeigt einen bärtigen Islamisten, der im Jahr 2013 eine Marienstatue auf den Boden wirft, die dabei zu Bruch geht.
  • Ein drittes Video stammt aus dem Mai dieses Jahres und zeigt den Angriff auf einen Jugendlichen in dem niederländischen Ort Monnickendam. Der Täter und der Teenager, der den Film aufnahm, wurden kurz darauf festgenommen. Überschrieben ist das Video mit: "Muslimischer Migrant verprügelt niederländischen Jungen auf Krücken". Nach Angaben niederländischer Medien war der Schläger aber weder Muslim noch Migrant. Die niederländische Polizei hatte das Portal "Dumpert", auf dem der Clip zuerst verbreitet wurde, angewiesen, das Video auf Bitten des Opfers zu löschen.

Britain First ist eine rechtsextreme Partei, die gegen eine heraufbeschworene "Islamisierung" des Vereinigten Königreichs poltert. Jayda Fransen wurde Anfang November zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie im britischen Luton eine Muslimin beleidigt hatte.

Trump wurde offenbar von der rechtskonservativen Autorin Ann Coulter auf Fransens Account aufmerksam gemacht. Der US-Präsident folgt ihr auf Twitter, Coulter hatte eines der Videos verbreitet. Die anderen beiden Aufnahmen hat Trump offenbar selbst in Fransens Timeline entdeckt.

Im Juni 2016 hatte ein Gewalttäter die Worte "Britain First" gerufen, nachdem er kurz vor dem Brexit-Votum die Parlamentarierin Jo Cox ermordet hatte. Deren Ehemann verurteilte am Mittwoch Trumps Unterstützung für die Tweets.

"Hass zu verbreiten hat Folgen und der Präsident sollte sich seiner schämen", schrieb er.

dop/syd/kev



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