Nach Kritik von Top-Republikanern Trumps Versuch einer Retourkutsche

Aus seiner eigenen Partei kamen heftige Vorwürfe, nun bemühte sich Donald Trump um positive Schlagzeilen. Doch das ging schief - auch wegen eines schreienden Babys und des Geschenks eines Irak-Veteranen.

Trump in Ashburn
DPA

Trump in Ashburn


Die Fronten zwischen dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Spitzenvertretern der Partei haben sich noch einmal verhärtet. Nach der Kritik von Paul Ryan und John McCain hat nun der New Yorker Immobilienmilliardär seinerseits gegen die beiden ausgeteilt: Er kündigte an, weder den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses noch Senator McCain bei den anstehenden Wahlkampagnen zu unterstützen.

Damit, so schreibt die Zeitung "Washington Post", lässt Trump seinen "Krieg gegen die Führung seiner eigenen Partei eskalieren".

Trumps Verweigerung einer Wahlempfehlung für Ryan wirkt wie eine direkte Retourkutsche auf dessen anfängliches Zögern im Frühjahr, sich offiziell hinter den Immobilienmilliardär zu stellen. Trump nutzte nun im Interview mit der "Washington Post" fast die identischen Worte, indem er sagte, er sei "noch nicht so weit", Ryan zu unterstützen. Er bezweifelte zudem dessen Führungsqualitäten: "Ich mag Paul, aber dies sind schreckliche Zeiten für unser Land. Wir brauchen eine sehr starke Führung."

Ryans Sprecher Zack Roday teilte mit, niemand im Team habe jemals um Donald Trumps Unterstützung gebeten. Ryan tritt am Dienstag in Wisconsin in einer parteiinternen Vorwahl der Republikaner um die Kandidatur für die Kongresswahl an. Schon am Montag hatte Trump einen der Herausforderer Ryans, Paul Nehlen, bei Twitter gelobt.

Ryan und McCain - zwei der prominentesten US-Republikaner - hatten Trump zuletzt in der Affäre Khan kritisiert: Der Präsidentschaftskandidat hatte sich mehrfach abfällig über die Eltern eines getöteten US-Soldaten geäußert.

Im Video: Obama über Trump - "Der republikanische Kandidat ist nicht geeignet"

REUTERS

In diesem Zusammenhang appellierte US-Präsident Barack Obama am Dienstag an republikanische Führungspolitiker, Trump die Unterstützung zu entziehen. Dieser sei ungeeignet für das höchste Staatsamt und leiste sich mehr als nur den "gelegentlichen Ausrutscher". Bei Trumps Parteikollegen müsse doch einmal ein Punkt kommen, an dem sie sagten: Es reicht.

Trump und das Purple Heart - Trump und das Baby

Während Trumps beleidigende Äußerungen über die Eltern des getöteten US-Soldaten noch großes Thema sind, legte der Politiker bei einem Wahlkampfauftritt in Ashburn im US-Bundesstaat Virginia schon nach. Besonders über die folgenden zwei Situationen wird nun diskutiert:

  • Trump bekam von einem Irak-Veteranen dessen Purple-Heart-Medaille geschenkt - eine Auszeichnung, die an verletzte US-Soldaten verliehen wird. Trump, der selbst nie in der Armee diente, sagte dazu: "Das Purple Heart wollte ich schon immer haben. Auf diese Weise ist es viel einfacher."

    Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, schrieb dazu bei Twitter, diese Bemerkung komme von einem Mann, der behaupte, sich "für unser Land 'geopfert' zu haben". Der bekannte Politologe Peter Singer schrieb: "Nein, Donald, wiederholte selbstverschuldete Verletzungen im Wahlkampf berechtigen nicht zum Purple Heart." Und Kriegsveteranen mahnten, niemand solle sich wünschen, diese Auszeichnung zu bekommen - gehe sie doch automatisch mit Kriegsverletzungen einher.

    Die"New York Times" berichtete, dass Trump insgesamt fünf Mal vom Militärdienst zurückgestellt worden sein soll - und somit einen Einsatz im Vietnam-Krieg umgehen konnte. Gründe seien Trumps Studium und ein Fersensporn gewesen. Kritiker fragen sich nun, ob sich Trump auf diese Weise gedrückt haben könnte.
  • Bei demselben Trump-Auftritt in Ashburn begann im Publikum ein Baby zu schreien. "Ich liebe Babys", sagte Trump daraufhin. "Was für ein Baby! Was für ein wunderschönes Baby (...) Es ist jung und schön und gesund und so wollen wir es." Kurze Zeit später schrie das Kind allerdings erneut, woraufhin Trump erklärte: "Ich habe eigentlich nur Spaß gemacht. Ihr könnt das Baby rausschaffen. Ich glaube, sie (die Mutter) hat mir tatsächlich geglaubt, dass ich es liebe, wenn ein Baby schreit, wenn ich rede. Das ist okay. Leute verstehen nicht. Das ist okay."

    Es ist unklar, ob Trump das als Scherz meinte. Klar ist allerdings, dass auch dieser Auftritt inzwischen vielfach diskutiert - und kritisiert - wird. Der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Tim Kaine sagte: "Manchmal fragt man sich, wer eigentlich das Baby ist."

Mehr zum Thema:

aar/dpa/AP/Reuters/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.