Trumps Russland-Mittelsmann Wer ist Rob Goldstone?

Bisher war er ein obskurer Musikpublizist und Lebemann. Dann fädelte er Donald Trump juniors Treffen mit einer Moskauer Anwältin ein. Jetzt steht Rob Goldstone im Zentrum eines Politskandals.

Goldstone bei einem Miss Universe-Event in Moskau 2013
REUTERS/ Kommersant

Goldstone bei einem Miss Universe-Event in Moskau 2013

Von , New York


Rob Goldstone war zuletzt auf großer Mittelmeer-Kreuzfahrt. Sie führte ihn von Italien über Kroatien und Montenegro bis nach Griechenland. "Grüne Paprika und griechischer Salat", vermeldete er am Sonntag auf Facebook unter dem Foto eines Wegweisers zum "Badehaus des Windes" in Athen.

Es ist der letzte Facebook-Eintrag des Briten. Denn am selben Tag kochten in seiner Wahlheimat USA die jüngsten Russland-Enthüllungen um Donald Trump hoch - und in deren Mittelpunkt steht, sicher ungewollt, Goldstone.

Goldstone ist der Mittelsmann, der im US-Wahlkampf das Treffen von Donald Trump junior mit einer russischen Anwältin einfädelte. Der globetrottende Musikpublizist mit Wohnsitz New York City war die Schaltstelle zwischen den Trumps und dem Moskauer Milliardärsclan der Agalarows, die er beide geschäftlich kannte und, seinen Social-Media-Berichten zufolge, gleichermaßen arglos verehrte wie der Fan einer boy band.

Aras Agalarow (Mitte) mit seinem Sohn (links) und Rob Goldstone während einer Pressekonferenz mit Donald Trump nach einem Miss-USA-Schönheitswettbewerb in Las Vegas 2013
REUTERS

Aras Agalarow (Mitte) mit seinem Sohn (links) und Rob Goldstone während einer Pressekonferenz mit Donald Trump nach einem Miss-USA-Schönheitswettbewerb in Las Vegas 2013

Dass ihn dieser Freundschaftsdienst ein Jahr später ins Visier der Weltöffentlichkeit - und der Justiz - bringe würde, hätte sich der 57-Jährige freilich kaum träumen lassen. "Der Playboy, der Trump stürzen könnte", so nennt ihn die Nachrichtenseite "Daily Beast", während Goldbergs Facebookseite seitdem mit Hass-Posts überschwemmt wird. "Du bist ein verdammter Verräter", schreibt einer; ein anderer kommentiert eines seiner letzten Fotos von der Akropolis mit den Worten: "Besser als der Blick, den du vom Gefängnis haben wirst."

"Interessante" Informationen über Clinton

So weit ist es zwar noch nicht. Goldstone hat sich allerdings, dank seiner jetzt bekannt gewordenen E-Mail-Korrespondenz mit Trump junior, ins Herz des größten Skandals Washingtons seit Watergate katapultiert. Wobei er selbst - als unbekanntester, schillerndster der neuen Halbwelt-Akteure im Dunstkreis der Trumps - die ganze Geschichte zu einer Tragikomödie macht.

"Guten Morgen", begann Goldstones erste E-Mail an Trump junior am 3. Juni 2016. "Emin rief gerade an und bat mich, dich mit etwas sehr Interessantem zu kontaktieren." Emin war der russische Popstar Emin Agalarow, Sohn des Immobilienmagnaten Aras Agalarow ("Russlands Donald Trump") - und das "sehr Interessante" seien "Schmutz"- Informationen über Hillary Clinton, übermittelt von besagter Moskauer Anwältin Natalija Wesselnizkaja.

Teil des Email-Verkehrs zwischen Trump junior und Goldstone
REUTERS/ @DonaldJTrumpJR

Teil des Email-Verkehrs zwischen Trump junior und Goldstone

Wie kam es dazu? Geboren in Manchester, arbeitete Goldstone zunächst als Reporter, dann als Entertainment-Publizist. Seine Firma Oui 2 vertrat nach eigenen Angaben unter anderem Michael Jackson, den Bluessänger B.B. King und die Gruppe TLC. Andere Klienten waren weniger prominent, etwa Simon Van Kempen, ein Komparse der US-Realityshow "Real Housewives of New York", der den Song "I Am Real" sang: "Gold and diamonds glitter, the taste is slightly bitter."

Gold und Glitzer sind auch Goldstones Lieblings-Accessoires. Sein Facebook-Feed ist voller exzentrischer Selfies in schillernden Kostümen und schrillen Kopfbedeckungen: Kronen, Tiaras, Turbane. Oft zeigt er sich in wechselnder Gesellschaft junger Männer. Sein bevorzugter Treffpunkt in der New Yorker Szene war offenbar - ausgerechnet - der Russian Tea Room, ein Nobellokal in Midtown, unweit vom Trump Tower. "Er ist eine freundliche, gesellige Person", sagte der Klatschkolumnist Michael Musto dem "Daily Beast".

"Vorbereitung auf ein Meeting"

Anderswo präsentierte sich der korpulente Herr weniger positiv. Nach einem Trip ins Hungerland Äthiopien mit der Benefizgruppe Band Aid brüstete er sich in einem Interview mit dem "Sydney Morning Herald", dass er drei Kilo zugenommen habe: "Was kann man in einem Land wie Äthiopien sonst tun als essen?" Es war sein Lieblingsthema: 2010 schrieb er einen Essay für die "New York Times" über "die Tricks und Mühen, wenn man als Fetter reist".

Emin Agalarow, Rob Goldstone und Sheila Agalarowa 2014 in Miami Beach, Florida
Getty Images/ Irina Agalarov

Emin Agalarow, Rob Goldstone und Sheila Agalarowa 2014 in Miami Beach, Florida

Die Agalarows und die Trumps kannte Goldstone seit 2013. Im Juni 2013 postete er Facebook-Selfies mit Trump senior und Emin Agalarow, dessen Popkarriere er zu der Zeit managte, in Las Vegas. Hier wurde offenbar ein großer Deal eingetütet: Fünf Monate später brachte Trump seinen Miss-Universe-Wettbewerb nach Moskau. Aras Agalarow richtete den Event vor Ort aus, für eine Lizenz von angeblich 20 Millionen Dollar. Emin trat bei der Show auf.

Goldstones lebhafte Facebook-Präsenz geht nun aber nach hinten los. Robert Mueller, der amerikanische Russland-Sonderermittler, dürfte sich vor allem auf einen Eintrag vom 9. Juni 2016 konzentrieren: "Vorbereitung auf ein Meeting", schrieb Goldstone da aus Manhattan - und checkte im Trump Tower ein.

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