US-Präsident "Russland hilft uns bei Nordkorea überhaupt nicht"

Nord- und Südkorea haben sich zuletzt angenähert, der Atomkonflikt schwelt aber weiter. Und laut US-Präsident Trump ist Russland in der Krise eher ein Störfaktor als eine Hilfe - ganz anders als China.

Donald Trump
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Donald Trump


US-Präsident Donald Trump hat die russische Regierung wegen ihrer Haltung im Nordkorea-Konflikt scharf attackiert. "Russland hilft uns bei Nordkorea überhaupt nicht", sagte Trump der Nachrichtenagentur Reuters. Er warf der Regierung in Moskau vor, die internationalen Sanktionen gegen Pjöngjang zu untergraben. Der Beitrag, den China zur Isolation Nordkoreas leiste, werde durch Russland wieder aufgehoben.

Russland hat offenbar bereits auf die Vorwürfe reagiert und Trumps Aussagen als "absolut haltlos" bezeichnet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf eine ungenannte Quelle im russischen Außenministerium.

Nordkorea komme seinem Ziel, die USA mit Atomwaffen anzugreifen, immer näher, sagte der US-Präsident weiter. "Sie sind noch nicht so weit, aber sie sind nah dran." Trump äußerte zudem Zweifel, ob ein Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un den Konflikt entschärfen könnte. "Ich bin nicht sicher, ob Gespräche zu irgendetwas Sinnvollem führen könnten", sagte Trump.

Nordkoreakonflikt - die Akteure

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Auch Verhandlungen seiner Vorgänger hätten Nordkorea nicht dazu gebracht, bei seinem Raketen- und Atomprogramm einzulenken. "Sie haben 25 Jahre gesprochen, und sie haben unsere Präsidenten ausgenutzt, unsere früheren Präsidenten", sagte Trump: "Ich würde mich hinsetzen, weiß aber nicht, ob das das Problem lösen würde."

Bei einer Konferenz in Kanada hatten die USA und mehrere Verbündete am Dienstag über den Nordkorea-Konflikt und die konsequente Durchsetzung von Sanktionen gegen das isolierte Land beraten. An den Gesprächen nahmen Außenminister aus 20 Ländern teil. China und Russland, die wichtigsten Handelspartner Nordkoreas, waren zu dem Treffen nicht eingeladen.

Erste Zeichen auf Entspannung

Die Spannungen wegen des nordkoreanischen Atomwaffen- und Raketenprogramms hatten sich in den vergangenen Monaten verschärft. Grund dafür waren unter anderem mehrere Raketentests und der bislang gewaltigste Atomtest Pjöngjangs sowie ein heftiger verbaler Schlagabtausch zwischen Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Erst Ende des Jahres hatte die Uno deshalb nach einem Bestreben der USA weitere Sanktionen gegen den ohnehin schon stark isolierten Staat verhängt.

Seit Jahresbeginn kam jedoch Bewegung in den Konflikt. In der vergangenen Woche trafen sich erstmals seit mehr als zwei Jahren Regierungsvertreter aus Nord- und Südkorea zu direkten Gesprächen. Neben der gemeinsamen Teilnahme der beiden Nationen an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang (9. bis 25. Februar) verständigten sich die seit Jahrzehnten verfeindeten Nachbarstaaten auch auf Schritte zur militärischen Deeskalation.

Dennoch ist die Situation weiter angespannt und der Konflikt längst noch nicht beigelegt. Das zeigen zwei Beispiele aus den vergangenen Tagen: Am Sonntag hatte es auf Hawaii einen Raketen-Fehlalarm gegeben. 38 Minuten lang herrschte Panik in dem US-Bundesstaat. Erst am Dienstag hatte es dann auch in Japan eine versehentliche Warnung eines Rundfunksenders vor einer nordkoreanischen Rakete gegeben. Die Situation wurde rund zehn Minuten später aufgelöst.

aev/AFP

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