Verschwundener Journalist Khashoggi Trump verschärft Ton gegenüber Saudi-Arabien

"Wir wollen alles wissen": Donald Trump hat Saudi-Arabien aufgefordert, alle Details im Falle des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi offenzulegen.

Donald Trump
AP

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US-Präsident Donald Trump hat von Saudi-Arabien Auskunft über das Schicksal des in der Türkei verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi verlangt. Er habe "auf höchster Ebene" mit Vertretern Saudi-Arabiens über Khashoggi gesprochen, sagte Trump. "Wir wollen alles wissen", fügte er hinzu. Die US-Regierung könne "nicht zulassen", dass so etwas "einem Reporter" oder "irgendjemandem" passiere. Washington sei "sehr enttäuscht" und werde der Sache "auf den Grund gehen".

Khashoggi, der das Konsulat in Istanbul betreten hatte, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen, zählt seit Jahren zu den bekanntesten regierungskritischen Journalisten seines Landes (Lesen Sie hier einen Gastbeitrag Khashoggis für SPIEGEL ONLINE). Der gebürtige Saudi-Araber war im September 2017 aus Furcht vor einer Festnahme in die USA ins Exil gegangen, wo er unter anderem für die "Washington Post" schrieb. Drei Tage vor seinem Verschwinden äußerte er in einem Interview mit der BBC die Sorge, bei einer Rückkehr nach Saudi-Arabien verhaftet zu werden.

Saudi-Arabien weist die Verdächtigungen zurück

Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle, der US-Geheimdienst habe ein Gespräch zwischen Vertretern Saudi-Arabiens abgefangen, in dem diese über einen Plan zur Festnahme Khashoggis berieten. Demnach ging es um Wege, ihn nach Saudi-Arabien zu locken.

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Verschwundener Journalist Khashoggi: Verzweifelte Suche nach Jamal

Die türkischen Ermittler hegen den Verdacht, dass Khashoggi beim Besuch des Konsulats seines Landes ermordet wurde. Die Polizei ermittelt gegen 15 Saudi-Araber, die am Tag seines Verschwindens in zwei Flugzeugen in Istanbul eintrafen und am Abend wieder abflogen. Sieben der Männer sollen zum Zeitpunkt von Khashoggis Besuch im Konsulat gewesen sein.

Saudi-Arabien weist die Verdächtigungen zurück, ist aber bisher den Beweis schuldig geblieben, dass Khashoggi das Konsulat wieder lebend verließ. Der türkische Fernsehsender 24 TV veröffentlichte am Mittwoch Bilder einer Überwachungskamera, die Khashoggi beim Betreten des Konsulats zeigen, sowie einen schwarzen Van, der zwei Stunden später das Gebäude verlässt. Demnach fuhr das Auto zur nahe gelegenen Residenz des Konsuls.

bam/AFP

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einwerfer 10.10.2018
1. Einfache Lösung
Saudi-Arabien wird weitere zwanzig F-35 von den USA kaufen und das wird Trumps Besorgnis sehr schnell gegenstandslos werden lassen. Hat doch bisher auch gut funktioniert.
Atheist_Crusader 10.10.2018
2.
Okay, ich bin neugierig. Ich denke wir wissen alle, dass Trump nicht der Typ ist der sich um einen Muslim oder Journalisten schert - speziell nicht wenn dieser für eine Zeitung arbeitet die ihn regelmäßig kritisiert. Außerdem liegt er noch mit der Türkei im Streit, während er die Saudis generell mag. Ich hab das Gefühl, mir fehlen da wichtige Hintergrundinformationen. Ohne diese bleibt mir nur die zynische Vermutung, dass er vor den Midterms nochmal ein paar Pluspunkte sammeln will indem er "beweist", dass seine ständigen Attacken gegen dieser zwei Gruppen ja gar nicht so gemeint waren.
karit 11.10.2018
3. Das ist der Skandal des Jahrhunderts, ...
daß ein Bürger eine Botschaft oder Konsulat betritt und dieses nicht als freier Mann wieder verlassen kann. Und wie reagiert die Welt? Trump will Aufklärung und die deutsche Regierung weiter Rüstungsgüter verkaufen!!! Wie tief will die deutsche Regierung eigentlich noch sinken??
gruener00 11.10.2018
4. Ausgerechnet der tumbe Trump macht´s richtig
Ist doch merkwürdig, dass der tumbe Trump sagt, was Sache ist, und Druck auf die Saudis ausübt, während all die klugen politisch Korrekten sich vor der Wirtschaftsmacht der Saudis in die Hose machen und diplomatisch schweigen. Merke: Klugheit ist für die Katz, wenn die Bereitschaft fehlt, das Richtige nötigenfalls auch brachial durchzusetzten. Umgekehrt erfordern viele Probleme für ihre Lösung keine überragende Intelligenz , sondern vielmehr klare Kante.
olli47 11.10.2018
5. Ob nun....
....ausgerechnet der Herr Trump der geeignete Mann ist, der Sache auf den Grund zu gehen.....ich weiß nicht. Vielleicht könnte Herr Juncker was machen. Angela muss jedenfalls abseits stehen, damit diese Rüstungsgeschäfte klappen. Erbärmlich!!
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