US-mexikanische Familie "Trump schiebt unsere Eltern ab"

Seit 21 Jahren lebt Familie Duarte in den USA, alle vier Kinder sind dort geboren. Dennoch sollen die Eltern abgeschoben werden. Um die jüngeren Geschwister muss sich dann der große Bruder kümmern.

Polizisten verhaften einen Einwanderer ohne Papiere (Archivbild)
AP/ U.S. Immigration and Customs Enforcement

Polizisten verhaften einen Einwanderer ohne Papiere (Archivbild)


An einem Donnerstagmorgen Ende Mai ändert sich das Leben der Familie Duarte schlagartig. "Wir saßen in der Küche, haben gerade gefrühstückt und Radio gehört. Und dann war da diese große Aufregung", erinnern sich die Zwillingsschwestern Yarely und Aracely. Im nächsten Moment sahen sie, wie Mitarbeiter der U.S. Border Control ihre Eltern verhafteten.

Sie erfahren auch warum: Vater und Mutter - beide aus Mexiko - sollen in ihr Heimatland abgeschoben werden. Obwohl sie seit 21 Jahren in den USA leben, sich nichts zuschulden kommen ließen und arbeiten. Und obwohl ihre vier Kinder alle in der neuen Heimat geboren wurden und US-Staatsangehörige sind.

Zurück bleiben die beiden zwölfjährigen Mädchen und ihre Brüder Luis, 17 Jahre, und Francisco Junior. Der ist gerade 19 Jahre alt - das reicht den Behörden: "Dann kannst du dich ja um alles kümmern", hätten die Mitarbeiter zu ihm gesagt, erzählt Francisco Junior später der britischen BBC. "Wir saßen da und haben geweint", sagt seine Schwester Yarely.

Hunderte Festnahmen pro Tag

Das Schicksal der Familie Duarte ist längst kein Einzelfall mehr. Schätzungsweise elf Millionen Einwanderer leben ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in den USA - und US-Präsident Donald Trump würde am liebsten alle abschieben. Seiner Ankündigung lässt er seit seinem Einzug ins Weiße Haus Taten folgen: Neue, extremere Richtlinien geben der Heimatschutzbehörde deutlich weiterreichende Möglichkeiten, Menschen abzuschieben. (Lesen Sie hier mehr zu Trumps Abschiebepolitik.)

Nun können auch Menschen abgeschoben werden, die kürzer als zwei Jahre in den USA leben, schon einmal verurteilt wurden, einer Straftat beschuldigt werden oder werden könnten - unabhängig von der Schwere der möglichen Tat.

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Die Folge: Allein in den ersten drei Monaten von Trumps Amtszeit verhafteten Mitarbeiter der Polizei- und Zollbehörde ICE nach eigenen Angaben landesweit mehr als 41.000 Menschen - knapp 400 pro Tag. Noch deutlicher wird das Ausmaß im Vergleich zum Vorjahr: Unter US-Präsident Barack Obama gab es 2016 im gleichen Zeitraum 38 Prozent weniger Festnahmen.

Die Geschwister Duarte wissen um diese Zahlen und die Schicksale, die dahinter stehen. Auch deshalb haben sie sich entschieden, ihre Geschichte der BBC zu erzählen. "Es ist wichtig, darüber zu reden, damit es nicht zur Normalität wird. Es soll nicht normal sein, dass Familien auseinandergerissen werden", sagen die Zwillinge in der Dokumentation "Trump schiebt unsere Eltern ab".

"Es soll nicht zur Normalität werden"

An dem Fall ihrer Eltern zeigt sich auch, was die neuen Richtlinien konkret bedeuten: Bei der Festnahme beschuldigten die Polizisten Vater und Mutter, in Menschenschmuggel verstrickt zu sein. Die Vorwürfe wurden später fallengelassen - doch sie reichten, um das Paar in Abschiebehaft zu bringen.

Für die Kinder ist klar: Ihre Eltern sollten allein wegen ihres Geburtsortes abgeschoben werden, "als ob das irgendetwas an ihrem Charakter ändern würde", schreibt der 17-jährige Luis auf der Plattform "GoFundMe". Dort haben die Geschwister in ihrer Verzweiflung einen Hilfeaufruf gestartet. "Meine Eltern haben diese große Ungerechtigkeit nicht verdient, wir vier Kinder sind nun quasi Waisen und haben diese Situation auch nicht verdient. Niemand hat verdient, dass ihm das passiert", schreibt Luis weiter.

In ihrer Not bitten die Kinder um Geld, damit sie Miete, Lebensmittel und Gerichtskosten zahlen können. "Wir sind Schüler und haben nicht die Ressourcen, um unsere Rechnungen zu bezahlen", schreiben die Geschwister. Binnen weniger Tage kamen so 60.000 Dollar an Spenden zusammen.

Und zumindest seit ein paar Wochen sind die Geschwister auch nicht mehr allein zu Hause, ein Gericht entließ ihre Mutter Rosenda Perez auf Kaution. Ein Happy End ist dennoch nicht in Sicht: Vater Francisco wurde die Freilassung verwehrt - und beide Eltern sollen noch immer abgeschoben werden.


Die Dokumentation "Trump schiebt unsere Eltern ab" ist Teil des BBC-Films "Trump's Fortress America" und wird am Montag, 17. Juli, um 21.30 Uhr deutscher Zeit ausgestrahlt. Danach kann sie im BBC iPlayer angesehen werden.

brk

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