Weißes Haus Trump will Merkels Handschlagfrage nicht gehört haben

Bei einem Fototermin im Oval Office reichte Donald Trump der Kanzlerin nicht die Hand. Viele Beobachter hielten das für ein bewusstes Manöver des US-Präsidenten - dem SPIEGEL gegenüber beschwichtigt Trumps Sprecher.

Merkel, Trump im Oval Office
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Merkel, Trump im Oval Office

Von , Washington


Was für eine merkwürdige Szene: Angela Merkel sitzt bei Donald Trump im Oval Office. Die Fotografen rufen den beiden zu, sich die Hände zu reichen. Die Kanzlerin fragt den US-Präsidenten, ob er das wünsche - doch der zeigt keine Reaktion. Merkel wirkt perplex und macht ein Gesicht, als wolle sie sagen: Na, dann halt nicht.

Dieses Intermezzo vom vergangenen Freitag machte weltweit Schlagzeilen, viele Beobachter sind davon überzeugt, dass Trump die Kanzlerin bewusst düpierte und ihre Frage nach einem Handschlag einfach ignorierte. Diesen Eindruck versucht das Weiße Haus nun zu zerstreuen und äußerte sich erstmals zu dem Vorfall. "Ich glaube nicht, dass er die Frage gehört hat", sagte Trumps Sprecher Sean Spicer dem SPIEGEL. Das Ganze war ein Missverständnis - so die Lesart in der amerikanischen Regierungszentrale.

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Erstes Zusammentreffen: Trump empfängt Merkel

Spicers Beschwichtigung ist ein Hinweis darauf, dass das Weiße Haus das Treffen mit Merkel ungerne als missglücktes Kennenlernen stehen lassen will. Auch im eigenen Land war Trump mit seinem Verhalten beim Besuch der Kanzlerin massiv kritisiert worden. "Absolut unverschämt", nannte "New York Times"-Kolumnist Roger Cohen das Agieren des US-Präsidenten. "Er hat sich lächerlich gemacht", so "NBC"-Moderator Joe Scarborough, der für seinen an sich guten Draht zu Trump bekannt ist. Auch viele andere Berichte betonten die vermeintliche kalte Atmosphäre der Begegnung und rüffelten den Präsidenten für seinen Umgang gegenüber der Kanzlerin.

Im Video: Drei Szenen des Unbehagens

Reuters

Schon am Samstag hatte Trump dagegengehalten und via Twitter wissen lassen, er habe ein "GROßARTIGES" Treffen mit Merkel gehabt. Inhaltlich ging er gleichwohl noch einmal auf Konfrontation und beschuldigte Deutschland, bei den Zahlungen an die Nato in Verzug zu sein. Die USA müssten für ihren Schutz für Deutschland besser bezahlt werden, so Trump.

Die Nato war auch ein Kernthema bei der direkten Begegnung der beiden.

Trump erinnerte die Kanzlerin daran, dass er von Berlin eine deutliche Aufstockung der Verteidigungsausgaben erwarte. Im Merkel-Lager empfand man das allerdings nur bedingt als Drohung. Dass Trump mit seiner Haltung indirekt auch klarmachte, an der Nato festhalten zu wollen, stieß in der Delegation der Kanzlerin auf Erleichterung. Wie der Präsident zur Nato steht, war in den vergangenen Wochen eine der großen Unsicherheiten gewesen.

Jenseits aller inhaltlichen Konflikte werden die beiden übrigens bald Gelegenheit haben, ihren Handschlag noch einmal zu üben. Im Mai dürften Merkel und Trump beim G7-Gipfel auf Sizilien abermals aufeinandertreffen.

Video zum Treffen von Merkel und Trump: "Die ganz große Freundschaft wird man wohl nicht erleben"

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