Trumps Wahlprogramm Dem Donald seine Ideen

Hauptsache Schlagzeilen! ist das Motto von Donald Trump. Nahezu sein komplettes Programm ist auf Spektakel ausgerichtet, das Einreiseverbot für Muslime ist nur das jüngste Beispiel. Hier sind seine zehn absurdesten Ideen.

Donald Trump: Hauptsache Schlagzeilen
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Donald Trump: Hauptsache Schlagzeilen


Im Leben von Donald Trump geht immer alles ziemlich schnell, Pausen gibt es bei ihm selten. Vor sechs Monaten erst kündigte er an, ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur zu gehen. Seitdem hat der Milliardär schon einige Phasen durchlaufen.

Erst galt er als der skurrile Kandidat - egozentrisch, aber unterhaltsam.

Dann galt er als spätsommerliche Umfrageüberraschung - erstaunlich stabil, aber chancenlos.

Inzwischen scheint er sich so sehr als Spitzenmann manifestiert zu haben, dass viele ihn als tatsächlichen Anwärter auf die Kandidatur der Republikaner sehen.

In seiner Partei bricht Panik aus. Viele Republikaner hatten die Hoffnung, dass Trump sich politisch ein Stück weit in die Mitte bewegt, sobald er realisiert, dass er echte Chancen auf die Kandidatur besitzt. Das Gegenteil ist der Fall. Je länger sich der Reality-TV-Star in den Umfragen vorne hält und je besser seine Aussichten werden, desto radikaler gibt er sich und desto mehr lässt er seine Partei als Plattform des Hasses erscheinen.

Er selbst scheint darin den besten Weg zu sehen, um nach der Kandidatur und vielleicht sogar der Präsidentschaft zu greifen. Trump will mit seinem Furor offenbar die rechte Basis und all jene mobilisieren, die sich in den vergangenen Jahren enttäuscht von der Politik abgewandt haben. Dann, so sein Kalkül, könnte es vielleicht klappen.

Dass alle Welt über seinen neusten Vorschlag streitet, Muslimen vorerst komplett die Einreise in die USA zu verweigern, passt ihm gut. Am Dienstag war der Republikaner gleich in vier Morgensendungen zugeschaltet. Parteifreunde sind verstört, selbst Dick Cheney, der hartgesottene Ex-Vizepräsident distanzierte sich. "Das geht gegen alles, wofür wir stehen", sagte er. Doch Trumps Rechnung ist einfach: Je mehr ich in den Schlagzeilen bin, desto weniger sind es meine Konkurrenten. Fast sein gesamtes politisches Programm scheint auf Spektakel zu basieren. Der Überblick:

Die Einwanderung ist Trumps Lieblingsthema. Zu Beginn seiner Kandidatur verunglimpfte er mexikanische Immigranten als Kriminelle, Drogendealer und Vergewaltiger. Dem folgte ein erstes "Positionspapier", Kernpunkte: eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko, Abschiebung aller kriminellen Einwanderer. Realistisch ist davon nichts. Die Abschiebung von rund elf Millionen Immigranten ohne Aufenthaltsstatus würde - neben der groben Bürgerrechtsverletzung - bis zu 600 Milliarden Dollar kosten, 20 Jahre dauern und das Bruttoinlandsprodukt um 1,6 Billionen Dollar senken. Aber Trump tut so, als stünden die Pläne kurz davor, realisiert zu werden und seine Basis liebt ihn dafür.

In der Diskussion um die richtige Strategie gegen den Terrorismus blüht Trumps Fantasie. Erst forderte er einen Stopp der – ohnehin sehr begrenzten - Aufnahme syrischer Flüchtlinge, plötzlich weitet er seine Forderung aus: Muslime will er gar nicht mehr ins Land lassen, jedenfalls so lange nicht, bis geklärt ist, „was vor sich geht.“ Der Geschäftsmann verwies dabei auf Umfragen, die angeblich "in breiten Teilen der muslimischen Bevölkerung" einen "großen Hass auf Amerikaner" feststellten. Mit der amerikanischen Verfassung ist sein Plan nicht vereinbar, aber das ist ihm egal. Er genießt das Interesse – und über die Rede des Präsidenten spricht niemand mehr.

Das Internet ist in der Kampagne von Donald Trump ein wichtiges Instrument. Besonders über Twitter versucht er, seine Botschaften zu setzen und Streit zu schüren. Das geht hin und wieder schief. Er hat auch schon mal offen rassistische Propaganda verbreitet und musste den Tweet anschließend zurücknehmen. Aber grundsätzlich läuft es gut für ihn. Er hat inzwischen mehr als fünf Millionen Follower. Trotzdem würde er das Internet gerne teilweise kappen. Das gelte vor allem für jene Ecken, in denen sich die Anhänger des 'Islamischen Staates' tummelten, sagt er. „Wir müssen uns mit Bill Gates und vielen anderen Leuten treffen, die wirklich verstehen, was da passiert. Wir müssen mit denen darüber reden, dieses Internet möglicherweise in manchen Bereichen dichtzumachen."

Trump liebt den Tabubruch. Nach den Anschlägen von Paris werde man Dinge tun müssen, „die vor einem Jahr undenkbar waren", sagte er kürzlich. Er schob gleich einen konkreten Vorschlag hinterher: Moscheen müssten künftig stärker überwacht, notfalls sogar geschlossen werden, so der Immobilienunternehmer: "Man muss beginnen, die Moscheen zu beobachten und zu untersuchen, weil dort viel geredet wird." Die These sorgte für einen Aufschrei, Trumps Konkurrenten distanzierten sich. Die Religionsfreiheit ist eine wichtige Säule in der amerikanischen Gesellschaft. Und bei den Republikanern herrscht die Sorge, dass Trump den Ruf der Partei ruiniert, Garant dieser Freiheit zu sein.

Die Außenpolitik zählt weniger zu seinen Stärken, was ihn allerdings nicht davon abhält, steile Thesen zu vertreten. Das Atomabkommen mit Iran will er aufheben, den Abzug der US-Soldaten aus dem Irak hält Trump für einen großen Fehler. Eine besondere Haltung hat der Milliardär zu Russlands Präsident. Nach einem Wahlsieg sagt Trump, werde er mit Wladimir Putin „sehr gut auskommen“. Er teile mit ihm die Liebe zum Verhandeln. Viele Probleme, die US-Präsident Obama mit Russland derzeit habe, würden unter ihm verschwinden, so Trump. Insbesondere in Syrien sieht er wenige Interessenkonflikte mit Putin. Die Luftangriffe Moskaus begrüßt Trump. Alles, was gegen den "Islamischen Staat" gehe, helfe, findet er. Dass ein beträchtlicher Teil der russischen Bomben auch moderate syrische Rebellen treffen, hat Trump bislang nicht näher kommentiert.

Die ganze Welt diskutiert über den "Islamischen Staat", Donald Trump würde am liebsten überhaupt nicht diskutieren. Er würde gerne einfach losschlagen. „Wir werden den 'Islamischen Staat' in die Hölle bomben“, verspricht er seinen Anhängern. Das ist schön simpel, niemand soll mit den komplexen Zusammenhängen in Syrien und im Irak überfordert werden. Immerhin: Vor einer Entsendung von Bodentruppen scheut Trump zurück, der Irak-Einsatz habe gezeigt, dass ein solcher Plan selten aufgehe.

Trump hat zwei Lieblingsbücher. Die Bibel ist das eine, die „Kunst des Verhandelns“ das andere. Er hat es selbst geschrieben, natürlich. Als Präsident möchte er „großartige“ Deals machen, im Handel, in der Außenpolitik, selbst in Fragen der Einwanderung. Aber von einem Deal träumt er ganz besonders: Dem Friedensdeal in Nahost. „Das wäre etwas, was ich wirklich gerne machen würde“, sagte er kürzlich. „Denn es gibt dort so viel Tod, so viel Unruhe und Hass. Es wäre eine große Leistung aus meiner Sicht.“ Einen Zeitplan hat er natürlich auch schon, er ist recht ambitioniert. „Innerhalb von sechs Monaten kann ich sagen, ob ich einen Friedenvertrag erreichen kann“, sagt er.

Waffen sind ein großes Thema in den USA und Donald Trump will in der Diskussion nicht fehlen. Er liebt Waffen, trägt selbst hin und wieder eine. Wann und in welchen Situationen, verrät er nicht. „Ich mag es, unberechenbar zu sein“, sagt er. Eines verrät er aber sehr wohl: Trump will mehr Waffen und weniger Kontrollen: „Die Regierung hat nicht zu suchen in der Frage, welche Arten von Waffen gute, ehrliche Menschen besitzen dürfen.“ Gewehre und Knarre sieht er als Heilmittel – gerade auch in solch sensiblen Situationen wie in diesen Wochen. Nach den Anschlägen von Paris sagte er: „Man kann sagen, was man will – aber hätten die Franzosen und unsere Leute Waffen gehabt, wäre die Sache ganz, ganz anders ausgegangen.“

Kein Präsidentschaftskandidat kann ohne Steuerkonzept antreten, nicht einmal Donald Trump. Er will, natürlich, die Amerikaner von der Steuerlast befreien, manche sogar komplett. Einzelpersonen mit einem Jahreseinkommen bis zu 25.000 Dollar - bei Paaren gilt die doppelte Summe – sollen überhaupt keine Einkommensteuer mehr in die staatliche Kasse zahlen müssen. Nach seinen Berechnungen würde das etwa 31 Millionen Haushalte betreffen. Auch Gut- und Spitzenverdiener sollen nach seinem Willen mehr von ihrem Gehalt behalten dürfen. Die Pläne würde ein großes Loch im Haushalt verursachen. Auf ein Modell der Gegenfinanzierung verzichtet er weitgehend. Er hofft, dass genug Geld mit einem anderen Plan zusammenkommt: Firmen, die außerhalb Amerikas Profite machen sollen darauf eine zehnprozentige Einmalsteuer zahlen.

Trump sieht viele Probleme auf dieser Welt, aber der Klimawandel gehört aus seiner Sicht nicht dazu. Barack Obama belächelt er für seine Bemühungen, in der globalen Umweltpolitik für ein Umdenken zu sorgen. Mehr noch: Er hält Obamas klimapolitischen Einsatz für einen Beleg von dessen völlig falschen Prioritäten. Dass der Präsident den Klimawandel als ein Kernproblem der Weltgemeinschaft definiere, sei in der politischen Geschichte jemals gehört habe“, sagt Trump. Er weiß, was seine Anhänger hören wollen. Über Twitter liefert er regelmäßig Sätze, die die Fans beglücken. „Es ist wirklich kalt draußen“, schrieb Trump kürzlich. „Und das Wochen, bevor das normalerweise passiert. Mensch, wir könnten eine dicke fette Dosis Erderwärmung gebrauchen.“

"Trump ist komplett verwirrt"

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insgesamt 88 Beiträge
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Seite 1
ich-bin-erschüttert 10.12.2015
1. Gegen Donald Trump ist Donald Duck
ein regelrechter Intellektueller, wobei Trump eher Onkel Dagobert ähnelt.
localpatriot 10.12.2015
2. Die Umfragewerte sagen was anderes
Tatsächlich gibt es eine lange Liste von Kandidaten von der Republikanischen Seite der US Politik. Die Umfragewerte zeigen Trump bisher als führenden Kandidaten. Irgendwie kommt er bei den US Wählern an. Wie? - versteht man von ausserhalb nur mit Schwierigkeiten. Aber jedes Land hat seine Eigenheiten welche anderen oft als unverständlich vorkommen. Dennoch nur die Stimmen der US Wähler zählen hier. Frage: Wieviele US Wähler schauen FOX News und wievielte lesen SPON?
Was_soll_denn_das 10.12.2015
3. Trumpel ...
Das Schlimme ist nicht der Mensch Donald Trump an sich und seine ostrusen Ideen, viel schlimmer ist, dass er in den USA auch noch sehr viele Anhänger hat. Armes Amerika. Obwohl man sich gar nicht so weit umschauen muss, um auch in Europa ähnliches Gedankengut zu finden. Armes Europa. Arme Welt.
elizar 10.12.2015
4. Hahaha!
Trump will den Friedensvertrag in Nahost erreichen? Wie soll denn ein damit offen prahlender islamophober Typ wie Trump dort denn in irgendeiner Hinsicht auch nur den Hauch einer Chance auf Erfolg haben? Eins muss man Trump lassen. Unterhaltsam ist er. Dummerweise meint er den Schwachsinn auch noch ernst (zumindest stellt er es so dar).
tailspin 10.12.2015
5. Die Kalkulation ging auf
Die Deutschen haben einfach Probleme, Trump zu interpretieren. Dieser bestimmt inzwischen vollkommen , ueber was geredet wird. Was man am Ende daraus macht, ist ein ganz anderes Thema. Obama hatte die Schliessung von Guantanamo auch mal auf seinem Wahlprogramm: Puff, und weg. Die Absicht. Easy! 8% mehr Zustimmung fuer Trump bei den Reps seit seinen Muslim Auesserungen. http://www.zerohedge.com/news/2015-12-10/trump-polling-lead-surges-after-anti-muslim-comments Ach ja, und er hat seinen Israel Besuch verschoben. Er will Netanjahu treffen, sobald er US Praesident ist. Gegen wen ging das wohl?
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