US-Vorwahlen in fünf Bundesstaaten Dieser Showdown bringt die Vorentscheidung

Die Vorwahlen in fünf weiteren US-Staaten könnten großes Republikaner-Drama bedeuten. Marco Rubio kämpft um seine Heimat Florida, Donald Trump hetzt seine Anhänger auf und Ted Cruz plant im Hintergrund.

Von , New York

Republikanische Kandidaten Marco Rubio, Donald Trump und Ted Cruz (v.l.n.r.)
REUTERS

Republikanische Kandidaten Marco Rubio, Donald Trump und Ted Cruz (v.l.n.r.)


Es ist der nächste Super Tuesday: In der Nacht auf Mittwoch halten fünf weitere US-Bundesstaaten Vorwahlen ab. Eine wichtige Abstimmung, denn bei den Republikanern geht es um insgesamt 367 Delegierte - genug, damit Donald Trump uneinholbar vor seinen Rivalen liegt.

Umkämpft sind Florida und Ohio, sie bieten an diesem Dienstag die größte Delegiertenzahl. Wer dort gewinnt, bekommt nach dem sogenannten "Winner-takes-all"-Prinzip alle Delegierten zugesprochen.

Besonders bei den Republikanern wird es also ein spannender Wahlabend, vor allem aus fünf Gründen:

1. Hoffnungsschimmer in Ohio

Der "Kastanienstaat" Ohio hat 66 Delegierte bei den Republikanern zu vergeben und ist für sie zu einem Hauptschlachtfeld geworden. Hier hat das Partei-Establishment eine letzte Chance, Trump zu stoppen. Ohios Gouverneur John Kasich, der sich seit Monaten als Stimme der Vernunft zu profilieren versucht, liegt in den Umfragen knapp vor Trump. Offen unterstützt wird er von prominenten Partei-Vertretern wie dem Ex-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Sollte Kasich tatsächlich gewinnen, würde er zum Hoffnungsträger der Anti-Trump-Fraktion, die sich zum Parteitag im Juni formieren könnte. Sollte er verlieren, würde er aus dem Feld ausscheiden - und Trump wäre der Nominierung einen Schritt näher.

2. Schicksalswahl in Florida

99 Delegierte vergeben die Republikaner in Florida, der Trophäe des Tages. Für Marco Rubio, den Senator aus Miami, ist es das letzte Gefecht: Verliert er seinen Heimatstaat, dürfte er erledigt sein, als Alternative zu Trump und als Jungstar der Partei. Trump hat ihn demontiert, auch mit Hilfe von Parteirivalen wie Chris Christie, der den "Roboter" Rubio zum Gespött machte. Rubio konnte bisher nur drei Vorwahlen gewinnen: in Minnesota (17 Delegierte), im US-Territorium Puerto Rico (23) und in der Hauptstadt Washington (10). In den Florida-Umfragen liegt der Senator schon seit Monaten weit hinter Trump. Sollte Trump Florida und Ohio gewinnen, wäre er nur noch schwer zu bremsen.

3. Wut-Welle im Wahlkampf

Trumps Auftritte sind von immer offenerer Gewalt geprägt, eine Folge seiner demagogischen Hetze. Am Freitag sagte er eine Rede in Chicago im letzten Moment ab, angeblich aus Sicherheitsbedenken, was die Polizei aber dementierte. War es Kalkül, um seine fanatischen Anhänger und die ebenso fanatischen Gegendemonstranten von Gruppen wie Black Lives Matter erst recht gegeneinander aufzubringen? Trump ermuntert seine Wähler, Protestierende physisch anzugreifen. Immer öfter kommt es zu Rangeleien zwischen Weißen und Schwarzen, einmal griff die Polizei sogar mit Pfefferspray ein. Das entsetzte selbst Trumps Parteirivalen, die sich - zu spät - distanzierten. Ein breiter Sieg Trumps an diesem Dienstag könnte die Stimmung nur noch weiter aufheizen.

4. Ted Cruz als Putschist?

Lange spielten die Republikaner mit rassistischen Ressentiments, um Stimmen zu gewinnen. Trump hat dieses zynische Vorgehen perfektioniert und die Basis gekapert. Sollte er mit der Mehrheit der Delegierten davonmarschieren, bleibt der Parteispitze nur noch eine Option, ihn zu stoppen - ein Putsch beim Wahlparteitag. Der einzige, der diesen Putsch dann wohl anführen könnte, wäre Tea-Party-Senator Ted Cruz. Der hat sich aus jüngsten Scharmützeln weitgehend herausgehalten und dürfte auch diesmal im Windschatten des Trump-Rubio-Dramas Delegierte sammeln. Zurzeit liegt er mit 369 Wahlmännern auf dem zweiten Platz hinter Trump (460). Das Problem: Der verhasste Hardliner ist für viele Republikaner nicht das kleinere, sondern sogar das größere Übel.

5. Holpriges Rennen für Clinton

Während alle auf die Republikaner starren, bleibt es auch bei den Demokraten spannend. Bei ihnen geht es am Dienstag um 780 Delegierte. Bernie Sanders behauptet sich gegen Hillary Clinton, sein unerwarteter Erfolg in Michigan verunsichert das Clinton-Lager. Nun muss er im Mittleren Westen und in Florida beweisen, dass er Koalitionen bilden kann, die über seine weiße Basis hinausgehen. Statistisch kommt er nur schwer gegen Clinton an, sie könnte sich am Dienstag endgültig von ihm absetzen. Doch die Ex-Außenministerin muss fürchten, als angeschlagene Kandidatin zum Parteitag zu humpeln. Hinzu kommen selbstverschuldete Rückschläge. So lobte sie etwa die verstorbene First Lady Nancy Reagan als Vorreiterin im Kampf gegen Aids - obwohl Ronald und Nancy Reagan genau das Gegenteil waren.

Ergebnisse der US-Vorwahlen

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