Medienbericht Trump-Berater ließ Angriff auf Iran prüfen

Donald Trumps oberster Sicherheitsberater John Bolton ist als Hardliner bekannt. Nun berichtet das "Wall Street Journal": Er forderte Optionen für einen Militärschlag gegen Iran an.

John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater für Donald Trump
ZURAB KURTSIKIDZE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater für Donald Trump


Die Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump haben einem Zeitungsbericht zufolge das Verteidigungsministerium um Optionen für einen Angriff auf Iran gebeten. Die Anfrage sei im vergangenen Herbst gestellt worden, meldete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf jetzige und frühere Regierungsvertreter.

Hintergrund sei ein Angriff mit drei Mörsergranaten auf das Diplomatenviertel in der irakischen Hauptstadt Bagdad gewesen, heißt es in dem Bericht. Zwar sei bei dem Angriff, der einer militanten Gruppe mit Verbindungen zu Iran zugeschrieben werde, niemand verletzt worden, aber er habe ungewöhnlichen Alarm im Weißen Haus ausgelöst.

Das US-Verteidigungsministerium habe die erbetenen Optionen ausgearbeitet, heißt es in dem Bericht. Nach Darstellung der Zeitung ist jedoch nicht klar, ob die Vorschläge dem Weißen Haus vorgelegt wurden, ob Präsident Donald Trump von der Anfrage wusste und ob ernsthafte Pläne für einen Angriff gegen Iran Gestalt annahmen.

"Es war irre, wie unverblümt sie über einen Angriff auf Iran sprachen"

Der Nationale Sicherheitsrat wird von John Bolton geleitet, der als scharfer Kritiker Chinas und des Iran gilt. Ein Sprecher des Gremiums erklärte, man stelle Präsident Donald Trump Optionen zur Verfügung, um auf eine Vielzahl von Bedrohungen zu reagieren.

Das "Wall Street Journal" schrieb, die Anfrage habe sowohl im Pentagon als auch im Außenministerium Besorgnis ausgelöst. "Sie verunsicherte die Menschen", wurde ein ranghoher Ex-Mitarbeiter zitiert. "Es war irre, wie unverblümt sie über einen Angriff auf Iran sprachen."

Ein Regierungsmitarbeiter, der nicht namentlich zitiert werden wollte, stellte es anders dar. Es stimme nicht, dass das Außenministerium und das Pentagon von der Anfrage überrumpelt worden seien, sagte er der dpa. Auf Details ging er aber nicht ein.

Trump hatte im Mai 2018 in einem Alleingang das internationale Atomabkommen mit Iran aufgekündigt. Die US-Regierung wirft der Führung in Teheran unter anderem vor, Terror zu betreiben und mit einer aggressiven Politik den Nahen Osten zu destabilisieren. Vor allem Trumps Sicherheitsberater Bolton gilt als Hardliner gegenüber der islamischen Republik. "Bombardiert Iran, um die iranische Bombe zu stoppen", hatte er im März 2015 in der "New York Times" gefordert.

wit/dpa/Reuters



insgesamt 86 Beiträge
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gandhiforever 13.01.2019
1. Bedrohungen
Bolton und Konsorten sprechen zwar von einer Bedrohunge durch Iran, doch Realitaet ist, dass die Bedrohung von Washington ausgeht. "America First" beinhaltet ein ruecksichtloses Durchsetzen von US-Interessen, wobei die berechtigten Interessen anderer Staaten ganz bewusst ignoriert werden. Iran ist ein Staat, dessen verweigerte Unterordnung US-Regierungen , nicht erst der jetzigen, ein Dorn im Auge ist. Angefeuert wird die bellikose Einstellung noch von der Regierung eines relativ kleinen, aber Washington sehr wichtigen Landes, dass am liebsten die ganze Region dominieren wuerden (aus "Sicherheitsgruenden"). Nun, wo Trump praktisch nur noch von Leuten umgeben ist, die ihm nach dem Mund reden oder ihn zum angriff auf Iran animieren, muss man die Drohungen sehr ernst nehmen. Denn es waere nicht das erste Mal, dass eine Regierung, um von innenpolitischen Problemen abzulenken, einen Krieg anzettelt, dabei auch noch an den Patriotismus (Nationalismus) seiner Buerger appelierend.
nachdenk71 13.01.2019
2. Der nächste Krieg droht.
Wenn ich die gesamte Riege der US-Regierung betrachte, sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Wie kann man diese unberechenbaren Kriegstreiber stoppen? Es gibt ja inzwischen auch einige hochrangige Mitarbeiter, die einen Krieg mit China für unausweichlich halten. Unglaublich!
isi-dor 13.01.2019
3. Der Iran war und ist ein westlich orientiertes Land
Das wäre ein illegaler, weil Völkerrechtswidriger Angriffskrieg auf einen Staat, von dem keine Gefahr ausgeht. Zudem wäre er letztlich nicht zu gewinnen. Trumps und Boltons blindwütiger Hass gegen die Zivilgesellschaft und die westliche Lebensweise im Iran ist absurd. Wenn man bedenkt, dass man gleichzeitig den Saudischen Massen- und Völkermördern in den Allerwertesten kriecht...
friedrich.grimm@gmx.de 13.01.2019
4. Verbrecher am Werk
Willy Wimmer, CDU, hat vollkommen Recht wenn er die USA als die derzeit größte Bedrohung für den Weltfrieden sieht. Und genau vor einem solchen Hintergrund ist für mich die Haltung unserer Bundesregierung, und hier im Besonderen die von Frau Merkel, vollkommen und doppelt unverständlich. Wie lange noch wollen die Europäer, ja will denn die ganze Welt noch dulden, dass sie vorgeschrieben bekommen mit wem sie Handel treiben dürfen und mit wem nicht.
hmmmm4711 13.01.2019
5.
Schon in den 90gern hieß es der Iran stehe kurz vor der Fertigstellung.... jetzt sind fast 30jahre vergangen. Die angriffspläne liegen nicht erst seit letztem Herbst auf dem Tisch. Terror? Ich denke ja klar unterstützen die Iraner Ihr Interessen uns Supporten die Hisbollah und CO. aber das taten die USA auch. Nur hieß dieses Sammelsurium „FSA und co“! Welchen Angriffskrieg haben die iraner eigentlich bis heute zu verantworten? Wieviele haben die USA durch Unterstützung von „Rebellen, Opposition, Freiheitskämpfer, Militärjuntas usw. zu verantworten? Und mein Kommentar ist wahrscheinlich noch so im Sinne des Autors, sodass ich mal wieder (!) nicht mit einer Freischaltung rechne! Im übrigen heißt freie Presse auch andere Meinungen nicht zu „streichen“
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