Skripal-Affäre Wie Trump sich zur Ausweisung russischer Diplomaten durchrang

Donald Trump zögerte zunächst mit der Ausweisung russischer Diplomaten. Erst als andere Staaten mitzogen, änderte der US-Präsident seine Haltung. Schließlich überzeugte ihn eine Boxmetapher.

Donald Trump und H.R. McMaster
REUTERS

Donald Trump und H.R. McMaster


Fünf Tage sind vergangen, seitdem die US-Regierung die größte Ausweisung russischer Diplomaten in der Geschichte verkündete. Am Montag verwies Washington 60 russische Diplomaten des Landes, darunter zwölf bei der Uno. Außerdem ordneten die USA die Schließung des russischen Konsulats in Seattle an.

Am Donnerstag folgte die Retourkutsche des Kreml: Russland schließt das US-Konsulat in Sankt Petersburg und verweist seinerseits 60 US-Diplomaten des Landes.

Nun werden Details über den Entscheidungsprozess im Weißen Haus bekannt: Die "Washington Post" und NBC berichten übereinstimmend, dass Donald Trump den Rausschmiss der Russen davon abhängig machte, dass andere Staaten mitzögen. Also versuchten Trumps noch amtierender Nationaler Sicherheitsberater H.R. McMaster und der stellvertretende Außenminister John Sullivan befreundete Regierungen davon zu überzeugen, ebenfalls russische Diplomaten auszuweisen. Mit Erfolg: Am vergangenen Freitag hatten sie zehn Zusagen, am Montag 16, inzwischen sind es mehr als 25.

Dazu präsentierten Trumps Mitarbeiter dem US-Präsidenten am vergangenen Freitag drei mögliche Optionen, um auf den Giftanschlag gegen Sergej Skripal zu reagieren, der Moskau zugeschrieben wird. Die "leichte Option" sah laut "Washington Post" und NBC vor, dass die USA 30 russische Spione ausweisen und auf die Schließung des Konsulats in Seattle verzichten sollten. Die "mittlere Option" beinhaltete genau die Maßnahmen, die Trump schließlich beschloss: Ausweisung von 48 Mitarbeitern der Botschaft in Washington und zwölf Mitarbeitern bei der Uno-Mission in New York.

Wie die "schwere Option" ausgesehen hätte, bleibt vorerst offen. Allerdings wies ein US-Beamter in der "Washington Post" darauf hin, dass die US-Spionageabwehr von mindestens 40 russischen Agenten wisse, die bislang nicht von der ersten Ausweisung betroffen seien. Sollte Trump also weitere Schritte unternehmen wollen, droht auch ihnen der Rauswurf.

Eine Person, die bei den Diskussionen im Weißen Haus dabei war, sagte der Zeitung, Trump sei schließlich mit einer Boxmetapher überredet worden. "Mit der 'mittleren Option' landest du einen soliden Schlag, hältst aber eine Faust zurück. Das hat den Präsidenten überzeugt."

syd

insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stefan.p1 30.03.2018
1. Vielleicht
hat Trump doch mehr Sinn für Realitätspolitik als viele denken! Denn erreichen, das ist doch wohl jedem klar, werden die Sanktionen nichts! Zumindest nichts Gutes.
franke08 30.03.2018
2. Trump wird unter Druck gesetzt
Man kann nur hoffen, dass sich die Situation nicht weiter verschärft. Es gibt vermutlich Leute in den USA, die einen begrenzten Krieg in Europa wünschen und für möglich halten. Wir sollten da realistisch sein, Menschenleben haben die USA noch nie interessiert. Bleibt zu hoffen, dass diese Klique nicht die Oberhand gewinnt, Europa ist ja offenbar unfähig und betreibt mit Hurrageschrei den eigenen Untergang.
mhwse 30.03.2018
3. immer wegducken ..
ist auch keine Lösung - sonst landet ggf. der nächste Schlag unvorbereitet .. besser der Gegner weiß, dass man da ist. Die Russen (von denen das Gift ja stammt ..) könnten ja eine Aufklärungsuntersuchung (ggf. mit internationalen Beobachtern) anbieten .. Macht man ja in der Luftfahrt auch so. (also außer die Rakete stammt "versehentlich" vom eigenen Militär .. also die komplette Einheit wurde "geklaut", abgefeuert und zurück gebracht ..) willkommen im 4. Weltkrieg (hybrid und unbemerkt ..) übrigens .. Syrien und die Geflüchteten sind ja kein Zufall. Aber wenn die Briten das auch mal merken - kann man ggf. noch rechtzeitig gegensteuern.
f.loeffelhardt 30.03.2018
4. Schulterschluss
überraschend erscheint mir hier, dass Trump sich dazu bewegen lässt, gemeinsam mit europäischen (und auch anderen) Ländern zu handeln. Der Rest ist Politik und erreichen wird das auf jeden Fall etwas, es wird die Welt aber nicht verändern. Das ist politisch-diplomatisches Kalkül, deren Ziele nicht unbedingt transparent sind.
Siebengestirn 30.03.2018
5. Leider ein ziemlich lächerliches und wenig glaubwürdiges Theater!
Die gegenseitige "Ausweiserei" ist zwar wohl als ein völkerrechtlich verhältnismäßiges Vorgehen anzusehen. Es ist aber zugleich ein Zeichen von Ohnmacht. Jedenfalls wird Herr Putin dadurch in seinen Absichten nicht wirksam gebremst. Warum ist z.B. England entgegen anfänglichen Bekundungen nicht mehr bereit, die Nationalelf von der WM in Russland zurückzuziehen? Dann müssten z.B. auch die europäischen Staaten darüber nachdenken, einem solchen Beispiel zu folgen.Man möchte sich schon mit Russland verständigen. Das aber nicht um jeden Preis. Es ist so nur noch eine Frage der Zeit, wann die nächste Unverfrorenheit aus Russland folgt..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.