Trumps Außenpolitik Auf Konfusionskurs

Er provoziert, befiehlt, verwirrt: In der Außen- und Sicherheitspolitik zeigt sich Donald Trump unberechenbar. Welche Ziele verfolgt der US-Präsident in Krisenregionen - und hat er überhaupt eine Strategie?

AFP

Von und , Washington und New York


Der mächtigste Mann der Welt hat keinen Plan, welche Rolle die USA im Ausland spielen sollen. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man eine außenpolitische Bilanz der ersten Wochen Donald Trumps im Weißen Haus zieht. Statt Ordnung und Klarheit, wie Trump sie im Wahlkampf versprochen hatte, herrscht Verwirrung und Chaos.

Nicht nur der überraschende Luftschlag in Syrien, auch der Abwurf einer gigantischen Bombe in Afghanistan oder Drohungen in Richtung Nordkorea sollten Stärke und Tatkraft demonstrieren. Doch über eine Strategie für das, was nach den Blitzaktionen folgen soll, lässt Trump seine internationalen Partner im Unklaren.

Was will Trump in den globalen Krisenregionen? Welche Absichten hegt er in Ländern, mit denen die USA diplomatisch über Kreuz liegen oder in denen sie militärisch aktiv sind?

Klicken Sie sich durch die Weltkarte für den schnellen Überblick der außenpolitischen Brennpunkte der Trump-Regierung. Weiter unten können Sie detailliert nachlesen, welche Interessen der US-Präsident in einzelnen Regionen verfolgt.

Trumps globale Krisenherde

Für Details bitte die Länder klicken oder tippen.

Naher Osten: Labyrinth ohne Ausweg

US-Marschflugkörper vor der syrischen Küste
DPA

US-Marschflugkörper vor der syrischen Küste

Keine Region hat amerikanische Präsidenten vor so unlösbare Probleme gestellt wie der Nahe Osten. Seit Trump ist die Lage noch verworrener. In den Bürgerkrieg von Syrien griff er als erster US-Präsident mit Militärschlägen direkt ein, seine Strategie bleibt diffus: Die Rede ist von weiteren US-Bodentruppen und einem "politischen" Ende des Machthabers Baschar al-Assad - dafür bräuchte man Russland. Auch im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern gibt es keine klare Linie: Anfangs stellte Trump die Zweistaatenlösung in Frage, dann widersprach er sich selbst und rügte Israels Siedlungspolitik. Er machte einen konservativen Hardliner zum Israel-Botschafter. Ein explosives Versprechen, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, liegt nach einer Intervention des jordanischen Königs Abdullah II. aber auf Eis. Noch nebulöser ist die Iran-Politik: Im Wahlkampf schwor Trump, das Atomabkommen zu "zerreißen", Außenminister Rex Tillerson schwächte das auf "Überprüfung" ab. Als Iran im Januar einen Raketentest durchführte, warnte Trump Teheran zwar und verschärfte die Sanktionen. Er vermied aber, vom Bruch des Abkommens zu sprechen.


Asien: Atomtests und Drohungen

Militärparade in Nordkorea
AP

Militärparade in Nordkorea

Die Spannungen mit Nordkorea haben extrem zugenommen, da nun beide Seiten unberechenbar sind. Das Regime in Pjöngjang droht mit neuen Atomtests, die Trump-Regierung mit einem militärischen Alleingang. Auch hier Verwirrung: So stellte sich heraus, dass die US-Kriegsflotte, die angeblich als Warnung auf Nordkoreas Küste zusteuerte, fast 6000 Kilometer entfernt kreuzte.

Trump braucht China als Vermittler, doch auch mit der Volksrepublik verbindet ihn eine politische Hassliebe. Im Wahlkampf beschimpfte er Peking als Währungsmanipulator und kritisierte seine Exportmacht, jetzt umgarnt er die Regierung. Die Probleme verschwinden davon nicht: Das US-Handelsdefizit mit China beläuft sich auf fast 350 Milliarden Dollar im Jahr, die zwei weltgrößten Volkswirtschaften ringen um die globale Vorherrschaft. Andere Sorgen bereitet Trump Afghanistan, wo die USA weiter Tausende Truppen stationiert haben. Der Abwurf der größten nichtatomaren US-Bombe über einer mutmaßlichen IS-Hochburg beendete den Konflikt nicht - illustrierte aber, dass alles offen ist. Schon wird die Entsendung neuer US-Bodentruppen diskutiert.


Russland: Eiszeit statt Verbrüderung

Russischer Präsident Wladimir Putin
AP

Russischer Präsident Wladimir Putin

Trump hatte sich zum Ziel gesetzt, die Beziehungen der USA zu Russland zu verbessern. Eine Reihe seiner Leute unterhält so enge Kontakte nach Moskau, dass das FBI Ermittlungen aufnahm. Doch dann befahl Trump den Luftschlag in Syrien und brüskierte Russland als engsten Verbündeten Assads, es folgte ein Stimmungstief. An einem Bruch hat trotzdem niemand Interesse: Die USA sind im Kampf gegen Islamisten auf Russland angewiesen, Moskau buhlt um internationalen Respekt. Unklar ist, mit welchen Methoden die USA den Druck auf Russland in der Syrien-Frage erhöhen wollen. Neue Sanktionen? Noch ein Luftschlag gegen das Assad-Regime? Ist am Ende ein Deal denkbar: Die USA drängen nicht mehr auf eine Rückgabe der Krim an die Ukraine und lassen bestehende Sanktionen fallen - dafür sagt sich Russland von Assad los? Antworten auf diese Fragen sind unberechenbar wie Trumps Entscheidungen.


Mexiko: Hasta la vista

US-Grenzpolizist am Zaun zu Mexiko
DPA

US-Grenzpolizist am Zaun zu Mexiko

Ein Lieblingsfeind Trumps im Wahlkampf war Mexiko: Er verkündete seine Kandidatur mit einer pauschalen Beschimpfung mexikanischer Einwanderer als Kriminelle und Vergewaltiger und schwor, eine Mauer an der US-Südgrenze zu bauen. Doch obwohl Trump den Mauerbau per Dekret angeordnet hat, dürfte er im Kongress auf Widerstand stoßen - allein wegen der Kosten von bis zu 70 Milliarden Dollar, die sich selbst mit Strafzöllen kaum auf Mexiko abwälzen lassen. Auch Trumps Drohung, das Freihandelsabkommen Nafta aufzukündigen, steht mittlerweile in Zweifel. Durchgesetzt hat Trump freilich eine verschärfte Abschiebungspolitik für illegale Einwanderer und ein härteres Durchgreifen der Grenzpolizei, der er weitgehend freie Hand gab.


Afrika: Hunger und Soldaten

Hungerflüchtlinge in Somalia
AP

Hungerflüchtlinge in Somalia

Die Uno warnt vor einem Massensterben, mehr als 16 Millionen Menschen sind in Nigeria, im Südsudan oder in Somalia wegen der anhaltenden Dürre vom Hungertod bedroht. In Nigeria und Somalia wüten zudem die Terrormilizen Boko Haram und Schabab. Trump verspricht vereinzelt militärische Unterstützung im Kampf gegen Islamisten: So schickte er mehrere Dutzend US-Soldaten nach Somalia, um Schabab zurückzudrängen. In der Fläche und finanziell aber will Trump das US-Engagement deutlich drosseln, etwa bei Blauhelm-Friedensmissionen, Entwicklungshilfe und Gesundheitsprogrammen. Schon im Wahlkampf betrachtete Trump den Kontinent allenfalls als Ursprungsland unerwünschter Migranten. Diese Devise setzt sich in seiner Regierungszeit fort.

insgesamt 106 Beiträge
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Seite 1
ackergold 20.04.2017
1. Meine grundgesetzlich garantierte freie Meinung:
Ich bin mir sicher, dass Trump weder einen Plan hat, noch gar Sorgen. Die einzige Sorge Trumps ist, wie er seinen Kontostand erhöhen kann. Als notorisch narzistischem Egozentriker schert er sich nicht um andere Staaten, oder gar deren Menschen, noch um so etwas wie "Strategie". Dazu müsste man ja Bücher und Akten lesen.
eikefechter 20.04.2017
2. Eine Strategie ...
hat Herr Trump wohl nicht, aber dass man auch ohne eine solche lange erfolgreich Politik machen kann, sehen wir doch an Frau Merkel. Heutzutage ist Pragmatismus gefordert, nicht Ideologie. Aber das scheint bei vielen noch nicht durchgedrungen zu sein.
bismarck_utopia 20.04.2017
3. Trump entdeckt die realpolitische Kulisse
Es ist doch ganz einfach: Die Befugnisse eines US-Präsidenten mögen auf vielerlei Papier stehen, und Trump würde diese sicher gerne bis zum Anschlag ausreizen und war entschlossen, dies zu tun - doch gegen die realpolitische Macht der Institutionen im Hintergrund kommt auch er ins Wanken. Die Präsidenten gingen, wo nötig, nach dem Prinzip "Der Klügere gibt nach" und zogen eine Politik vor, die sich nicht allzu unharmonisch mit den Institutionen und ihren gewaltigen, aufwendig entworfenen Projekten verhält. Trump würde gerne seinen Sturkopf mitsamt mancher blödsinniger Ideen durchsetzen, stößt aber immer wieder gegen Wände und muss hier und da vorerst zurückrudern, ohne innerlich wirklich davon überzeugt zu sein. Um das Gesicht zu wahren, gibt er fadenscheinige Begründungen von sich wie: "Meine Meinung hat sich (plötzlich wegen XY) sehr geändert." - Also gewissermaßen trompeten ihm viele um die Ohren, so wie in dem berühmten Spielchen: http://gnm.li/donald-trump-trompete
ackergold 20.04.2017
4.
Zitat von eikefechterhat Herr Trump wohl nicht, aber dass man auch ohne eine solche lange erfolgreich Politik machen kann, sehen wir doch an Frau Merkel. Heutzutage ist Pragmatismus gefordert, nicht Ideologie. Aber das scheint bei vielen noch nicht durchgedrungen zu sein.
Trump ist alles mögliche, aber nun wirklich kein Pragmatiker. Er folgt den Vorgaben Bannons und die sind ausschließlich ideologischer Natur. Es geht um Macht und Geld... bei Trump meinetwegen auch um Frauen. Das Volk spielt keine Rolle, denn das Volk profitiert weder von Mauern, noch von Isolationismus, noch von Kriegen gegen sonstwen, noch von Steuersenkungen für die Superreichen, noch von der Bankenderegulierung usw.
lorett60 20.04.2017
5. Trumpversteher
Bevor sich jetzt noch weitere Trumpversteher über die Einhaltung der Wahlversprechen freuen: die werden eben nicht eingehalten. Keine Annäherung an Russland im Syrienkrieg, kein Konflikt mit China da das gegen Nordkorea gebraucht wird, keine Abschaffung von Obamacare da ohne eigene überzeugende Alternative. Alles heisse Luft und planloses Rumagieren. Wäre er nicht am Drücker der grössten Atomstreitmacht wäre es lustig, so kann es unser Ende werden.
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