Tod des US-Senators Trump soll Würdigung McCains verhindert haben

John McCain und Donald Trump machten aus ihrer Abneigung füreinander keinen Hehl: Doch der US-Präsident soll dem Kontrahenten eine angemessene Würdigung selbst nach dessen Tod verweigern.

Gedenkstätte für John McCain
AFP

Gedenkstätte für John McCain


Über die Grenzen der USA hinaus haben Menschen ihre Trauer über den Tod des US-Senators John McCain bekundet. US-Präsident Donald Trump hielt seine Wertschätzung offenbar in Grenzen: Einem Bericht der "Washington Post" zufolge wehrte er sich gegen eine weitergehende offizielle Würdigung seines unerbittlichen Kritikers.

Das Weiße Haus habe eigentlich eine Erklärung vorbereitet, in der McCain als "Held" bezeichnet wird, wie die Tageszeitung berichtete. Trump habe diese Würdigung seines Kritikers aber verhindert. Seine einzige Reaktion war demnach ein kurzer Beileids-Tweet.

Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders und auch sein Stabschef John Kelly hätten sich für diese Erklärung ausgesprochen, hieß es. Dem Bericht zufolge bestand Trump aber darauf, stattdessen bloß eine kurze Nachricht bei Twitter abzusetzen. Er hatte McCains Familie nach dessen Tod am Samstag sein "tiefstes Mitgefühl und Respekt" ausgesprochen und geschrieben: "Unsere Herzen und Gebete sind bei Euch!"

Dagegen würdigte Trumps Stellvertreter Mike Pence den verstorbenen Politiker, der "sein Leben dieser Nation in unserer Armee und dem öffentlichen Leben widmete". Selbst Trumps Ehefrau Melania dankte McCain auf Twitter für seinen Verdienst. Auch alle noch lebenden Ex-Präsidenten ehrten McCain in bewegten Worten.

Flagge am Montag wieder auf Vollmast

Am Tag nach dem Tod McCains setzte sich Trump noch einen Schritt weiter über das Protokoll hinweg: Während die Flagge auf dem Dach des Weißen Hauses am Sonntag auf Halbmast stand, wurde sie am Montag bereits wieder auf Vollmast gehisst. Eigentlich soll die Flagge am Todestag und am darauffolgenden Tag auf Halbmast stehen, wie im US-Code, der Sammlung des Bundesrechts, festgehalten ist. Mehrere Mitglieder des Senats beider Parteien forderten, die Flagge weiter auf Halbmast zu belassen.

Daraufhin wurde die Flagge später am selben Tag wieder auf Halbmast gesetzt. Donald Trump sagte, er haben ein Schreiben unterzeichnet, nach dem er die Flagge bis zur Beerdigung McCains nicht mehr auf Vollmast hissen werde. Gleichzeitig gab er bekannt, dass er den "Einsatz für das Land" des Senators schätze.

Flagge auf dem Weißen Haus am Montag, den 27.08.18
JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Flagge auf dem Weißen Haus am Montag, den 27.08.18

McCain und Trump: Ein zerrüttetes Verhältnis

McCains Verhältnis zu Trump war stark belastet. Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen, der mehr als fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft verbrachte, übel verhöhnt. Für ihn sei McCain "kein Held", sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?"

"Wir stehen alle in seiner Schuld"

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Noch vom Krankenbett aus setzte McCain wenige Wochen vor seinem Tod eine Erklärung mit vernichtender Kritik an Trumps Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin ab. Die Pressekonferenz in Helsinki nannte er "einen der schmachvollsten Auftritte eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken".

Trump darf nicht zu McCains Beerdigung

Monate vor seinem Tod ließ McCain zudem verbreiten, dass er Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich Medienberichten zufolge, dass der demokratische Ex-Präsident Obama und Ex-Präsident George W. Bush bei der Trauerfeier reden.

McCain gehörte zu den prominentesten Mitgliedern des US-Senats. Ab 1983 saß McCain zunächst im Repräsentantenhaus und seit 1987 im Senat. Als Präsidentschaftskandidat der Republikaner verlor er 2008 gegen den Demokraten Barack Obama.

ans/dpa/AP/Reuters

Mehr zum Thema


insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
udo l 27.08.2018
1. So wenig Größe
zu zeigen, einem Kontrahenten nach dessen Tod, für seine Verdienste zu ehren, ist wirklich mehr als beschämend. Dazu fällt mir Arnold Schwarzenegger's vergleich mit einer: Zitat "kleinen nassen Nudel" ein.
ollydk 27.08.2018
2. Beschämend
Selbst wenn man politisch anderer Meinung war, gebietet es das gute Benehmen, respektvoll miteinander umzugehen - selbst über den Tod hinaus. Wir reden hier aber über Donald Trump, zu dessen vielen, vielen Makeln eben auch fehlendes Benehmen und mangelnder Respekt gehört. Ja, die Liste seiner Defizite ist lang - sehr lang. Ich hoffe, dass bald ein Impeachment eingeleitet werden kann und dass dieses dann auch sehr erfolgreich ausgeht.
jj2005 27.08.2018
3. Verdienste?
Zitat von udo lzu zeigen, einem Kontrahenten nach dessen Tod, für seine Verdienste zu ehren, ist wirklich mehr als beschämend. Dazu fällt mir Arnold Schwarzenegger's vergleich mit einer: Zitat "kleinen nassen Nudel" ein.
Welche Verdienste? Der Mann war ein republikanischer Hardliner und Kriegstreiber, Busenfreund der NRA, und hat wohl höchstpersönlich, in 23 Bombereinsätzen, Hunderte Zivilisten getötet. Dass er gegen die Witzfigur Trump war, wäscht ihn nicht weiß
g.eliot 27.08.2018
4. Kein staatsmännisches Format
Zitat von jj2005Welche Verdienste? Der Mann war ein republikanischer Hardliner und Kriegstreiber, Busenfreund der NRA, und hat wohl höchstpersönlich, in 23 Bombereinsätzen, Hunderte Zivilisten getötet. Dass er gegen die Witzfigur Trump war, wäscht ihn nicht weiß
Ach ja? Während Trump zwei der übelsten Falken und Kriegstreiber zum Außenminister und Nationalen Sicherheitsberater ernannt hat: Mike Pompeo und John Bolton. Mit denen verglichen ist McCain eine Friedensstaube. Beide befürworten Nordkorea Erstschlag und Iran-Krieg; Bolton war der Mastermind hinter der Irak-Lüge. Aber das ist natürlich wurscht, und McCain ist ja nur deshalb sooo böse, weil das Trumps Feind ist. Verstanden. Wussten Sie eigentlich, dass McCain in der POTUS-Wahl 2008 von dem damals Demokraten Trump unterstützt wurde? Trump ist kein Staatsmann, besitzt kein Format und auch keinen Anstand. Und dies von mir, unabhängig von meiner abweichenden politischen Meinung.
bakiri 27.08.2018
5. wenigstens Konsequent im Verhalten
Der aktuelle Präsident der USA glaubt über allem zu stehen und Verhaltensregeln missachten zu können. Abgesehen von der Pietät- und Anstandslosigkeit gegenüber der betroffenen Familie, mangelndem Respekt vor Tradition und bestehenden gesellschaftspolitischen Regeln, mangelt es ihm vollkommen an dem Verständnis für die Vorbildfunktion, die dieses Amt hat. Man muss mal klar sagen (und das mache ich, weil man es umgangssprachlich so sagt und nicht um eine Berufsgruppe zu beleidigen): Dieser Mann ist ein Bauer! Die Wahl der US-Amerikaner lässt tief in den Bildungsstand dieser Nation blicken und ist erschreckend. Die Fähigkeit zu wahrer Größe und Macht zeigt sich in Situationen wie diesen, einem politischen Gegner den gebührenden Respekt zu erbringen. Aber wieder ist dieser Mann grandios gescheitert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.