US-Medienberichte Mehrere Frauen werfen Trump sexuelle Übergriffe vor

2005 prahlte Donald Trump mit sexuellen Übergriffen auf Frauen. Er habe den Worten jedoch nie Taten folgen lassen, sagt er. Vier Frauen erheben nun allerdings schwere Vorwürfe.

Donald Trump
AFP

Donald Trump


Donald Trump, Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, soll amerikanischen Medienberichten zufolge mehrere Frauen sexuell belästigt haben. Die ausführlichsten Schilderungen sind derzeit in der "New York Times" zu lesen: Mitarbeiter der Zeitung sprachen eigenen Angaben zufolge mehrfach mit Jessica Leeds und Rachel Crooks sowie mit mehreren Freunden, Bekannten und Familienangehörigen der beiden Frauen.

Laut dem "NYT"-Bericht traf Trump Anfang der Achtzigerjahre auf die damals 38-jährige Jessica Leeds. Beide saßen demnach in einem Flugzeug auf dem Weg nach New York, sie hätten sich vorher noch nie gesehen. Etwa 45 Minuten nach dem Start der Maschine und nach einigem Small Talk habe Trump seine Armlehne aufgerichtet und nach Leeds Brüsten gegriffen. Zudem soll er ihren Aussagen zufolge versucht haben, seine Hand unter ihren Rock zu schieben. Zu diesem Zeitpunkt sei sie aufgestanden und habe den Sitzplatz gewechselt. "Er war wie ein Oktopus, seine Hände waren überall", zitiert die Zeitung Leeds.

Die zweite Frau berichtete der "NYT" von einem Vorfall im Jahr 2005: Rachel Crooks war damals 22 Jahre alt und arbeitete im Trump Tower in New York. Vor einem der Aufzüge sei sie dem Milliardär begegnet, und weil die Firma, bei der sie angestellt war, mit Trump Geschäfte machte, habe sie sich ihm vorgestellt. Sie schüttelten sich die Hände, wie Crooks berichtet. Doch Trump habe nicht losgelassen. Er habe sie zunächst auf die Wange geküsst - und dann direkt auf den Mund. "Es war so unangemessen. Ich war so wütend, dass er davon ausging, ich sei so unwichtig, dass er das einfach machen kann", zitiert die Zeitung Crooks.

Donald Trump selbst bestritt die Vorwürfe vehement. "Nichts davon hat jemals stattgefunden", sagte er in einem Telefonat mit der "NYT". Er habe die Reporterin angebrüllt, sie als "widerliches menschliches Wesen" beleidigt und der Zeitung vorgeworfen, die Geschichten erfunden zu haben, um seinen Ruf zu schädigen, heißt es in dem Artikel. Trump habe zudem mit einer Klage gedroht.

Aus seinem Wahlkampfteam hieß es in der Nacht zu Donnerstag, der Bericht sei reine Fiktion. Die Zeitung betreibe gefährlichen Rufmord, der Artikel sei nichts weiter als eine politische Attacke. Dies sei ein trauriger Tag für die "NYT", heißt es in der Mitteilung.

Von Worten und Taten

Dass Leeds und Crooks sich zu diesem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit wenden, hat dem Zeitungsbericht zufolge mit der zweiten TV-Debatte zwischen Trump und seiner Rivalin Hillary Clinton zu tun. Moderator Anderson Cooper fragte Trump gleich zu Beginn gezielt nach dessen Äußerungen aus dem Skandalvideo von 2005: Darin prahlt Trump mit sexuellen Übergriffen auf Frauen und sagt, als Star könne man sich alles erlauben; zum Beispiel, Frauen direkt auf den Mund zu küssen oder ihnen zwischen die Beine zu greifen.

Video-Chronik: Wie Trump mit sexuellen Übergriffen prahlt

REUTERS

"Das war Umkleidesprech", sagte Trump während des TV-Duells. Auch in den Tagen danach wiederholte er diese Aussage. Es seien bloß Worte gewesen, keine Taten. Auch gegenüber der "NYT" wiederholte Trump erneut: "So was mache ich nicht. So was mache ich nicht. Das war Umkleidesprech."

Leeds und Crooks haben das TV-Duell - und Trumps Aussagen über das Video - verfolgt. "Dieses Verhalten ist tief in seinem Charakter verankert", schrieb Leeds in einer E-Mail an die "NYT". Jeder, der darüber nachdenke, Trump zu wählen, solle sich dessen bewusst sein. Auch Crooks wandte sich - eigenen Angaben zufolge nach einigem Zögern - an die Zeitung. "Die Menschen sollen das wissen, dieses Verhalten ist weit verbreitet, und es ist real."

Die Frauen hatten bereits kurz nach den mutmaßlichen Übergriffen mit Freunden und Bekannten gesprochen, wie es in dem Artikel heißt. An die Behörden oder die Öffentlichkeit wandten sie sich jedoch nicht. In den Siebziger- und Achtzigerjahren seien ungewollte Avancen von Männern Alltag gewesen, sagte Leeds. "Wir haben das jahrelang akzeptiert. Uns wurde beigebracht, dass es unsere Schuld ist." Crooks hatte ihrem damaligen Partner zufolge zudem Sorgen um ihren Arbeitsplatz. "Sie war 22. Sie war Sekretärin. Es war ihr erster Job nach der Schule. Ich erinnere mich daran, dass sie sagte: 'Ich kann gegen diesen Typ nichts machen, er ist schließlich Donald Trump.'"

Zwei weitere Vorwürfe

Neben Crooks und Leeds haben aktuell noch zwei weitere Frauen Vorwürfe gegen Trump erhoben. Die 36-jährige Mindy McGillivray schildert in der "Palm Beach Post", Trump habe sie im Januar 2003 in Mar-a-Lago in Florida unsittlich am Hintern berührt. Sie habe damals als Kameraassistentin bei einem Ray-Charles-Konzert gearbeitet.

Zwei Jahre später soll sich am selben Ort in Florida nach Angaben der "People"-Mitarbeiterin Natasha Stoynoff ein ähnlicher Vorfall ereignet haben: Sie interviewte Donald und Melania Trump im Dezember 2005, wie Stoynoff in einem ausführlichen Bericht schreibt. Thema des Gesprächs sei das erste Ehe-Jahr der Trumps gewesen. Als sie mit Trump allein in einem Zimmer gewesen sei, habe er sie gegen eine Wand gedrückt "und mir die Zunge in den Hals geschoben". Sie habe unter Schock gestanden, erst später sei Ärger dazugekommen.

Auf diese beiden Berichte gibt es bisher keine Reaktion von Trump oder seinem Wahlkampfteam.

Nach Bekanntwerden des Skandalvideos hatte es auch innerparteilich massive Kritik an Trump gegeben. Führende Republikaner distanzierten sich öffentlich, Trump fiel in Umfragen weiter hinter Clinton zurück. Mehr dazu lesen Sie in den folgenden Artikeln:

aar

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.