US-Präsidentschaftswahl Donald Trump stellt teure Wirtschaftspläne vor

Donald Trump verkauft sich gern als Selfmade-Millionär, aber kann er auch Wirtschaft für ein ganzes Land? An diesem Montag stellt er sein Programm vor. Experten warnen vor einem "Gemetzel" und zerpflücken sein Wirtschaftsteam.

 Donald Trump
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Im US-Präsidentschaftswahlkampf ist der republikanische Kandidat Donald Trump angeschlagen. Nun versucht er, mit Versprechen auf Steuerkürzungen und Schutzzölle für die US-Wirtschaft wieder etwas Boden auf die derzeit führende Demokratin Hillary Clinton gut zu machen.

An diesem Montag will Trump vor Managern in Detroit sein Wirtschaftsprogramm vorstellen: Es soll beinhalten, die Unternehmensteuern in den USA von derzeit 35 auf 15 Prozent, und damit um mehr als die Hälfte, zu senken. Obendrein verspricht der Kandidat Steuersenkungen für alle Amerikaner, reich und arm. Eltern sollen künftig Ausgaben für die Kinderbetreuung stärker als bislang von der Steuer absetzen können, sagte einer seiner Berater vorab.

Würde Trumps Plan eins zu eins umgesetzt, könnte das Steuerausfälle in Höhe von einer Billion Dollar (1000 Milliarden Dollar) jährlich ausmachen, das wäre etwa ein Drittel der gesamten Steuereinnahmen des Landes. Der Plan käme einem "Gemetzel" am US-Haushalt gleich, urteilt der konservative US-Ökonom Peter Morici in einem Interview mit der britischen "BBC".

Bekannt ist bislang, dass Trump als US-Präsident Strafzölle für Importe aus China von 45 Prozent und für Importe aus Mexiko von 35 Prozent erheben würde, was einen Handelskrieg mit den Staaten auslösen könnte. Trumps Plan zur Senkung der Arbeitslosigkeit lautet außerdem Abschiebung: Er will Menschen, die derzeit geduldet als Illegale im Land leben, außer Landes bringen. Das beträfe etwa 3,5 Prozent der derzeitigen Wohnbevölkerung oder elf Millionen Menschen.

Trump wird am Montagabend europäischer Zeit auch sein Team aus Wirtschaftsberatern vorstellen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Manager, Finanzunternehmer und Immobilienmanager. Dazu sollen etwa die Immobilieninvestoren Steve Roth, Tom Barrack und Howard Lorber, der Fracking-Unternehmer Harold Hamm, der Banker Stephen M. Calk und der Hedgefonds-Manager John Paulson zählen.

Nachdem die Namen am Freitag erstmals bekannt gegeben wurden, sagte der liberale Wirtschaftsprofessor der Universität von Michigan, Justin Wolfers, der "Washington Post", dies sei das "am wenigsten ehrenwerte, am wenigsten qualifizierte Wirtschaftsteam aller Kandidaten, das ich zu Lebzeiten gesehen habe".

US-Ökonom Morici sagte zum Wirtschaftsteam des Kandidaten, ihm sei es offenbar nicht gelungen, namhafte Wirtschaftsfachleute mit Erfahrung in der Politik für sich zu gewinnen. Das Team bestehe aus "einem Haufen Kumpels" von Trump, nicht aus respektablen Fachleuten.

Bei den US-Republikanern wächst offenbar die Sorge, Trump könnte die US-Präsidentschaftswahl im November krachend gegen Clinton verlieren. Zwei gewählte Vertreter der Partei sagten am Sonntag, sie befürchteten, ihre Bundesstaaten könnten wegen Trumps Verhalten für die Republikaner verloren gehen. Für Ohio sagte das der Gouverneur John Kasich. Er ist ein unterlegener Mitbewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner und hatte den Immobilienunternehmer beim Nominierungsparteitag nicht unterstützt.

Für den Bundesstaat Arizona äußert dessen Senator Jeff Flake Zweifel an den Siegeschancen Trumps. Arizona wählte bei nur einer der vergangenen zehn Präsidentschaftswahlen demokratisch und könnte mit elf von rund 530 zu vergebenden Stimmen im Wahlmännersystem für die Präsidentschaft wahlentscheidend werden.

cht/dpa

insgesamt 246 Beiträge
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janne2109 08.08.2016
1. wenn
denn die Amerikaner den Mann trotzdem wählen - bitte. Importzölle rauf - gut, dann werden die Waren genau für die Bevölkerungsgruppe die ihn wählt und die billigen Dinge kaufen ( einheimische Produkte sind viel teurer) eben mehr bezahlen müssen. Viele Menschen lernen erst das Gehirn einzuschalten wenn es in der Börse richtig weh tut. Und ich erinnere mich an Amerikaner die nach der Wahl von Bush jun. gesagt haben - och haben wir einen Busch überlebt werden wir den zweiten auch überleben.
nickellodeon 08.08.2016
2. lasst
mich raten. Hillary hat das bessere Team, bestehend aus Buddys von Goldman Sachs und der New Yorker Finanzindustrie?
dereuropaeer 08.08.2016
3.
Das ist ein "Super Programm". So wie Trump sein Casino in die Pleite geführt hat, würde er das auch mit dem Staatshaushalt schaffen. Auf der einen Seite beschwert er sich über Obama's Haushaltsdefizit und nun haut er richtig in die Vollen. Bravo, weiter so, sehr gut für Hillary.
reinerotto 08.08.2016
4. Ein Self-Made Milliardär
sollte eigentlich von Wirtschaft mehr Ahnung haben, als z.B. eine studierte Ärztin vom Militär.
Tikal69 08.08.2016
5. Eine Frage vorab
Eine dumme Frage. Sind das die gleichen Wirtschafts-Experten, denen wir die horrende Verschuldung, die enorme ungleiche Verteilung der Vermögen, die enorme Arbeitslosigkeit und all die hübschen Spekulationsblasen zu verdanken haben?
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