Kommunikation im Weißen Haus Trump stellt Pressekonferenzen infrage

Donald Trumps Sprecherin tritt immer seltener vor Journalisten auf. Auf Twitter erklärt der US-Präsident nun, warum - und attackiert erneut die Medien.

Donald Trump und Sarah Sanders (Archivbild)
AP

Donald Trump und Sarah Sanders (Archivbild)


Die offiziellen Pressebriefings des Weißen Hauses waren lange Zeit eine fast tägliche Routine vieler US-Journalisten. In letzter Zeit ist Sprecherin Sarah Sanders jedoch nur selten ans Pult getreten - US-Präsident Donald Trump gab dafür nun den Medien selbst die Schuld.

Der Grund, warum Sanders nur noch selten auf das Podium im Presseraum gehe, sei die "rüde" und "inkorrekte" Berichterstattung über ihre Äußerungen, schrieb Trump auf Twitter. Die meisten Medien berichteten niemals "fair" über seine Regierung, weshalb sie als "Fake News" bezeichnet würden. Er habe Sanders gesagt, sie solle sich wegen der Briefings "keinen Kopf machen", schrieb Trump. Die Botschaft des Weißen Hauses lasse sich auch ohne diese Briefings überbringen.

Die Vereinigung der Korrespondenten des Weißen Hauses (WHCA) kritisierte Trumps Äußerungen. WHCA-Präsident Oliver Knox sprach von einem "Rückzug aus Transparenz und Rechenschaftspflicht", der einen furchtbaren Präzedenzfall darstelle.

Mehr informelle Kommunikation

Die formellen Briefings im Presseraum des Weißen Hauses sind inzwischen zur Seltenheit geworden: Die jüngste derartige Konferenz gab Sanders am 18. Dezember vergangenen Jahres. Stattdessen spricht sie häufiger informell und spontan mit Journalisten. Bei diesen Gelegenheiten haben die Reporter aber weniger Zeit und Gelegenheit, Fragen zu stellen und nachzuhaken.

Am 3. Januar hatte Sanders noch einmal zu einem Pressebriefing ins Weiße Haus eingeladen, dann aber nur "einen sehr besonderen Gast" angekündigt: Trump, der zwar vor Journalisten sprach, aber keine Fragen annahm. Der Präsident kommuniziert häufiger selbst mit den Medien, wenn auch in eher ungewöhnlicher Manier: Etwa am Rande von Kabinettssitzungen oder vor dem Einstieg in den Präsidentenhubschrauber. Dann nimmt er oft auch Fragen an.

Dem unparteiischen "White House Transition Project" zufolge tauscht Trump sich durch sein Vorgehen insgesamt häufiger mit Medienvertretern aus als seine Vorgänger Barack Obama oder George W. Bush.

Weniger Fragemöglichkeiten auf Pressekonferenzen

Trump steht einem Großteil der US-Medien kritisch gegenüber. Er wirft diesen Medien vor, voreingenommen und feindselig über seine Präsidentschaft zu berichten. Immer wieder hat der Präsident auch einzelne Journalisten persönlich heftig angegriffen. Dem prominenten CNN-Reporter Jim Acosta ließ er im vergangenen November nach einem Wortgefecht sogar kurze Zeit die Akkreditierung entziehen. Selbst der konservative Sender Fox News, der Trump gegenüber generell freundlich gestimmt ist, unterstützte eine Klage von CNN gegen den Acostas-Ausschluss.

Als Acosta seine Akkreditierung wiedererhielt, wurden zugleich neue Regeln für Pressekonferenzen erlassen - die schlechtere Bedingungen für Journalisten insgesamt bedeuten: CNN zufolge dürfen Journalisten dem Präsidenten nur nach expliziter Erlaubnis mehr als eine Frage stellen. Verstöße könnten mit der Suspendierung oder dem Entzug der Akkreditierung geahndet werden. Davor waren Folgefragen üblich und wurden nicht geahndet.

kko/AFP/dpa



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