Nach Wahlpleite Trump sucht Sündenböcke für das Alabama-Debakel

Donald Trump hat den Senatskandidaten Roy Moore bis zuletzt unterstützt - bis der die Wahl in Alabama verlor. Der US-Präsident geht auf Distanz und erhebt auch Vorwürfe gegen seine eigene Partei.

Donald Trump
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Nun will es Donald Trump immer schon gewusst haben. "Der Grund, warum ich ursprünglich Luther Strange unterstützt habe", schrieb der US-Präsident bei Twitter, "war, dass ich gesagt habe, Roy Moore habe keine Chance zu gewinnen." Und dann: "Ich hatte recht."

Trump bezog sich mit dem Tweet auf die Senatsnachwahl in Alabama. Dort hatte in der Nacht zu Mittwoch der Kandidat der Demokraten, Doug Jones, mit knappem Vorsprung gewonnen - in einem US-Bundesstaat, in dem seit einem Vierteljahrhundert kein Demokrat mehr gewonnen hatte. Es war ein schwarzer Tag für Trump.

Im innerparteilichen Vorwahlkampf hatte er tatsächlich zuerst den Kandidaten Luther Strange unterstützt. Als dann aber klar war, dass Moore antreten wird, stellte der US-Präsident sein politisches Gewicht hinter den erzkonservativen Ex-Richter. Auch dann noch, als sich führende Parteivertreter nach Bekanntwerden der Belästigungsvorwürfe gegen Moore von dem Kandidaten distanziert hatten.

Video: Skandal-Republikaner verliert Wahl in Alabama

Nun hat Moore verloren. Und Trump sucht Sündenböcke. Dass er schon immer richtig lag mit seiner politischen Einschätzung, machte er in einem der ersten Tweets nach der Wahl deutlich. Kurz darauf sendete er einen weiteren: Demnach habe die Wahl in Alabama gezeigt, dass die Partei "großartige" Kandidaten aufstellen müsse, das Wort schrieb er in Großbuchstaben. Das heißt im Umkehrschluss: Moore, den er so eifrig unterstützt hatte, war seiner Ansicht nach kein großartiger Kandidat.

Die "Washington Post" zitiert einen hochrangigen Mitarbeiter der Regierung, nach dessen Angaben Trump sagte: "Ich habe Alabama gewonnen, und ich hätte Alabama wieder gewonnen." Dem Bericht zufolge sagte Trump zu seinen Beratern, er wolle nicht, dass die Wahl auf ihn zurückfalle. Bei der Präsidentschaftswahl hatte Trump seine Konkurrentin Hillary Clinton in dem Staat haushoch besiegt.

Kritik an der eigenen Partei

Trump teilte nun auch gegen die Republikaner selbst aus. Viele Mitglieder der Partei seien sehr glücklich über den Ausgang der Wahl, sagte er vor Reportern im Weißen Haus. "Als Parteiführer hätte ich den Sitz gern gehabt." Mit der Niederlage Moores schrumpft die Mehrheit der Republikaner im Washingtoner Senat auf 51 zu 49 Mandate. Damit wird es Trump deutlich schwieriger, umstrittene Gesetzesvorhaben durchzusetzen. Zugleich wachsen die Chancen der Demokraten, den Konservativen bei der Kongresswahl im November 2018 die Senatsmehrheit abzunehmen.

Moore hat sein Wahlergebnis bisher nicht akzeptiert. "Wenn das Ergebnis so knapp ist, ist die Wahl nicht vorbei", sagte er vor Anhängern in Montgomery. Bei weniger als 0,5 Prozentpunkten Abstand müsse es eine Neuauszählung geben. "Wir müssen auf ein Zeichen Gottes warten."

aar/dpa



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dasfred 14.12.2017
1. Passt nicht in Trumps Weltbild
Wenn Trump sich nicht ausschließlich mit ihm wohlgesonnenen reichen weissen Männern und Frauen umgeben würde, könnte er eventuell bemerken, dass in den USA auch andere Menschen wohnen, deren Lebensumstände eben nicht durch seine Politik von einer rosigen Zukunft gesegnet werden. Es gibt leider zu viele Wahlberechtigte, die sich eigene Gedanken machen. Und jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, wird Gott wohl nicht ausreichend zu sein, be einer eventuellen Neuauszählung die Stimmzettel umzuschreiben.
erwin9 14.12.2017
2. Die Quittung!
Diese Reaktion war zu erwarten, aber es ist einfach so furchtbar erbärmlich. Natürlich sind wieder alle anderen schuld, nur der größte.... (Gewünschtes bitte einsetzen) hat es schon immer gewusst. Ja zum Donnerwetter, Mr Präsident, dann hätten Sie anders handeln müssen, oder den Mann zum Rücktritt nötigen , oder von Anfang an ihren sauberen Kumpel Bannon ausbremsen müssen. Es hilft nichts, Sie allein haben es grandios verbockt und nun gibts die Quittung. Zu Recht!
redneck 14.12.2017
3. Roy Moore
hatte den Kampf gegen seine Schatten schon lange verloren. Es wurde nun selbst den devoten Alabamians zuviel. Im konservativen Milieu von Alabama als Demokrat zu gewinnen...Es kann auch ein Zeichen sein das in den Wechselwählerbezirken ein gigantischer Erdrutschsieg der Demokraten und somit ein Ende der gigantischen Umverteilung ansteht.
Actionscript 14.12.2017
4. Es war auch Bannon,
der Moore so stark unterstützt hat. Doch so wie es aussieht, scheint Trump Bannon in diesem Zusammenhang zu ignorieren oder bewusst nicht die Schuld zu geben. Weiterhin haben die Republikaner in Alabama Moore mit Mehrheit zum Kandidaten gewählt. Trump hätte sich am Ende aus dem Wahlkampf raushalten sollen. Doch er vertraute darauf, dass alle Republikaner wie in seinem Fall bei seiner eigenen Wahl keine Moral haben und einstimmig Moore unterstützen. Doch Trump hat die #metoo Bewegung unterschätzt. Jetzt sucht er nach Schuldigen, schliesst sich aber wie immer aus. Auch sieht er die Konsequenzen nicht, wenn Moore tatsächlich gewählt worden wäre. Das wäre das absolute Ender der republikanischen Partei gewesen. Schon jetzt steht die Partei in moralisch sehr schlechtem Licht.
sanko1212 14.12.2017
5. Selbst ist der Mann!
Die Suche Trumps dürfte nicht lange dauern - er selbst ist die Ursache für die Schlappe eines Herren, der wohl eher ins Gefängnis denn in den Senat gehört. Und das Ergebnis zeigt auch, selbst in den konservativsten Bundesstaaten können die Demokraten gewinnen, denn trotz Dauerberieselung der Gehirne mit abstrusen pseudoreligiösen Thesen gibt es immer noch genügend Menschen mit einem gesunden Menschenverstand. Auch zum Wohle der gesamten Menschheit ist es zu wünschen, dass diese Gruppe die Oberhand gewinnt.
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