Trump und Kim in Singapur Was Sie über den historischen Gipfel wissen müssen

Singapur wird am Dienstag Schauplatz eines einmaligen Polit-Ereignisses: US-Präsident Trump trifft auf Diktator Kim. Wo werden sie miteinander sprechen? Wie wird das Areal gesichert? Die Fakten.

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Seit Tagen wird zwischen den USA und Nordkorea verhandelt. Doch was am Ende wirklich bei dem ersten Treffen zwischen einem amtierenden US-Präsidenten und dem nordkoreanischen Diktator herauskommen wird, ist völlig offen. Willigt Kim Jong Un ein, sein Atommachtstreben komplett aufzugeben, ist Donald Trump ein außenpolitischer Coup gelungen. Es könnte aber auch bei Bildern eines symbolischen Händedrucks bleiben.

Bei den Vorbereitungen, die kurz vor dem Treffen am Dienstag auf Hochtouren laufen, geht es auch um kleinere Details: Wer betritt zuerst den Verhandlungsraum, wer sitzt wo und was wird zur Stärkung serviert? Nichts soll dem Zufall überlassen werden - und ein Eklat soll in jedem Fall vermieden werden.

"Ruhe und Frieden" - so lautet übersetzt der Name der Insel, auf dem das Luxushotel steht, in dem Trump mit Nordkoreas Machthaber verhandeln wird. Harmonisch oder gar friedlich waren die vergangenen Wochen allerdings nicht. Eher chaotisch: Auf die Zusage Trumps folgte eine Absage, dann doch wieder die Zusage. Wie wird das historische Treffen ablaufen, und wie bereitet sich der Gastgeber Singapur darauf vor? Der Überblick.


Wo wird der Gipfel stattfinden?

Kim und Trump werden sich auf der Insel Sentosa treffen, auf der es nicht nur Golfplätze, sondern auch einen Vergnügungspark gibt. Ort des Gipfels ist das Luxushotel Capella", das vom britischen Stararchitekten Norman Foster gebaut wurde, der auch die Kuppel des Berliner Reichstags entworfen hat.

Übernachten werden die US-amerikanischen und nordkoreanischen Delegationen aber nicht im Capella, sondern auf dem Festland. Trump geht ins Shangri-La, wo US-Präsidenten traditionell absteigen. Kim wird vermutlich im St. Regis untergebracht. Zuvor war berichtet worden, dass sich Kim das Nobelhotel Fullerton ausgesucht habe. Dort kostet die größte Suite etwa 6000 Dollar pro Nacht.

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Insel Sentosa: Traumstrände, Tropen-Feeling - und Trump

Die Kosten des Gipfels - und damit auch die Ausgaben Nordkoreas - übernimmt zumindest teilweise die Regierung Singapurs. Nordkoreanische Delegationen bestehen nicht selten darauf, sich die Unterkunft im Ausland bezahlen zu lassen. Bei den Olympischen Spielen im Februar in Südkorea zum Beispiel übernahmen ebenfalls die Gastgeber die Rechnung für den Besuch aus dem devisenarmen Nordkorea.


Wie lange werden Kim und Trump sprechen?

Der Gipfel beginnt um 9 Uhr Ortszeit, also 3 Uhr morgens deutscher Zeit. Wie lange gesprochen wird, ist nicht klar. Bislang wurde kein Plan zum Tagesablauf veröffentlicht. Die Verhandlungen könnten nur wenige Minuten dauern - oder zwei Tage lang. "Das Wichtigste wird der 12. Juni sein. Aber es ist ein Prozess", sagte Trump selbst. "Wir werden am 12. noch nichts unterzeichnen, das ist uns klar." Trump ließ alle Optionen offen: "Wir können schnell sein. Wir können langsam sein. Und ich denke, es ist ein Prozess. Ich habe nie behauptet, dass wir alles bei einem Treffen schaffen."

Trump und Kim werden sich bei ihrem Treffen wohl per Übersetzer verständigen. Mit dem südkoreanischen Staatschef Moon Jae In hatte sich Kim noch direkt unterhalten können - sie sprechen im Grunde dieselbe Sprache, auch wenn sich sprachliche Eigenheiten auf beiden Seiten über die vergangenen Jahrzehnte ergeben haben. So wurde das Südkoreanische durch englischsprachige Popkultur beeinflusst.

Im Video: Der Weg zum Gipfeltreffen

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Wie hat sich Singapur auf den Gipfel vorbereitet?

Die Sicherheit der beiden Staatsgäste hat bei dem Gipfeltreffen höchste Priorität. Die Regierung in Singapur ist verantwortlich für die Überwachung von Straßen, Zufahrten und anderen öffentlichen Plätzen: Helikopter und Flugzeuge sollen den Luftraum sichern, Hunderte Polizisten werden auf den Straßen patrouillieren. Die Kosten dafür übernimmt das Land selbst. Man sei bereit dazu, um für das Treffen einen kleinen Teil beizutragen, sagte Singapurs Verteidigungsminister.

Rund um das Hotel Capella, in dem Trump und Kim verhandeln werden, haben die Behörden Sicherheitszonen eingerichtet. Die Polizei darf in diesem Bereich alle Menschen durchsuchen. Auch Drohnen sind dort verboten.

Trump und Kim werden zudem von eigenem Sicherheitspersonal begleitet. Für den Schutz des US-Präsidenten sorgt bei seinen Auslandtrips immer eine ganze Entourage aus Mitarbeitern des Secret Service. Auch auf Auslandsreisen fährt Trump meist in der gepanzerten Präsidentenlimousine "The Beast" zu den Treffen. Ob diese auch nach Singapur transportiert wird, ist noch unsicher.

Nordkoreas Machthaber hat nur wenig Erfahrungen mit Auslandsreisen: Singapur wird die weiteste Reise seiner Amtszeit sein. Es ist daher auch nur wenig bekannt darüber, welche Vorkehrungen das Regime zum Schutz des Diktators trifft. Doch sein Treffen mit Südkoreas Präsident im Grenzort Panmunjom lässt erahnen, wie sehr Pjöngjang auf Sicherheit bedacht ist: Auf dem Weg zu dem Treffen mit Moon schützten zwölf Bodyguards im Laufschritt das Fahrzeug Kims.

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Wer sind die wichtigsten Diplomaten des Gipfels?

Normalerweise würde ein derart bedeutender Gipfel über einen langen Zeitraum vorbereitet - vielleicht sogar über Jahre. In diesem Fall fielen die Vorverhandlungen allerdings extrem kurz aus. Nur wenige Monate blieben den Top-Diplomaten aus USA und Nordkorea, aber auch aus Südkorea, um die Vorbedingungen des Treffens miteinander zu besprechen - unterbrochen noch durch die zwischenzeitliche Absage des Gipfels.

Welche Rolle hat Südkorea?

Auch wenn sich Trump einen etwaigen Erfolg des Treffens selbst zuschreiben wird, ist es dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In zu verdanken, dass es überhaupt zustande kam. Moon hatte seit seiner Amtsübernahme vor mehr als einem Jahr um eine Annäherung mit Nordkorea gerungen - die Kim schließlich in seiner Neujahrsansprache akzeptierte und damit den Prozess in Gang setzte. Von Anfang an war spekuliert worden, dass Kim versuche, Südkorea von seinem wichtigsten Verbündeten, den USA, wegzutreiben. Moon bemühte sich jedoch weiterhin darum, auch die Regierung in Washington an dem Prozess teilhaben zu lassen.

Selbst nachdem Trump ihn brüskierte, indem er den Gipfel mit Kim absagte, ohne Moon vorher in Kenntnis zu setzen, ließ der Südkoreaner nicht locker. Er traf sich eilig mit Kim, kurz darauf war das Treffen wieder angesetzt. Dabei soll es auch um einen Friedensvertrag zwischen Süd- und Nordkorea gehen, den es 65 Jahre nach dem Krieg immer noch nicht gibt. Sollten Trump und Kim dabei eine Einigung aushandeln, wird Moon voraussichtlich kurzfristig nach Singapur reisen.

insgesamt 3 Beiträge
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freddygrant 11.06.2018
1. Für mein ...
... politisches Verständnis treffen sich in Signapur zwei Neurotiker, die sich innerhalb von ein paar Wochen von Atomstrategen und -Gegnern zu Friedenstauben wandeln (wollen). Im Rückblick auf das Ergebnis was Trump bei der G7-Veranstaltung in Kanada hinterlassen hat fehlt mir jeder Optimismus auf ein konstruktives Gespräch bzw. Ergebnis dieser beiden Figuren. Die Themen der Weltpolitik können scheinbar künftig im Spielcasino bzw. dort beim Roulett besser abgearbeitet werden.
cup01 11.06.2018
2. Trump hat schon verloen
Er trifft sich mit höchsten Vertreter eines 'Schurkenstaates' und stellt sich so mit ihm auf eine sehr niedrige Stufe. Trump wird grossen Schaden nehmen, wenn er keinen Durchbruch schafft. Kim kann ihn vorführen. Er hat nichts zu verlieren. In Sachen Image hat er schon gewonnen.
ACrispyHobo 12.06.2018
3. Fettnäpfchen en masse vorprogrammiert
Wenn man darauf bedacht ist, keinen Eklat auszulösen...warum nimmt dann Trump an der Show teil? Der wird doch schon im ersten Fettnäpfchen Baden gehen, in dem Moment, sobald beide den Raum betreten haben. Naja, der gute Kimi scheint ja überraschend dickhäutig zu sein. Schon ein Wunder, dass der Zirkus doch noch stattfindet, nach den ständigen kleinen Provokationen der letzten Wochen aus Washington.
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