Trump bei Duterte Hat jemand Menschenrechte gesagt?

Das Verhältnis zwischen den USA und den Philippinen ist seit der Machtübernahme von Präsident Duterte angespannt. Donald Trump will das Bündnis nun wieder stärken - und setzt auf gefährliche Schmeicheleien.

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Mit beiden Händen hielt Rodrigo Duterte das Mikrofon vor ihm fest, mit tiefer Stimme sang er die Ballade "Ikaw" ("Du"). Es ist das Lieblingslied des philippinischen Staatschefs. "Du bist die Liebe, auf die ich gewartet habe", heißt es darin. "Du bist das Licht in meinem Herzen. Die Hälfte meines Herzens." Donald Trump lächelte zufrieden.

Dutertes eigenwillige Gesangseinlage für den US-Präsidenten bei einer großen Gala war bislang wohl die größte Überraschung des Südostasien-Gipfels in Manila. Trump, Oberkommandeur der amerikanischen Streitkräfte, habe ihm befohlen, mit dem Lied aufzutreten, erklärte Duterte anschließend.

Der Duterte-Auftritt im Video:

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Doch das Bild der philippinischen Unterwürfigkeit trügt. Seit fast 70 Jahren ist das Land zwar einer der wichtigsten Partner der USA in Südostasien und Bollwerk gegen China - doch gerade Duterte stellt das Bündnis mit der ehemaligen Kolonialmacht immer wieder öffentlich infrage. Er sei nicht der Lakai von irgendjemandem, sagte er philippinischen Reportern vor dem Treffen mit Trump.

Im Oktober vergangenen Jahres erklärte er bei einem China-Besuch: "In Sachen Militär und Wirtschaft (...) haben die USA verloren." Kurz darauf einigte er sich mit der Volksrepublik auf Handelsverträge mit einem Gesamtvolumen von 13,5 Milliarden Dollar. Duterte hoffte damals auf ein neues Machtbündnis: eine Dreierachse aus China, Russland und den Philippinen. Die USA wären damit außen vor.

Dabei sind die Philippinen für die Amerikaner in der Region enorm wichtig: Die Duterte-Regierung soll den Amerikanern vor allem im Streit um die Südchinesischen Inseln gegen China beistehen (mehr dazu lesen Sie hier).

Deshalb gibt sich Trump nun auch alle Mühe und umschmeichelt Duterte. Der hatte seinen Vorgänger Barack Obama noch öffentlich einen "Hurensohn" genannt. Man habe eine "großartige Beziehung", sagte Trump am Rande des Gipfels und gratulierte Duterte zu der gelungenen Organisation.

"Schon mit 16 habe ich jemanden getötet"

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Bei einem anderen Thema hielt sich Trump hingegen bedeckt: den Menschenrechtsverletzungen auf den Philippinen, die auf die Politik Dutertes zurückgehen. Dieser hatte die Wahl 2016 vor allem mit dem Versprechen gewonnen, die Kriminellen in seinem Land "auszurotten" - als sein Vorbild nannte er damals Adolf Hitler. Tausende vermeintliche Drogenkriminelle sind seitdem bei Polizeieinsätzen oder durch Todesschwadronen ermordet worden. In ihrem ersten Telefonat hatte Trump den philippinischen Machthaber laut Mitschrift für das Vorgehen gelobt.

Und auch bei dem ersten persönlichen bilateralen Gespräch der beiden am Montag soll es kaum ein kritisches Wort vom westlichen Staatschef dazu gegeben haben - wenn überhaupt. Nach Darstellung des Weißen Hauses sei es "kurz" um Menschenrechte gegangen. Die philippinische Seite aber widerspricht. Duterte habe über die "Drogenplage" in seinem Land berichtet, teilte der philippinische Sprecher Harry Roque mit. Trump habe dazu mehrfach zustimmend genickt. Gemeinsames Thema sei vielmehr die Bedrohung durch Terror gewesen.

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Trump bei Duterte: Große Bühne für die Politik

Wenn es dem US-Präsidenten gelingt, dass sich Duterte wieder öffentlich zu dem Bündnis mit den Vereinigten Staaten bekennt, könnte er das als außenpolitischen Erfolg verbuchen. Dabei dürften ihm auch die Gemeinsamkeiten der Staatschefs nutzen: Beide sind scharfe Populisten, die sich als "Macher" inszenieren und die internationale Gemeinschaft als elitär empfinden.

Im Wahlkampf wurde Duterte gar als "Trump Asiens" über die Landesgrenzen hinaus bekannt - das ist allerdings eine Untertreibung. Erst vor wenigen Tagen brüstete Duterte sich damit, im Alter von 16 Jahren zum ersten Mal einen Menschen umgebracht zu haben. Dagegen ist sogar Trump harmlos.

Die Umschmeichlungstaktik des US-Amerikaners ist deshalb ein gefährliches Signal an andere zunehmend autoritär geführte Staaten in Südostasien. Schon jetzt nehmen sich die Regierungen in verschiedenen Asean-Staaten mehr heraus als noch zu Zeiten der Obama-Regierung. In Vietnam, Thailand und Kambodscha gehen die Regierungen deutlich härter gegen die Opposition vor; der Regierung in Burma wird eine "ethnische Säuberung" an der muslimischen Minderheit der Rohingya vorgeworfen. Trump sagte zu alldem nichts.

Philippinischer Präsident Duterte

Mit Material von dpa

insgesamt 85 Beiträge
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Palmstroem 13.11.2017
1. Vorbild Sigmar Gabriel
Offenbar hat sich Donald Trump den deutschen Außenminister zum Vorbild genommen. Der sagte über Ägyptens Militärdiktator ai-Sisi, dieser sei ein bewundernswerter Präsident - trotz Unterdrückung jeder Opposition, trotz Folter und Todesstrafe. Rodrigo Duterte ist dagegen ein demokratisch gewählter Präsident, der auch aktuell rund 80% Zustimmung hat. Seinen Antidrogenkampf
Cluedo 13.11.2017
2. Sie bewundern einen tausendfachen Mörder .....
..... der zugegeben hat, als "Bürgermeister" von Davao selbst bereits drei Menschen mit einer Pistole umgebracht zu haben. - Einfach so, weil sie ihn als "Drogenabhängige" störten. Seine Todesschwadronen foltern und morden. So etwas "Verbrechensbekämpfung" zu nennen, dazu muss man schon sehr tief sinken.
makeup 13.11.2017
3. Wer mit seinen Morden prahlt ist ein Teufel
Das hat mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun. @1 OliverHabakuk - Wie krank muss man sein, um so einen Menschen zu verherrlichen. Duterte wird in der Hölle schmoren. Das ist schlicht und einfach ein Mörder und mit so einem Menschne kooperiert Trump - armselig.
enfield 13.11.2017
4. welche Verbrechen?
Klar - wenn man selbst Verbrecher ist sind alle anderen die Opfer...aber welche Verbrechen bekämpft man mit welchen Verbrechern, wenn man kein Opfer ist und wer schütz denn welche Opfer? Ich denke Sie merken einfach garnichts mehr oder sind einfach ein Troll...oder beides.
Nonvaio01 13.11.2017
5. oder einfach viel erlebt haben
Zitat von Cluedo..... der zugegeben hat, als "Bürgermeister" von Davao selbst bereits drei Menschen mit einer Pistole umgebracht zu haben. - Einfach so, weil sie ihn als "Drogenabhängige" störten. Seine Todesschwadronen foltern und morden. So etwas "Verbrechensbekämpfung" zu nennen, dazu muss man schon sehr tief sinken.
Wie oft waren Sie schon in Manilla oder anders wo in den Philipienen? Ich war schon dort, und kann ihn verstehen, und die Menschen dort begruessen es.
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