Trump über seinen Ex-Chefstrategen Bannon "Er hat seinen Verstand verloren"

Der Konter des US-Präsidenten kam schnell und heftig: Steve Bannon sei ein egoistischer Wichtigtuer - und verrückt. Sein Ex-Chefberater hatte die Russenkontakte von Donald Trumps Sohn als Verrat bezeichnet.

Trump und Bannon vor einem Jahr
AFP

Trump und Bannon vor einem Jahr


Bis heute hatten sie ihren Bruch weitgehend diplomatisch bemäntelt, kein böses Wort, kein Nachtreten. Aber damit ist es jetzt vorbei. US-Präsident Donald Trump hat mit äußerster Schärfe auf die jüngste Kritik seines ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon reagiert. "Steve Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun. Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand", ätzte Trump am Mittwoch.

"Steve repräsentiert nicht meine Basis", schimpfte Trump weiter: "Es geht ihm nur um sich selbst." Während seiner Zeit im Weißen Haus habe er falsche Informationen an die Medien gegeben, um sich selbst viel wichtiger zu machen als er gewesen sei. "Das ist das einzige, was er gut macht."

Mit dieser wütenden Erklärung reagierte Trump auf vorab veröffentlichte brisante Ausschnitte aus einem Buch des Journalisten Michael Wolff mit dem Titel "Fire and Fury: Inside the Trump White House", das kommende Woche erscheinen soll.

Darin wirft Bannon Trumps Sohn, Donald Trump junior, "Verrat" vor, weil er sich im Juni während des Präsidentschaftswahlkampfs mit der russischen Anwältin Natalija Wesselnizkaja getroffen hatte. Dabei sollen dem Trump-Team Informationen über Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton in Aussicht gestellt worden sein. Und Trump junior ging mit diesem Satz in die US-Geschichte ein: "Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich es."

Die Begegnung im New Yorker Trump Tower, an der auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der damalige Wahlkampfleiter Paul Manafort teilnahmen, war aus Sicht Bannons "unpatriotisch":

"Die drei ranghohen Herren hielten es für eine gute Idee, in einem Konferenzraum im 25. Stock des Trump Towers eine Vertreterin einer ausländischen Regierung zu treffen - ohne Anwälte. (...) Jemand hätte sofort das FBI rufen sollen."

Sowohl das "New York Magazine" als auch die britische Zeitung "The Guardian" veröffentlichten Ausschnitte aus dem Buch.

Trump steht wegen mutmaßlich illegaler Russlandkontakte seines Wahlkampfteams enorm unter Druck. Mit der Affäre befasst sich unter anderem der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller, der sich zusehends auf Trumps engsten Kreis zu konzentrieren scheint. Die Ermittlungen führten bereits zu einer Anklage gegen Trumps zeitweiligen Wahlkampfleiter Manafort. Ihm wird Geldwäsche im Zusammenhang mit seiner Lobbyistentätigkeit für prorussische Kräfte in der Ukraine vorgeworfen.

Trump reagiert zunehmend mit Gegenangriffen auf den Justizapparat im Allgemeinen und ganz speziell auf das FBI. Flankenschutz bekommt er dabei von Trump-nahen Medien wie Fox News sowie von immer mehr republikanischen Kongressmitgliedern. In einer konzertierten Kampagne versuchen sie, Mueller und das FBI zu diskreditieren - oder ein Argument zu konstruieren, um Mueller zu feuern (mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier).

Bannons kurzer Auftritt als Chefstratege

Bannon galt als Rechts-Außen-Architekt der nationalistisch ausgerichteten Kampagne Trumps und als treibende Kraft hinter umstrittenen Entscheidungen wie dem Einreisestopp für Bürger aus mehreren muslimischen Ländern. Wenige Monate vor der Präsidentenwahl im November 2016 wurde Bannon Trumps Wahlkampfleiter und anschließend Chefstratege im Weißen Haus. Im August kam der Rückzug, nachdem interne Spannungen und Machtkämpfe zunahmen (eine ausführliche Analyse des spektakulären Rauswurfs lesen Sie hier).

Die Abschiedsworte von Trumps Sprecherin Sarah Sanders nach dem Abgang Bannons: "Wir sind dankbar für seine Dienste und wünschen ihm das Beste." Bannon kehrte zurück, woher er gekommen war - an die Spitze der rechten Propaganda-Plattform "Breitbart News". Trump traf sich danach weiter privat mit ihm.

Damit dürfte es nun vorbei sein.

oka/dpa/Reuters

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Atheist_Crusader 04.01.2018
1.
"Verstand verloren"? "Es geht ihm nur um sich selbst."? Und das von der Person die behauptet das Wort "Fake" und die Redewendung "Priming the pump" erfunden zu haben, der sich gerade das achte Jahr ohne nennenswerte Flugzeugkatastrophen als Eigenverdienst anrechnen will, der in seiner Steuerreform eine extra Passage für Golfplatzbesitzer eingebaut hat, der die diplomatische Krise in Korea die bei einer Eskalation Millionen an Menschenleben kosten könnte als Anlass für pubertäre nukleare Schw***vergleiche benutzt... Nö, ist klar, little Donnie. Bannon ist ist ein politischer Brandstifter mit verabscheuungswürdigen Weltbildern und Wertvorstellungen... aber verglichen mit Trump ist er ein Waisenknabe.
Tacitus73 04.01.2018
2. An die SPON-Autoren
Sicher durchaus wichtig, das mit Trump, Bannon und den Russland-Kontakten. Die Frage nach der Auswahl der Themen drängt sich aber doch auf: Gehen die aktuellen inländischen Themen, die die Leute bewegen, komplett an Ihnen vorbei? Oder wollen Sie darüber nicht berichten? Es ist eine Studie zur Kriminalität veröffentlicht worden, über die zumindest privat, in Foren anderer Internet-Zeitungen und in den sozialen Netzwerken heiß diskutiert wird - SPON erwähnt sie nicht mal. Oder sollte der Bericht darüber existieren, dann ist er so versteckt, dass man ihn suchen müsste. Auch über den Fall von Kandel wird nach wie vor heiß diskutiert. Sowohl Rechte als auch Linke scheinen das öffentliche Gedenken für ihre Zwecke instrumentalisiert zu haben. Ein Bericht darüber auf SPON? Fehlanzeige.
bernard_bs 04.01.2018
3. Selbstbeschreibung?
"Es geht ihm nur um sich selbst." Während seiner Zeit im Weißen Haus habe er falsche Informationen an die Medien gegeben, um sich selbst viel wichtiger zu machen als er gewesen sei. "Das ist das einzige, was er gut macht." Es bewahrheitet sich mal wieder: Die eigenen Mängel erkennt man erst bei einem Anderen. Kein Satiriker kann den Mann besser als er sich selbst - köstlich!
ulrich-lr. 04.01.2018
4. Gemerkt
Trump hat endlich gemerkt, was offensichtlich war: Bannon hat einen an der Waffel. Wollen wir wetten, dass das Trump ziemlich übel ausgelegt wir? Denn Bannon ist ja längst nicht der einzige Verrückt in den USA. Bannon ist immerhin in die Anti-Russland-Hysterie des Mainstreams verfallen, gemäß der man z. B. keinen russischen Kaviar mehr essen darf, ohne vorher das FBI verständigt zu haben. Damit ist er also genauso verrückt wie die NYT oder CNN. Ja, Donald. Mit gesundem Menschenverstand kommste in der Russia-Collusion nicht weiter. Denn die hat nichts mit dem gesunden Menschenverstand zu tun.
g.eliot 04.01.2018
5. Bannon - auch nur ein Coffee Boy?
Bannon ist zwar ein unsympathischer Zeitgenosse, aber intellektuell ist er Trump haushoch überlegen. Und er ist bisher nicht als pathologischer Lügner aufgefallen. Er erkennt die Zeichen der Zeit und will nicht mehr im sinkenden Schiff sitzen bzw. damit identifiziert werden. Tja, Bannon spricht exakt das aus, was etliche Kritiker von Trump bisher erkannt haben. Was schon der gesunde Menschenverstand und etwas Kenntnis über die juristische Lage haben herauskristallisieren lassen. Bannon, als ex Goldman Sachs Banker, ist außerdem nicht blauäugig über die Geldwäsche-Vorwürfe. Er hat Beziehungen, besitzt Insider-Wissen, Banker schwätzen nämlich gerne unter Buddys. Dass die Deutsche Bank schon vor Jahren in Russland wegen Geldwäsche in den Schlagzeilen stand und ausgerechnet sie die Hausbank von Trump ist (der nach seinen unseriösen Pleiten von amerikanischen Banken keinen Cent mehr geliehen bekam), passt doch gut. Anyway, nach all den Lügen, Vertuschungsversuchen und Täuschungen konnten nur noch die Hardcore-Fans Trump seine Unschuldsbeteuerungen abnehmen. Er kann nun mal so unschuldig schauen und überzeugend lügen, gell. Na ja, jetzt werden die restlichen Fans wohl einen Krieg gegen Bannon und Breitbart führen. Das bedeutet eine weitere Spaltung. Aber not to worry: Als Propaganda-Quellen bleiben ihnen ja noch evtl. Fox, auf jeden Fall Infowars und Reddit. btw. Ist schon irgendwie skurril, wenn ausgerechnet der von zig Psychiatern und Psychologen mit allen möglichen psychischen Störungen ferndiagnostizierte Trump von seinem bisherigen Freund behauptet: He has lost his mind.
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