Treffen von Trump und Merkel Muss halt

Erstmals treffen sich Donald Trump und Angela Merkel. Die Gespräche im Weißen Haus verlaufen ohne größere Unfälle. Aber hier und da wird klar, wie schwierig das werden könnte mit den beiden.

DPA

Von und , Washington


Erste kleine Verständnisschwierigkeiten gibt es schon nach ein paar Minuten. Angela Merkel sitzt neben Donald Trump im Oval Office des Weißen Hauses. Die Kameras klicken, die Fotografen würden gerne noch mal einen Handschlag der beiden sehen. Merkel beugt sich in Richtung Trump. "Wollen Sie einen Handschlag?", fragt die Kanzlerin den US-Präsidenten. Keine Reaktion.

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Erstes Zusammentreffen: Trump empfängt Merkel

Merkel macht ein Gesicht, als wenn sie sagen wollte: Na, dann nicht.

Ob Absicht oder nicht - die Szene passt ganz gut zum ersten Treffen der beiden im Weißen Haus in Washington, denn so geschäftsmäßig der Termin auch wirkt, eingespielt wirken Merkel und Trump nicht. Was vielleicht auch ein wenig viel verlangt ist, denn immerhin handelt es sich da ja um zwei Politiker, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Er, der Brummkreisel. Sie, die kühle Analytikerin. Er, der ihre Politik gern als "Desaster" bezeichnet. Sie, die nicht viel anfangen kann mit der Glitzerwelt, aus der er stammt. Und irgendwie sollen sie jetzt die Zukunft der transatlantischen Partnerschaft gestalten. Obwohl bei ihm nicht wirklich klar ist, ob er daran überhaupt Interesse hat, und bei ihr nicht klar ist, wie lange sie als Kanzlerin eigentlich noch da ist. Schwierige Zeiten.

Wie verlief das Treffen atmosphärisch?

Es ist kein Husch-Husch-Termin. Die beiden sprechen unter vier Augen, sie haben ein Treffen mit Wirtschaftsgrößen organisiert, es gibt eine Pressekonferenz und ein gemeinsames Mittagessen. Beiden merkt man an, dass sie gewillt sind, sich einmal kennenzulernen. Es geht ums Abtasten. "Es ist immer besser miteinander als übereinander zu sprechen", sagt die Kanzlerin, eine kleine Anspielung auf seine Tiraden gegen sie im Wahlkampf, die Trump vorsichtshalber übergeht.

Wirklich herzlich geht es nicht zu, aber das tut es selten bei der Kanzlerin. Merkel ist vorsichtig. Als sie nach Trumps Stil gefragt wird, scheut sie sich, ihn direkt zu kommentieren, sagt nur, dass Politiker "eben unterschiedlich" seien. Ihr geht es in erster Linie darum, zu Trump eine solide Arbeitsbeziehung aufzubauen. Das zumindest scheint gelungen. Trump sagt zu, zum G-20-Gipfel nach Hamburg zu kommen. Und bei einer Reihe von Themen vereinbaren die beiden eine enge Abstimmung - etwa beim Kampf gegen den Terror oder bei der Suche nach einer Lösung für die weiter schwelende Ukrainekrise.

Video: "Die ganz große Freundschaft wird man wohl nicht erleben"

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Und Trump? Will ihr zeigen, dass er an einer Zusammenarbeit ein Interesse hat, aber nicht unter allen Umständen. Hier und da setzt er sich bewusst von Merkel ab. "Es muss fair zugehen", sagt er in Anspielung an die Handelspolitik und macht damit klar, dass er die USA auf diesem Feld schwer benachteiligt sieht. Und die Einwanderung, die Merkels Politik so sehr prägt, sei seiner Meinung nach "ein Privileg und kein Recht". Mitunter wirkt der Präsident ein wenig gereizt, etwa als er nach seiner "Amerika-zuerst"-Strategie gefragt wird. "Ich bin kein Isolationist", sagt er. Wer das behaupte, verbreite "Fake News". Wenig später versucht der US-Präsident sich an einem Scherz. Auf die Frage, warum er weiterhin behaupte, Obama habe ihn abhören lassen, sagt er in Richtung Merkel, deren Handy einst von der NSA ausgespäht wurde: "Na, wenigstens haben wir da vielleicht etwas gemeinsam." Die Kanzlerin wirkt leicht befremdet.

Wie steht es um die Wirtschaftsbeziehungen?

Die deutschen Wirtschaftsbosse können nach diesem Treffen ein Stück weit aufatmen. Zwar hält Trump wohl weiter an seinem Plan fest, mögliche Schutzzölle auch auf deutsche Waren einzuführen, doch es wird immer deutlicher, dass dieses Vorhaben keine Top-Priorität hat. Trump ist mit Megathemen wie seiner neuen Gesundheitsreform, dem Haushaltsplan und Nordkorea so beschäftigt, dass er ganz offenkundig nicht auch noch mit wichtigen Verbündeten wie Deutschland Streit über Zölle anfangen will.

Merkel hat ihn relativ geschickt um den Finger gewickelt: Ihre Idee, bei dem Treffen auch über das eher dröge Thema Lehre und Ausbildung in der Wirtschaft zu sprechen, erweist sich als richtig. Trump greift Merkels Vorschlag dankend auf. Mit "Lehrlingen" kenne er sich aus, scherzt er - in Anspielung auf seine frühere TV-Sendung "The Apprentice - Der Lehrling" Einmal mehr bietet sich Trump so die Gelegenheit, sich dem heimischen Publikum in den USA als fürsorgender Präsident zu präsentieren, der sich um Jobs und die Industrie kümmert. Das deutsche duale Ausbildungssystem lobt er in den höchsten Tönen. Amerika könne davon lernen. Die mitgereisten deutschen Wirtschaftschefs wiederum nutzen das Treffen, um Trump vorzurechnen, wie viele Arbeitsplätze sie in den USA schaffen. Trump ist begeistert: "Siemens, das ist eine super Firma", schwärmt er.

Wie geht es in der Außen- und Sicherheitspolitik weiter?

Trump lobt Deutschland länglich als wichtigen Partner im Kampf gegen den Terror und erinnert daran, dass bereits 50 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ums Leben gekommen seien. Zugleich wiederholt er bei seinem Treffen mit Merkel aber auch seine alte Forderung aus dem Wahlkampf, Länder wie Deutschland müssten mehr zu den Verteidigungsausgaben der Nato beitragen.

Video: Kein zweites Händeschütteln für die Fotografen

Er blickt dabei streng, Merkel kann den Vorstoß jedoch relativ leicht auskontern, sie verweist schlicht darauf, dass sich Deutschland bereits dazu verpflichtet habe, bis 2024 die Militärausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Allein 2016 habe man die Militärausgaben um acht Prozent angehoben. Trump scheint sich damit zufrieden zu geben. Wichtig für Merkel ist indes, dass sich Trump ihr gegenüber klar zur Nato-Allianz bekennt. Das hatte im Wahlkampf bei ihm bisweilen etwas anders geklungen.

Nach dem Treffen ist vor dem Treffen: Trump und Merkel werden sich im Mai schon wieder sehen - auf dem G7-Gipfel auf Sizilien. Muss halt.



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