Merkel bei Trump Nette Worte

Angela Merkel und Emmanuel Macron kehren beide mit leeren Händen heim aus Washington. Die Europäer sollten sich darauf konzentrieren, den Virus des Populismus einzudämmen - und zusammenstehen.

Angela Merkel, Donald Trump
MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Angela Merkel, Donald Trump

Ein Kommentar von , Washington


Es ist dann doch nicht so schlimm gekommen, wie selbst Angela Merkel in dunklen Stunden befürchtet hatte: Kein Eklat, kein harsches Wortgefecht, nicht mal einmal ein verrutschter Scherz wie beim letzten Mal; in der Pressekonferenz gratulierte der amerikanische Präsident der Kanzlerin sogar zu deren Wiederwahl.

Aber das war's auch schon.

Außer ein paar netten Worten kann Merkel nichts mit nach Hause nehmen. Donald Trump, das ist die traurige Botschaft ihrer Reise nach Washington, ist sich erstaunlich treu. Er twittert nicht nur, als sei er immer noch mitten im Wahlkampf, er biegt sich immer noch die Fakten so zurecht, dass sie in sein Weltbild passen - er kennt auch keine Verbündeten und Partner, sondern nur Deals und den Willen, sich und den USA den größtmöglichen Vorteil zu verschaffen.

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Visite in Washington: Merkel und Trump - das Treffen

Die Hoffnung jedenfalls, dass Trump auf Zölle gegen Europa verzichtet und am Atomabkommen mit dem Iran festhält, ist allenfalls vage. Trump lässt alle im Unklaren, er genießt die Macht, die ihm das Ungefähre verleiht. "We'll see what happens" ist einer seiner liebsten Sätze.

Wie umgehen mit einem solchen Mann? In dieser Woche gab es zwei Methoden zu beobachten, Emmanuel Macrons stürmische, wenn auch etwas gespielte Herzlichkeit; und Angela Merkels uckermärkische Kühle. Soweit man die Dinge überblicken kann, hat beides nicht zum Erfolg geführt. Macron wurde zwar mit großem Pomp empfangen, aber wie Merkel, die mit einem zwanzigminütigen Gespräch und einem schnellen Mittagessen abgefertigt wurde, konnte er keine greifbaren Ergebnisse aus Washington mitnehmen.

Trump, das ist die Erkenntnis dieser Woche, hört zwar gerne Schmeicheleien, aber er lässt sich von ihnen nicht von seiner Politik abbringen.

Deshalb bleibt nur die Hoffnung, dass Trump da zu packen ist, wo normalerweise jeder Politiker zu packen ist: bei seinen Interessen und Wählern. Ein Handelskrieg würde auch Jobs in Amerika vernichten, und wem ist gedient, wenn im Nahen Osten ein neuer Konflikt angeheizt wird?

Es ist deshalb richtig, wenn die Europäer mit Trump eine klare, auch harte Sprache sprechen. Nichts stößt den Dealmaker Trump mehr ab als Schwäche. Allerdings hat Trump oft genug bewiesen, dass er willens und fähig ist, sich von den Fakten zu lösen. Im schlimmsten Fall muss sich Europa darauf einrichten, dass es noch drei Jahre damit beschäftigt sein wird, die Verrücktheiten Donald Trumps so einzuhegen, dass der Schaden nicht allzu groß wird.

Containment hieß einst die Strategie, mit der die USA versuchten, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Machstreben des Kreml zu beschränken. Nun geht es darum, den Virus des Populismus einzudämmen, und das wird nur gehen, wenn die EU zusammensteht.

Trump versucht offenbar, einen Keil zwischen die Europäer zu treiben, schon bei den Zöllen gehen die Interessen auseinander: Frankreich will seine Agrarprodukte schonen, Deutschland seine Autoindustrie. Trump weiß das natürlich, und er hat auch erkannt, dass man Macrons Eitelkeit durchaus schmeicheln kann. Wenn es Trump gelingt, Europa auseinander zu treiben, dann hat der Präsident erreicht, was er will. Oder, um es in seinen Worten zu sagen: "Great success!"



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adsoftware 27.04.2018
1. Europa und Deutschland interessieren Trump herzlich wenig
Trump ist Businessman. Das heisst, Gewinne erhöhen, Kosten senken. Das amerikanische Engagement in Korea ist teuer und sinnlos. Trump arbeitet an der Wiedervereinigung Koreas. Dann zieht das US Militär ab. Dasselbe passiert in Nahost. Sollen sich die Russen darum kümmern. Amerika will weg. Russland und Ukraine haben für Trump keinerlei Bedeutung. China und Europa sind wirtschaftliche Konkurrenten, die Amerika mit unfairen Zöllen und Regulierungen benachteiligen. Hier will Trump reziproke Gleichheit herstellen. Ich kann hier keinen Fehler finden.
Garak 27.04.2018
2. Den Virus des Populismus eindämmen?
Sorry das wird nicht funktionieren, denn dazu müssten Merkel und Co erst einmal einsehen das sie die Ursache für den Erfolg der Populisten sind. Ohne ihr Versagen und aussitzen gäbe es bei uns keine AfD im Bundestag, die ist erst durch Merkels Fehler groß geworden. Und wenn man sich die ersten Wochen der neuen Groko ansieht, scheinen die etablierten Politiker immer noch nicht begriffen zu haben das sie nicht weitermachen können wie bisher.
joG 28.04.2018
3. Das ist eine interessante ....
....Sicht der Dinge. Die Positionen Trumps, so ärgerlich es ist aus solchem Mund, sind in der Sache richtig oder zumindest weit näher den Notwendigkeiten als Merkels. Das gilt für seine Forderung wir sollten unsere NATO Verpflichtungen aus bspw Punkt 14 des Wales Summit Declaration von September 2014 et al, unseren Behinderungen des freien Handels, unserem ins Obamas Misserfolg bei den Iran Verhandlungen, unserer wachsenden Abhängigkeit und Erpressbarkeit aus der Pipelineenergie, wodurch wir unzuverlässiger werden usw usw. Leider hat er in diesen Punkten recht und da ist die Frage, wer in diesen Dingen populistisch agiert und wieso andere Europäer uns gegen ihr eigenes Interesse Unterstützen sollten. Immerhin benennt Trump nur vielfach Dinge, die andere auch an uns kritisieren. Es wird Schwierig, aber wir werden wirklich Schäden nehmen, wenn wir versuchen weiterhin auf Kosten der anderen Europäer und USA Trittbrett zu fahren.
quark2@mailinator.com 28.04.2018
4.
Man entsinne sich kurz an die EU vor 15 Jahren - vor Strauss-Kahn, vor der Griechenland-Euro-Kriese, vor der Destabilisierung nahezu aller Länder rund um die EU herum von Nord-Afrika bis zur Ukraine. Zu dem Zeitpunkt stand die EU breit da, wollte Erdöl für Euro handeln, hatte einträgliche Beziehungen mit Russland usw. Da fühlte sich vieles noch richtig an. Aber die USA sahen das Kräftemessen mit China kommen. Sie wußten, daß sie das nicht gleichzeitig mit einer aufstrebenden EU niederhalten konnten. Damals gab es ganz klar die Ansage, daß man etwa 10 Jahre Zeit hätte, sich um Europa und den Nahen Osten zu kümmern, bevor dann China dran wäre. Nun, sie haben es geschafft. Sie haben wie angesagt eine Situation geschaffen, in welcher die EU marginalisiert ist. Der Brexit ist die Krönung. Nun geht der Blick der USA Richtung Asien. Natürlich kommen Macron und Merkel mit leeren Händen aus Washington zurück, denn sie haben uns dort, wo sie uns wollen. Es zeugt vom Unvermögen der EU-Kommission, diesen Verlust nicht verhindert zu haben.
RalfHenrichs 28.04.2018
5. Wie sollen die beiden Populisten
Merkel und Macron den Populismus bekämpfen? Trump macht halt gute (Bekämpfung der Handelsbilanzunterschiede) und schlechte (Aufkündigung des Atomdeals) Politik. Im Ergebnis unterscheidet er sich nicht von Merkel. Von Macron schon. In welchem Bereich macht dieser gute Politik?
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