Treffen im Weißen Haus "Angela macht das großartig"

Die Begrüßung war freundlich, dann wurde geredet: Kanzlerin Merkel und US-Präsident Trump haben in Washington knifflige Fragen verhandelt. Als sie vor die Presse traten, waren beide sichtlich um Zeichen der Harmonie bemüht.

Angela Merkel und Donald Trump
DPA

Angela Merkel und Donald Trump


Donald Trump hat den charmanten Gastgeber gegeben: Der US-Präsident begrüßte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont höflich im Weißen Haus, mit Handschlag, Wangenküsschen und schwärmte von der "großartigen Beziehung" der beiden. Nach einem gemeinsamen Arbeitsessen sagte Trump auf der Pressekonferenz: "Unser Bündnis ist stark."

Gleichzeitig forderte er Deutschland auf, mindestens zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Er hoffe, dass jeder Nato-Partner dieses Ziel erreiche. "Und hoffentlich viel mehr", fügte Trump hinzu. Merkel erklärte, dass sich die Bundesrepublik der Steigerung der Wehrausgaben verpflichtet fühle.

Fotostrecke

13  Bilder
Visite in Washington: Merkel und Trump - das Treffen

Mit Blick auf den Atomdeal mit Iran, den Trump ablehnt, erklärte der US-Präsident, die Regierung in Teheran sei ein "mörderisches Regime". Er bekräftigte, dass Iran niemals in den Besitz von Atomwaffen gelangen dürfe. "Wir müssen sicherstellen, dass dieses mörderische Regime nicht einmal in die Nähe einer Atomwaffe kommt", fügte er hinzu.

Merkel hat das Atom-Abkommen mit dem Iran verteidigt. Die Kanzlerin sieht zur Stabilisierung der Region aber weiteren Handlungsbedarf. Das Abkommen sei "ein erster Schritt", der dazu beigetragen habe, die Nuklear-Aktivitäten Irans zu verlangsamen und auch besser zu überwachen, sagte sie. Dies reiche aber nicht aus, eine Rolle Irans zu erreichen, die auf Verlässlichkeit gründe. "Deshalb muss mehr dazukommen." Es gelte, über die Dauer des Abkommens hinaus Verlässlichkeit zu schaffen.

Diskussion über faire Handelsbeziehungen

Merkel erklärte, die EU und Deutschland müssen mit den USA weiter über faire Handelsbedingungen verhandeln. Deutschland habe seinen Handelsüberschuss mit Amerika bereits reduziert, sagte Merkel. Sie zeigte aber Verständnis, dass dies Trump noch nicht ausreiche.

Fotostrecke

13  Bilder
Merkel und US-Präsidenten: Früher war mehr Leichtigkeit

Zu den vom 1. Mai an drohenden US-Strafzöllen für die EU auf Stahl und Aluminium wollte Merkel keine näheren Angaben machen. "Der Präsident wird entscheiden", sagte sie. Der erklärte am Ende der gemeinsamen Pressekonferenz, er mache Merkel keinen Vorwurf für die "Fehler ihrer Amtsvorgänger" und lobte sie abermals: "Angela macht das großartig", sagte er.

Trump lobt "maximalen Druck" auf Nordkorea

Mit Blick auf die Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea sagte Merkel: "Wir Deutschen können fühlen, wenn nach Jahren der Teilung wieder Kontakte entstehen", sagte sie. Diese müssten aber auf gemeinsamen Werten beruhen.

Trump sagte: "Die Kampagne des maximalen Drucks hat uns geholfen, diesen Schritt zu erreichen." Die USA würden den Druck nicht nachlassen, ehe eine vollkommene Denuklearisierung der Halbinsel erreicht sei, sagte er - und erklärte, er freue sich auf ein Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, das für die "nächsten Wochen" geplant sei.

dop/dpa



insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
harald.klingelhoefer 27.04.2018
1. Trump der Feind...
...Kim Jong Un der neue Hoffnungsträger, so kommt es einem vor wenn man die sich überschlagenden Pressemeldungen liest. Das mag so den Eindruck haben, aber gilt nur für Träumer. Kanzlerin Merkel will wie Emmanuel Macron zuvor US-Präsident Donald Trump zurück an den Verhandlungstisch bringen. Die Themen sind lang von Strafzöllen (Protektionismus ) bis zu atomaren Abkommen mit dem Iran. Vieles von dem muss Donald Trump ernsthaft überprüfen und gemeinsam mit dem Westen, Europa diskutieren und zu gemeinsamen, den Menschen zugute kommenden, Lösungen kommen. Eins aber darf nicht sein, einstige befreundete Nationen zu Feinden machen, auch Mr. Trump benötigt Respekt, und es zeugt auch nicht von gutem Politikstil und Intelligenz , die Keule ausschließlich gegen ihn zu schwingen. Denn z.B. bei den Handelsbeschränkungen bin ich bei ihm. Europa legt auf amerikanische Produkte, welche auf immer, viel höhere Zölle , als die USA auf europäische Produkte. Da ist ein Dissens. Da müßte doch was zu machen sein!
schlob 27.04.2018
2. Trump auf der ganzen Linie -
Allmählich sollten doch die hysterischen Trump-Gegner merken,dass es Trump war,der in Korea vorangekommen ist-und sehr richtig macht er allen seinen Vorgängern Vorwürfe -mit Recht.- Schon nach dem ersten Atom-Versuch hätte die USA umgehend massiv vorgehen müssen.Jetzt war Trump gezwungen ,sehr viel mehr zu riskieren.
meromero 27.04.2018
3. Besser als Macron
Macrons "Geschleime" war einfach nur peinlich. Ich finde Merkels verhalten ggü. Trump in Ordnung. Nüchtern, sachlich aber bloß nicht zu nahe kommen. Trump ist kein Partner sondern eher ein schwieriger Nachbar auf Zeit.
post.scriptum 27.04.2018
4. Usual as business und ein bisschen Show
Trump mimt den smarten Gastgeber, in der Sache wird er hart bleiben und Merkel wird mit nichts zurückkommen. Warum sollte Trump ihr auch entgegenkommen, zumal sie ihm bei seiner Wahl außer kritscher Worte nicht geschenkt hat. Business as usual eben. Trotz Küsschen.
Luscinia007 27.04.2018
5.
besonders gelungen finde ich Trumps Aussage, dass Merkel nichts für die Fehler ihrer Amtsvorgänger kann, die wirtschaftliche Stärke Deutschlands haben also ... wer war das noch mal, wer kann sich noch an die Vormerkel-Ära, also graue Vorzeit erinnern? Schröder, Kohl oder gar Adenauer? Angela macht das richtig, nämlich Trump aussitzen, spätestens nach insgesamt 4 Jahren ist der Spuk vorüber^^ Wu Wei, Merkel ist die Meisterin schöpferischer Passivität :-) Und Macron gibt bei Trump das Alpha-Männchen, das sich von Trump nicht herumkommandieren lässt, so dass Trump sich nicht traut zu bellen. weil Macron sich durch Händeschutteln Respekt verschafft hat. Diese Arbeitsteilung der deutsch-französischen Achse ist der Psyche Trumps angemessen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.