Trump trifft Netanyahu Komplimente und Klartext

Donald Trump und Benjamin Netanyahu kennen sich lange und sind befreundet. Das prägt ihr erstes Treffen im Weißen Haus: Ungewöhnlich deutlich machen beide ihre Standpunkte klar.

Benjamin Netanyahu und Donald Trump
REUTERS

Benjamin Netanyahu und Donald Trump

Von , Washington


Es dauert nur wenige Minuten, bis Donald Trump und Benjamin Netanyahu in Washington vor die Presse treten. Gerade haben sich der US-Präsident und der israelische Premier im Sonnenschein vor dem Weißen Haus herzlich begrüßt, ihre Frauen an ihrer Seite. Statt sich erst einmal zu Gesprächen zurückzuziehen, stehen die beiden nun nebeneinander im Ostflügel und lassen alle daran teilhaben, wie sehr sie sich über dieses Treffen freuen.

"Es ist mir eine Ehre, meinen Freund Benjamin Netanyahu im Weißen Haus zu begrüßen", sagt Trump und strahlt. Mit Trump im Amt würden die Beziehungen zwischen ihren Ländern künftig noch besser, entgegnet Netanyahu. Die enge Partnerschaft zwischen Israel und den USA, die persönliche Freundschaft, immer wieder betonen Trump und Netanyahu diese Verbindungen - und verweisen auf ihre engen familiären Bande. "Darf ich das sagen, Jared, wir kennen uns schon so lange", sagt Netanyahu und blickt zu Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in der ersten Reihe, mit dessen Eltern er seit Jahrzehnten befreundet ist.

Ivanka Trump mit Ehemann Jared Kushner begrüßen Sara Netanyahu
AP

Ivanka Trump mit Ehemann Jared Kushner begrüßen Sara Netanyahu

Schnell wird deutlich: Diese beiden Männer müssen sich nicht erst kennenlernen und abtasten. Auffällig ist aber auch: Aller freundlichen Worte zum Trotz werden sie gleich unerwartet deutlich miteinander. Trump fordert Flexibilität, auch Israel müsse Kompromisse machen. "Darüber sprechen wir noch", entgegnet Netanyahu. Beide grinsen.

Die wichtigsten Punkte ihres Treffens im Überblick:

Israelische Siedlungspolitik

In den vergangenen drei Wochen hat Netanyahu mehr als 6000 Wohnungen in einer israelischen Siedlung im Westjordanland genehmigt, international sorgt das für Kritik. Auch Trump hatte bereits im Vorfeld deutlich erkennen lassen, dass er die Siedlungspolitik für kontraproduktiv für einen Frieden halte. Nun wendete er sich direkt an Netanyahu: "Ich will, dass Sie sich eine Weile zurückhalten." Netanyahu kontert: Die Siedlungen seien weder das Kernproblem noch die treibende Kraft im Konflikt mit den Palästinensern. Er ist hier bei einem Freund zu Gast, aber seinen Standpunkt will er schon deutlich machen.

Zweistaatenlösung

Wie könnte ein Frieden im Nahen Osten aussehen? Eine Antwort oder gar einen neuen Ansatz hat Trump nicht, nur viele Versprechen: Die USA würden sich für den Frieden und ein "großartiges Friedensabkommen" einsetzen - verhandeln müssten es beide Parteien selbst.

Trump bekannte sich weder zur Zweistaatenlösung noch zu einem gemeinsamen Staat und kam damit Netanyahu stark entgegen: "Ich kann mit beidem leben. Wenn Israel und die Palästinenser glücklich sind, bin ich mit dem glücklich, was sie am besten finden", so der US-Präsident. Dafür müssten die Palästinenser ihren Hass auf Israel aufgeben, einen jüdischen Staat anerkennen und Israel die Sicherheitshoheit auch westlich des Jordans zu überlassen. Und Trump nahm auch die Israelis in die Pflicht. Sie "müssen zeigen, dass sie wirklich einen Deal wollen", forderte er. "Beide Seiten müssen Kompromisse machen."

Netanyahu wiederum nutzte die Pressekonferenz für eine programmatische Rede - und machte seine Bedingungen für einen Friedensprozess sehr deutlich: Die Palästinenser müssten den jüdischen Staat endlich anerkennen und aufhören, Israel zu bedrohen und anzugreifen. "Das ist der Grund, warum wir noch keinen Frieden haben", sagt Netanyahu.

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas reagierte umgehend: Er teile Trumps Aufforderung, Israel solle sich beim Siedlungsbau zurückhalten, hieß es in einer Mitteilung. Zugleich machte Abbas deutlich, dass aus Sicht der Palästinenser nur eine Zweistaatenlösung akzeptabel sei.

Atomdeal mit Iran

Netanyahu warnte vor dem Atomabkommen mit Iran, Trump nannte ihn "einen der schlechtesten Deals, die ich je gesehen habe" - dass die beiden in diesem Punkt übereinstimmen, ist nicht neu. Überraschend ist zumindest, dass Trump nicht ankündigt, diesen Deal neu verhandeln zu wollen.

US-Botschaft in Israel

Wo wird die US-Botschaft in Israel künftig sein? Im Wahlkampf hat Trump einen schnellen Umzug von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt, doch getan hat sich bislang noch nichts. Auch am Mittwoch beteuerte Trump: "Wir prüfen das sehr genau" - nach einer klaren Zusage klingt das nicht.

Zu der könnte Netanyahu seinen Freund Trump vielleicht noch unter vier Augen bewegen. Denn was sonst das Ende eines Besuchs markiert, war hier erst der Anfang: Der Präsident und der Premierminister schüttelten Hände, lächelten für die Kameras und verschwanden im Weißen Haus. Auf dem Terminplan von Netanyahu und Trump standen im Anschluss ein privates Treffen, bilaterale Gespräche und ein Arbeitslunch - viel Zeit also, weiter Klartext zu reden.

insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Outspoken 15.02.2017
1. Trum hat nicht nur schlechtes
Mir scheint das Trump mit der Freundschaft und der ihm eigenen direkten Art vielleicth viel mehr ausrichten wird als viele (inkl.) Obama vor Ihm. Andererseits ist das Thema Naher-Osten irgendwie aussichtslos. Wenn Gott persönlich auf die Erde käme zum Verhandeln, beim Nahen Osten würde auch er als loser abziehen...
Benko 15.02.2017
2.
"Netanyahu warnte vor dem Atomabkommen mit Iran, Trump nannte ihn "einen der schlechtesten Deals die ich je gesehen habe" - dass die beiden in diesem Punkt übereinstimmen ist nicht neu. Überraschend ist zumindest, dass Trump nicht ankündigt, diesen Deal neu verhandeln zu wollen." Vielleicht könntest ihr ja mal anfangen auf eure Sprache wenigstens ein bißchen zu achten, bitte. Das Wort Deal gehört definitiv in Gänsefüßchen. Oder wollt ihr dem Trump-Sprech wirklich Vorschub leisten? Das nervt langsam ziemlich, nicht nur bei euch. Außerdem nervt das unpassende Gesieze zwischen Trump und Netanyahu bei der Übersetzung der PK-Aussagen.
hansgustor 15.02.2017
3. @Outspoken
Was genau macht er den besser? Er rückt die Sicht der US Regierung näher an die der Isrealischen Regierung. Da war man unter Obama neutraler und hat z.B. den erneuten Siedlungsbau kritisiert.
hergen.heinemann 15.02.2017
4. Bophuthatswana Homeland Reloaded
Israel will eine Bophuthatswana-Homeland-Lösung. Das ist mit Menschenrechten nicht zu vereinbaren, wie man an Südafrika sehen konnte.
hugahuga 15.02.2017
5.
Angesichts der Bilder, könnte man auch die Vermutung hegen, dass nun wieder der Schwanz mit dem Hund wedelt. Das zumindest sah zeitweise bei Obama ein ganz klein wenig anders aus. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass es keine Fortschritte - gleichermaßen für Israelis und Palästinenser - gibt, sondern dass Netanjahu und im Falle seiner Ablösung Herr Bennett den Landraub und Siedlungsbau exzessiv weiter betreiben werden. Es wird auch nicht - wie im Falle Südafrika - dazu kommen, dass dieses durch BDS gestoppt werdn kann, weil die Unterwanderung der Staaten bereits zu weit fortgeschritten ist und deshalb kein gemeinschaftliches Handeln erwartet werden kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.