Möglicher Trump-Herausforderer O'Rourke "Betoooooo"

Bei einem Auftritt vor Fans an der Grenze rechnet Donald Trump mit seinen Gegnern ab. Der Jung-Star der Demokraten, Beto O'Rourke, führt eine Gegendemo an. Ist das schon das Duell für 2020?

AFP

Aus El Paso berichtet


Der ganze Auftritt ist eine einzige Provokation, typisch Trump eben. Die Grenze zu Mexiko ist nur einige hundert Meter entfernt. El Paso ist eigentlich eine Hochburg der Demokraten, 80 Prozent der Einwohner stammen aus Lateinamerika.

Hierher ist US-Präsident Donald Trump gekommen, um für sich und seine Mauerpläne zu werben. Er hat auch in El Paso und Umgebung genug Fans, um eine "Make America Great Again"-Kundgebung abhalten zu können. Etwa 6000 Menschen jubeln ihm in einer großen Sporthalle zu. Sie heißt "Coliseum", so wie im alten Rom.

Es ist ein echter Trump-Auftritt. Er teilt aus, verbreitet wütende Parolen gegen Fremde und politisch Andersdenkende. "Die Demokraten wollen Sozialismus, offene Grenzen. Sie wollen Spätabtreibungen und sie wollen Verbrecher in unser Land lassen", ruft Trump. Bis zur Präsidentschaftswahl sind es noch zwei Jahre, aber Trump ist schon erkennbar im Wahlkampfmodus.

Nur wenige hundert Meter entfernt, quasi in Hörweite, steht fast zur selben Zeit Beto O'Rourke auf einer Freilichtbühne. Der 46-Jährige ist einer der Hoffnungsträger der Demokraten. Der Unterschied zwischen ihm und Trump könnte kaum deutlicher sein, auch bei Kleinigkeiten: Während der Präsident mit der Air Force One eingeflogen wurde, fährt O'Rourke in seinem privaten japanischen Familienwagen vor. Trump steht im Warmen in seiner gigantischen Halle, O'Rourke und seine Anhänger frieren in der Kälte auf einem Baseballfeld.

Fotostrecke

5  Bilder
Trump und O'Rourke in El Paso: Einer kam per Jet, einer mit dem Auto

Knapp 2000 Leute sind gekommen, um ihren Helden Beto zu sehen. Und sie wollen gegen Trump demonstrieren. Als O'Rourke auf die Bühne springt, ruft die Menge begeistert: "Betoooooooo!"

Mehr zum Thema bei SPIEGEL+

Ist es das? Gibt das ungewöhnliche Show-Duell in El Paso schon einen Vorgeschmack auf den Präsidentschaftswahlkampf 2020? Tritt der "Underdog" O'Rourke gegen den Amtsinhaber Trump an? Wird dieser Kampf David gegen Goliath?

Beto O'Rourke ziert sich noch

Trump will 2020 wieder kandidieren. So viel steht fest. Aber O'Rourke, der bei den Midterm-Wahlen im vergangenen Jahr im sonst so konservativen Texas einen fulminanten Wahlkampf hingelegt hat und dann doch gegen den amtierenden Senator Ted Cruz verlor, hat sich noch nicht entschieden. Viele Parteifreunde drängen ihn dazu, es zu wagen. Es gibt auch schon Gruppen, die sich allein dem Ziel verschrieben haben, O'Rourke zu einer Kandidatur zu bewegen. Es kann aber auch gut sein, dass er sie alle enttäuscht und absagt.

Bei seinem Auftritt in El Paso testet O'Rourke offenkundig die Stimmung. Die Grenzstadt ist seine Heimat und der Besuch von Trump bietet ihm die Gelegenheit, sich wieder auf der landesweiten Bühne ins Gespräch zu bringen. Ende des Monats wolle er sich entscheiden, sagte O'Rourke unlängst in einem Interview. Dabei werde auch seine Familie eine wichtige Rolle spielen. In den vergangenen sieben Jahren als Kongressabgeordneter habe er seine Frau und die Kinder kaum gesehen. Gleichzeitig reize ihn aber auch die Aussicht, "das Land zusammenzuführen".

Die Wut wächst - auch bei den Demokraten

Der Kampf um Trumps Mauer und die Einwanderung sind die Themen, die O'Rourkes Anhänger in El Paso bewegen. Sie sind wütend - auf Trump, auf seine Politik. Es ist das andere Amerika: Junge Leute, Linke, viele Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln sind dabei. Sie halten Schilder in die Höhe: "Stoppt die Mauer." Und: "Trump lügt." Oder: "Gott segne Robert Mueller", das meint den Sonderermittler, der die möglichen Verbindungen von Trumps 2016er Wahlkampfteam nach Russland untersucht.

Eine Gruppe junger Leute hat am Rande der Bühne eine große Trump-Puppe aufgebaut. Besucher können sie mit alten Schuhen bewerfen. Es fliegen viele Schuhe.

O'Rourke ist ihre Hoffnung. Sie tragen T-Shirts auf denen steht: "Beto for President." Wie schon in seinem Senatswahlkampf gibt O'Rourke bewusst den Anti-Trump. Während er spricht, läuft er auf der Bühne von der einen zur anderen Seite, wie ein Motivationstrainer. Er mahnt dazu, Migranten mit offenen Armen zu empfangen. "Wir stehen hier gemeinsam für die Wahrheit ein, wir stehen gegen Hass, gegen Ignoranz, gegen Intoleranz", ruft er.

Von Trump wird behauptet, ihm sei letztlich egal, gegen welchen demokratischen Kandidaten oder gegen welche Kandidatin er 2020 antritt. Er werde ohnehin gewinnen. Tatsächlich hat Trump einen Vorteil: Die Demokraten zeigen bislang keine einheitliche Strategie und kein klares Rezept, wie sie Trump besiegen wollen.

Wer soll es machen?

Das Feld der echten oder potenziellen Kandidaten ist inzwischen so groß, dass selbst die eigenen Leute den Überblick verlieren. Linke, Moderate, Rechte - es ist alles dabei, nur längst noch kein echter Favorit oder eine echte Favoritin.

Kamala Harris, Amy Klobuchar, Elizabeth Warren, Cory Booker, Kirsten Gillibrand, Julio Castro, Joe Biden, Bernie Sanders sind nur einige der bekannteren Aspiranten, die entweder im Gespräch sind oder schon Interesse an einer Kandidatur gegen Trump angemeldet haben. Dann gibt es noch die Außenseiter wie den früheren Starbucks-Chef Howard Schultz. Und eben Beto O'Rourke.

O'Rourke-Anhänger in El Paso
AP

O'Rourke-Anhänger in El Paso

Donald Trump für seinen Teil hat sich jedenfalls schon entschieden, wie er mit seinen möglichen Kontrahenten umgehen will. So wie immer - er macht sich entweder über sie lustig oder beschimpft sie.

"Die haben ja so viele Leute, die keiner kennt", lästert er in El Paso. Und überhaupt. Dieser Beto O'Rourke, wie könne der denn Hoffnungsträger sein, fragt Trump. Der habe doch die Wahl in Texas verloren, sagt Trump. "Darüber redet natürlich wieder niemand. Das passt doch alles nicht zusammen."

Dann ist der Abend zu Ende. Trump sagt noch, er hätte gerne einen Hund. "Aber dafür habe ich keine Zeit." Dann steigt er wieder in die Air Force One und fliegt zurück nach Washington. O'Rourke wird in seinen Geländewagen klettern. Er fährt gerne selbst.

Videoanalyse: "Der Wahlkampf hat begonnen"

SPIEGEL ONLINE
insgesamt 68 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
severus1985 12.02.2019
1. Jung-Star...
... mit 46.
meister_proper 12.02.2019
2. Leider läßt sich Beto von der Ölindustrie sponsern
https://www.opensecrets.org/industries/recips.php?ind=E01++ Das ist nicht gerade die Sorte Politiker, die wir in diesen Zeiten am dringendsten brauchen...
whiskymixer 12.02.2019
3. 2.000 vs. 6.000 Besucher?
Im Artikel wird der Eindruck vermittelt, dass es 2.000 Besucher beim Demokraten und 6.000 Besucher bei Trump waren. Das stimmt aber wohl nur für die, die mit Trump in der Halle waren. Draußen vor der Halle war eine noch weitaus größere Zahl an Trump-Anhängern, die wohl keinen Platz mehr in der Halle gefunden haben. S. z. B. https://twitter.com/DonaldJTrumpJr/status/1095155471374143490 Ob es wirklich 35.000 vor der Halle waren, wie Trump Jr. schreibt weiß ich nicht, aber es waren doch m. E. zu viele, um Sie einfach unter den Tisch fallen zu lassen ...
andreas_matutt 12.02.2019
4. Egal...
...wen die Demokraten ins Rennen schicken, er oder sie wird gegenüber dem Amtsinhaber wie eine Lichtgestalt wirken.
soro.hattie 12.02.2019
5. Heimüberraschung
Die Demokraten drängen vielleicht um Positionen, um Trump zu stürzen, die einen solchen Kampf wirklich lieben, derjenige, der ihn stürzt, wird von den Republikanern und nicht von den Demokraten kommen und wird ein ehemaliger Anwärter mit hoher Intelligenz sein, genau das Gegenteil von Trump.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.