Ermittlungen in Russlandaffäre Hat Trump sich verplappert?

Laut Medienberichten ermittelt FBI-Sonderermittler Mueller auch gegen Donald Trump persönlich - wegen Justizbehinderung in der Russlandaffäre. Ein Tweet des US-Präsidenten scheint dies nun zu bestätigen.

Donald Trump
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Donald Trump


Er sieht sich wieder mal als Opfer einer Hexenjagd: Donald Trump hat sich auf Twitter zu den FBI-Ermittlungen in der Russlandaffäre geäußert. "Der Mann, der mir gesagt hat, dass ich den FBI-Direktor feuern soll, ermittelt gegen mich, weil ich den FBI-Direktor gefeuert habe! Hexenjagd", schrieb Trump am Freitag in dem Kurznachrichtendienst.

Damit hat Trump sich erstmals zu den Berichten von US-Medien geäußert, dass Sonderermittler Robert Mueller die Russland-Ermittlungen auf den Präsidenten persönlich ausgeweitet habe. Es ist aber unklar, ob Trump mit seinem Tweet die Ermittlungen gegen sich bestätigt - oder nur die Medienberichte wiedergibt.

Die "Washington Post" und andere Medien hatten berichtet, Mueller untersuche den Vorwurf der Justizbehinderung gegen Trump. Der US-Präsident soll den damaligen FBI-Direktor Comey gedrängt haben, die Russland-Ermittlungen einzustellen. Comey machte jedoch weiter, bis er im Mai überraschend gefeuert wurde.

Trumps Vertraute müssen angeblich Russland-Unterlagen aufbewahren

Die Ermittlungen zur mutmaßlichen Beeinflussung der US-Präsidentenwahl ziehen derweil offenbar immer weitere Kreise. Wie die "New York Times" am Freitag berichtete, wurden die Mitglieder von Trumps Übergangsteam angewiesen, jegliche Unterlagen mit einem Bezug zu Russland oder zur Ukraine aufzubewahren.

Die Anwälte des Teams hätten zudem Informationen speziell über fünf Personen verlangt, darunter der frühere Wahlkampfmanager Paul Manafort und der inzwischen entlassene Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn. Mit der Aufforderung deuteten die Juristen an, dass die Handlungen der fünf Vertrauten Trumps möglicherweise Gegenstand der Ermittlungen seien, berichtete das Blatt.

als/dpa/Reuters



insgesamt 67 Beiträge
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kategorien 16.06.2017
1. Hoffentlich kein Pardon
Es wird, wie bei Nixon, am Ende einen Pardon seitens seines Vize-Präsidenten geben. Trump wird abgesetzt und stattdessen sein Vize zum Präsidenten, der ihn begnadigt, wie bei Nixon. Unsicher, ob die begeisterte Presse und ihre Leser sich dessen bewusst sind. Aber spannend.
w.diverso 16.06.2017
2. Ehrlich gesagt
verstehe ich die Aufregung Trumps bezüglich dieser Russlandsache nicht so ganz. Hat er da selber nichts gemacht und auch nichts davon gewusst was andere in seinem Team gemacht haben, dann sollte es ihm doch egal sein was der Sonderermittler herausbekommt. Seiner Aufregung nach, scheint er aber kein ganz reines Gewissen zu haben. Die Erwähnung von den Problemen beim Server der Demokraten ist da von ihm auch nur als Ablenkung zu verstehen. Hillary hat die Wahl verloren, also ist das Schnee von gestern. Aber wenn Leute aus seinem Team sich schon vor der Wahl Trumps was mit russischen Politikern ausgemacht haben, dann ist das schon ein anders Kaliber.
interstitial 16.06.2017
3. was soll man da noch sagen?
Das wildeste ist ja wohl, dass der Tweet impliziert, Mueller habe Trump gedrängt, Comey rauszuwerfen!?!? Was geht da ab? Und der Tweet macht nochmal klar, dass Trump immer noch überhaupt nicht begriffen hat, was er falsch gemacht hat, als er Comey "gebeten" hat (inklusive der Forderung nach persönlicher Loyalität, die in einer repräsentativen Demokratie gegenüber einem Staatsbeamten gänzlich unangebracht ist), Ermittlungen einzustellen: Es geht nicht um den Rauswurf Comeys, sondern um die Vorgänge außenrum, und v.a. Trumps unglückliche, selbstbelastende Einlassung "Klar hab ich Comey wegen der Russland-Ermittlung gefeuert". Aber nochmal, welches Motiv sollte Mueller gehabt haben, Trump zu raten, Comey zu feuern? Das ist der Punkt, den ich gerade überhaupt nicht verstehe. Außer, Mueller spielte den Lockvogel, weil er einen absolut wasserdichten Grund für ein Impeachment wollte, um Schaden vom Land abzuwehren.... Diese ganze Räuberpistole wird täglich verwirrender... Aber ok, wenigstens wird jetzt offensichtlich auch gegen Trump selbst ermittelt. Wurde ja auch Zeit. #makeitDrumpfagain
Palmstroem 16.06.2017
4. Warum wird die Wahrheit zensiert?
"Am Donnerstagabend veröffentlichte Rosenstein eine Erklärung - anscheinend auf Nachrichtenberichte (auch in der Washington Post), die Detailteile der Sonderberateruntersuchung - Zweifel an Nachrichtengeschichten, die auf anonyme Quellen verweisen, verweisen. Die Amerikaner sollten vorsichtig sein, bevor sie alle Geschichten, die anonymen" Beamten "zugeschrieben wurden, annehmen, besonders wenn sie das Land nicht identifizieren - geschweige denn dien Sitz der Regierungsbehörde kennen - mit der die angeblichen Quellen angeblich verbunden sind", sagte Rosensteins Erklärung. "Die Amerikaner sollten skeptisch über anonyme Vorwürfe sein." (WP)
Jarek M 16.06.2017
5. Russlandaffäre?
Schon bezeichnend, wie sich die Medien daran ergötzen, dass Leaks, Geheimdienste, Gerüchte und Intrigen die Politik einer demokratisch gewählten Regierung behindern. Man stelle sich so was hierzulande vor. Es würde sowas von Entlassungen regenen, wie in den Tropen am frühen Nachmittag. 2017? Russen? Echt jetzt?
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