Schweigegeld für Stormy Daniels Verhängnisvolle Affäre

Bei der FBI-Razzia in den Büros von Trump-Anwalt Michael Cohen ging es offenbar um die Sex-Affären des US-Präsidenten. Die allein könnten Trump nicht gefährlich werden - doch deren Vertuschung umso mehr.

US-Präsident Trump
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Donald Trumps Affären sind legendär. Er betrog seine erste Frau Ivana mit dem Model Marla Maples und Maples, nachdem er sie geheiratet hatte. Auch First Lady Melania Trump, seine dritte Frau, blieb nicht verschont.

In der New Yorker Gesellschaft war das immer schon bekannt, keiner störte sich groß daran. Jetzt aber, da Trump im Weißen Haus sitzt, drohen ihm seine Liebschaften zum Verhängnis zu werden - und wie so oft sind es nicht die Affären selbst, in denen die Gefahr lauert.

Es ist deren Vertuschung.

Denn wie bei Bill Clinton, der eine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky hatte, konzentrieren sich die Ermittler jetzt bei Trump nicht auf die außerehelichen Aktivitäten an sich - sondern auf das, was danach passierte. Aus diesem Grund durchsuchte das FBI jetzt das Büro und die Wohnung von Trump-Anwalt Michael Cohen. Cohen, der mindestens einer Trump-Geliebten Schweigegeld gezahlt hat, steht nach Informationen mehrerer US-Medien im Verdacht des Bankbetrugs und des "Verstoßes gegen Wahlkampfgesetze".

Dieser Punkt ist eine verwirrende, doch kaum abwegige Option, wie die Ermittler den Anwalt zwingen könnten, Trump zu belasten. Cohen kennt dessen größten Geheimnisse - darunter auch mögliche Russland-Verbindungen, die gerade parallel dazu vom Sonderermittler Robert Mueller untersucht werden.

Es geht um die Pornodarstellerin Stormy Daniels, die mit richtigem Namen Stephanie Clifford heißt. Sie will 2006 eine kurze Affäre mit Trump gehabt haben. Cohen hat zugegeben, ihr 130.000 Dollar Schweigegeld gezahlt zu haben, eine offenbar gängige Praxis. Das allein wäre noch kein Problem.

Trump-Anwalt Cohen
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Wichtig ist aber das Timing. Denn diese Zahlung erfolgte am 27. Oktober 2016, elf Tage vor der US-Präsidentschaftswahl. Zwei Wochen zuvor hatte Clifford gedroht, an die Öffentlichkeit zu gehen - am selben Tag, als der Skandal um ein altes Video losbrach, auf dem Trump mit seinen Frauengeschichten prahlte.

Das legt nahe, dass Cohen Cliffords Aussage unterdrücken wollte, damit Trump so kurz vor der Wahl nicht noch mehr Schaden erleidet. Eine solche Finanztransaktion zählt nach US-Recht aber genauso als Wahlspende wie eine direkte Überweisung in die Kasse einer Partei oder eines Kandidaten.

Zwei Vorschriften gesprengt

Und solche Überweisungen sind streng geregelt. Während US-Konzerne fast unbegrenzte Wahlspenden leisten können, dürfen Einzelpersonen höchstens 2700 Dollar an einen Kandidaten oder eine Partei spenden. Indirekte Zahlungen, wie sie jetzt bei Cohen vermutet werden, zählen als Sachspenden und unterliegen dem selben Limit. Auch müssen sie der Wahlbehörde FEC gemeldet und bei mehr als 200 Dollar aufgeschlüsselt werden wie eine Spesenabrechnung.

Cohens 130.000 Dollar an Clifford würden beide Vorschriften sprengen, die Höchstsumme und die Meldepflicht. Der Anwalt behauptet, er habe das Geld privat überwiesen, Trump habe nichts gewusst. Auch Trump dementierte jegliche Kenntnis. Das FBI prüft nun, ob das stimmt, und beschlagnahmte bei der Razzia am Montag Akten, Computer und Datensätze, vermutlich auch über Banktransfers.

Stephanie Clifford alias Stormy Daniels
AFP

Stephanie Clifford alias Stormy Daniels

"Die Zahlung stellt einen enormen rechtlichen Schlamassel für Trump dar, für Cohen und alle anderen, die darin verwickelt waren", sagte der frühere FEC-Vorsitzende Trevor Potter im US-Sender CBS. Das Geld sei womöglich eine "koordinierte, illegale Sachspende Cohens, um die Wahl zu beeinflussen".

Affäre Nummer 2: Ex-Playmate Karen McDougal

Nicht alle sehen das so. Das auffällige Timing allein reiche nicht, man müsse auch Vorsatz nachweisen, sagte der Wahlrechtsexperte Rick Hasen von der University of California der "Washington Post". "Ein solcher Fall ist ohne gute aktenkundige Indizien sehr schwierig." Die juristischen Hürden seien hoch.

Das zeigt auch der Fall des früheren demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Edwards. Edwards kam 2011 vor Gericht, er sollte mehr als 700.000 Spendendollar missbraucht haben, um im Wahlkampf 2008 eine außereheliche Affäre zu verheimlichen. Der Prozess platzte, weil sich die Geschworenen nicht überzeugen ließen.

Bei Cohen suchte das FBI suchte nach US-Medieninformationen auch noch nach Materialien über eine weitere Frau: Karen McDougal, ein Ex-Playmate, will 2006 eine längere Affäre mit Trump gehabt haben. Im August 2016, mitten im Wahlkampf, soll der Verlag AMI McDougal 150.000 Dollar für die Exklusivrechte an der Geschichte gezahlt, aber diese dann nie veröffentlicht haben. Auch diese Zahlung, so heißt es, habe die Ermittler als womöglich illegale Wahlspende auf den Plan gerufen. AMI, geführt vom Trump-Freund David Pecker, verlegt das Klatschblatt "National Enquirer".

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