Annäherung an Nordkorea US-Regierung bestätigt Gespräche auf höchster Ebene

In Vorbereitung auf ein Treffen von Donald Trump und Kim Jong Un gibt es nach Angaben aus Washington bereits direkte Gespräche hochrangiger Vertreter. Einem Bericht zufolge traf der CIA-Chef jüngst Nordkoreas Machthaber in Pjöngjang.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump


Die US-Regierung hat nach Worten von Präsident Donald Trump zuletzt direkte Gespräche auf höchster Ebene mit Nordkorea geführt. Solche Kontakte zwischen beiden Ländern sind extrem selten. Ein direktes Gespräch Trumps mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un habe es dabei aber nicht gegeben, sagte Regierungssprecherin Sarah Sanders am Dienstagabend - und dementierte damit anderslautende Berichte. Trump selbst hatte kurz zuvor die Frage bejaht, ob er direkten Kontakt mit Kim gehabt habe.

Die "Washington Post" berichtet, der CIA-Chef und designierte US-Außenminister Mike Pompeo sei am Osterwochenende zu einem geheimen Besuch in Pjöngjang gewesen. Dabei habe er auch den nordkoreanischen Machthaber getroffen. Pompeos Reise habe dazu gedient, das Treffen Trumps mit Kim vorzubereiten. Die Zeitung beruft sich auf zwei Personen, die über die Reise informiert seien. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gibt es nicht.

Die US-Regierung wollte den Bericht nicht kommentieren. Man nehme zur Reisetätigkeit des amtierenden CIA-Direktors keine Stellung, hieß es. Pompeo ist von Trump als US-Außenminister nominiert, aber noch nicht vom Senat bestätigt worden. Pompeo soll auf den gefeuerten Rex Tillerson folgen.

Trump gibt Nord- und Südkorea seinen "Segen"

Trump hatte sich bereits kurz vor Sanders Pressekonferenz in seinem Domizil Mar-a-Lago zu Nordkorea geäußert, er hatte in Florida den japanischen Regierungschef Shinzo Abe getroffen. An Süd- und Nordkorea gerichtet sagte der US-Präsident: "Sie haben meinen Segen, ein Ende des Krieges zu diskutieren." Nach dem Koreakrieg in den Jahren 1950 bis 1953 wurde kein Friedensvertrag zwischen dem Norden und dem Süden geschlossen. Deswegen befinden sie sich formal noch im Kriegszustand.

Nordkorea - Die Chronik des Konflikts

"Ich glaube wirklich, dass es viel guten Willen gibt", sagte Trump. Man werde sehen, was passiert. "Es ist das Endresultat, das zählt."

Akie und Shinzo Abe zu Besuch bei Donald und Melania Trump in Florida
AP

Akie und Shinzo Abe zu Besuch bei Donald und Melania Trump in Florida

Für ein Treffen mit Kim stellte Trump den frühen Juni in Aussicht. Die Einladung zu dem Treffen war Anfang März von Kim ausgegangen und von einem südkoreanischen Regierungsvertreter an Trump übermittelt worden.

Der US-Präsident sagte nun, es sei auch möglich, dass ein Treffen mit Kim nicht zustande komme. Dies hänge wesentlich vom Erfolg zuvor stattfindender Gespräche zwischen Seoul und Pjöngjang ab.

Wo das Gespräch mit Kim stattfinden würde, ist nach wie vor offen. Trump sagte, in der engeren Auswahl seien fünf Orte. Keiner davon liege in den USA.

aar/dpa/AFP

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ihawk 18.04.2018
1. Süd- und Nordkorea
Wenn es tatsächlich dazu kommt, dass Süd- und Nordkorea Frieden schließen, wäre die unangenehm dilettantische Politik von Donald Trump erfolgreich - in meinen Augen wäre es der Beweis, dass im Weißen Haus hinter dem Trump Getöse eine völlig andere Politik abgewickelt wird.
omanolika 18.04.2018
2. Annäherungen mit dem Herrscher
Das Vorantreiben der Annäherung ist gut, doch bedarf es defür, Ausdauer und Mut, sowie eine behutsam aufgebaute Basis des Vetrauens, und keinen so Machthaber des Grauens, von dem man einen Segen braucht, um zu diskutieren, und der dabei ist, alles kaputt zu regieren. Wobei "regieren" ist schon sehr, sehr hochgestochen, ich hätte wohl lieber von "herrschen" gesprochen ;D
ttvtt 18.04.2018
3. Trump ist kein Politiker
Man sieht es wieder, dass Trump kein Politiker ist, stattdessen handelt er (wenn es nicht um seine Person geht) ganz rational. Was interessiert ihn Nord- oder Südkorea? Er denkt nicht geostrategisch. Man braucht keine Militärbasen in Südostasien, um dort gute Geschäfte zu machen.
pacificatore 18.04.2018
4. Deals, Deals
Ein zweiseitiger Deal (USA-Nordkorea) ist durchaus denkbar. Damit würde China und Russland ins Abseits gestellt. Das wäre auch im Interesse von Kim Jong-un. Im Grundsatz: Trump zerlegt das Geflecht internationaler Abhängigkeiten und zieht seine zweiseitigen Deals durch. Er könnte damit Erfolg haben.
hitd 18.04.2018
5.
Zitat von pacificatoreEin zweiseitiger Deal (USA-Nordkorea) ist durchaus denkbar. Damit würde China und Russland ins Abseits gestellt. Das wäre auch im Interesse von Kim Jong-un. Im Grundsatz: Trump zerlegt das Geflecht internationaler Abhängigkeiten und zieht seine zweiseitigen Deals durch. Er könnte damit Erfolg haben.
Mit Vorschußlorbeeren wäre ich vorsichtig. Selbst wenn es einen Deal gibt, bedeutet es nicht, daß sich Nordkorea daran hält. Es gibt da gewisse Erfahrungen aus der Geschichte. http://www.zeit.de/1994/44/ein-bombengeschaeft/komplettansicht Gut, Kim Jong-Un war damals noch nicht an der Macht und auch er hat die Chance verdient, seine Redlichkeit zu beweisen.
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