Treffen von Kim und Trump Top-Diplomaten sollen das Gipfel-Chaos beseitigen

Unter größter Zeitnot soll eine US-Delegation nun doch noch Details eines Nordkorea-Gipfels aushandeln. Angeführt wird das amerikanische Unterhändler-Team von Sung Kim - der steht vor großen Aufgaben.

US-Diplomat Sung Kim, nordkoreanische Politikerin Choe Son Hui
YONHAP/EPA-EFE/REX/Shutterstock

US-Diplomat Sung Kim, nordkoreanische Politikerin Choe Son Hui

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Zehn Jahre ist es her, dass US-Diplomat Sung Kim mit einer Expertengruppe nach Pjöngjang fuhr, um Tausende Seiten Informationen über den Atomreaktor Yongbyon zu sammeln. Mit diesen sollten US-Sicherheitsbehörden ermitteln können, über wieviel Plutonium die Diktatur bereits verfügte. Heute sind die Annahmen darüber, was Machthaber Kim Jong Un im Kriegsfall einsetzen könnte, weit alarmierender: Mehr als 20 Atomwaffen sowie Interkontinentalraketen, schätzen die CIA und andere Experten.

Und wieder steht Sung Kim vor der Aufgabe, zwischen dem nordkoreanischen Regime und den USA zu vermitteln. Er leitet das US-Team, das am Sonntag nach tagelangem Hin und Her um ein Treffen mit Diktator Kim Jong Un von US-Präsident Donald Trump nach Nordkorea geschickt worden war. Bis Dienstag soll dort geklärt werden, ob Nordkorea tatsächlich bereit ist, sein Atomprogramm komplett aufzugeben - und wie das dann zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. An diesen Forderungen hält die US-Regierung offenbar fest.

Sung Kim, in Südkorea geboren und in den Vereinigten Staaten aufgewachsen, gilt als ausgewiesener Nordkorea-Experte - arbeitet allerdings seit 2016 als Botschafter auf den Philippinen. Der Posten des US-amerikanischen Top-Diplomaten in Südkorea ist seit mehr als einem Jahr vakant. Der damals von Präsident Barack Obama eingesetzte Mark Lippert trat am Tag der Amtseinführung von Donald Trump zurück. Seither ist sein Stellvertreter vorübergehend zuständig. Sung Kim war von 2011 bis 2014 als US-Botschafter in Seoul.

"Es ist gut, dass er nun dabei ist", sagte ein ehemaliger Offizieller aus Südkorea der Nachrichtenagentur Reuters. Er will schon mit Sung Kim zusammengearbeitet haben und sagt: "Er ist fähig, besonnen und vorsichtig, und besitzt eine fundierte Kenntnis über Nordkorea. Gleichzeitig ist er im gesunden Maß skeptisch."

Nordkorea schickt Vize-Außenministerin

Der US-Delegation sitzt bei den Gipfel-Vorverhandlungen im Grenzort Panmunjeom die nordkoreanische Vize-Außenministerin Choe Son Hui gegenüber. Genauso wie die US-Experten hat sie jahrelange Erfahrungen im diplomatischen Auseinandersetzungen um das Atomprogramm der Kim-Diktatur. Sie gilt als gut vernetzt in den Machtzirkeln des Regimes. Laut "South China Morning Post" hat sie als Tochter eines ehemaligen Premierministers des Landes direkten Kontakt zu Kim Jong Un.

Auch in Singapur, dem geplanten Ort des Gipfels, werden nun unter Zeitdruck die Vorbereitungen wieder vorangetrieben. Offenbar will Trump an dem angepeilten Datum des 12. Juni festhalten. Dorthin wurde nun eine zweite Delegation geschickt. Sie soll klären, wer an den Verhandlungen teilnehmen soll, ob und wie viele Pressevertreter zugelassen werden und wie die Sicherheit der Teilnehmer gewährleistet werden kann, schreibt die "New York Times". Ob das in zwei Wochen Vorlaufzeit überhaupt machbar ist?

Wie ernst es Trump nun aber doch wieder mit dem Treffen meine, zeige nicht zuletzt die Entsendung der Expertengruppe nach Panmunjeom, sagt Abraham Denmark, ein ehemaliger Mitarbeiter des US-Außenministeriums, laut Reuters. Damit sei auch klar, "dass eine Organisation des Gipfels von Washington aus nicht funktioniert hat und dass Unterhändler die Details eines solchen Treffens aushandeln sollten."



insgesamt 9 Beiträge
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marialeidenberg 28.05.2018
1. Na, bravo.
Jetzt müssen seine Leute in Rekordzeit Spickzettel herstellen, in der Hoffnung, dass er den darin enthaltenen Sinn gleich beim ersten Lesen erfasst. Denn zum Einüben von Rollenspielen wird die Zeit wohl nicht ausreichen.
g.eliot 28.05.2018
2.
Es gab schon einen Anwärter für den Botschafter-Posten in Seoul: Victor Cha, ein erfahrener Korea-Experte. Doch Trump ließ ihn im Januar fallen, nachdem Mr. Cha sich zu Trumps Plänen für "limited strike", also einen eingeschränkten Angriff auf Nordkorea negativ geäußert hatte. So ist es bei Donald Trump: Er es wagt, eine kritische Meinung zu äußern, fliegt. Jetzt ist der Admiral Harry Harris im Gespräch und wird wohl auch nach Seoul akkreditiert. Es wurde lange bemängelt, dass Trump kein Expertenteam einberufen hatte, um die Verhandlungen vorzubereiten. Nun wagte ein White House Asien-Experte anzumerken, dass man jetzt praktisch nur noch 10 Minuten Zeit hätte, was Trump natürlch verärgert dementierte. Inzwischen steht die Personalie des "Leakers" fest. Mal sehen, wenn er seinen Scheibtisch aufräumen muss...
joG 28.05.2018
3. “Unter großem Zeitdruck”...
... es sicher schwer noch hinzukommen mit den Plänen. Immerhin haben sie drei Tage verloren! Aber ernsthaft. Es gibt nicht viel zu verhandeln als später die Details, wozu dann sicherlich etliche Wochen Zeit ist. Wollen wir nur hoffen, dass Kim nicht glaubt er könne damit durchkommen die Mindestbedingungen des Sicherheitsrats zu ignorieren. Denn die Tatsache seiner angeblichen nuklearen Waffen bedeutet weniger Sicherheit für ihn und sein Land und nimmt Ländern wie Russland oder China die Basis sich einzumischen. Und als nuklear bewaffnetes Land, das Interkontinentalraketen entwickelt, entfällt der Schutz nuklear nicht bewaffneter Länder vor einem nuklearen Erstschlag.
sven2016 28.05.2018
4.
Maximalforderung noch vor Beginn von Gesprächen kann nur scheitern. Bolton regt die "libysche Lösung" an, und das soll helfen? War für Gaddhafi wirklich ein echter Gewinn. Und das Land ist seitdem zerstört. Sollte jemand für Trump die "Abraham-Lincoln-Lösung" vorschlagen und Theatertickets schicken, wäre der wohl auch nicht begeistert.
Atheist_Crusader 28.05.2018
5.
Zitat von joG... es sicher schwer noch hinzukommen mit den Plänen. Immerhin haben sie drei Tage verloren! Aber ernsthaft. Es gibt nicht viel zu verhandeln als später die Details, wozu dann sicherlich etliche Wochen Zeit ist. Wollen wir nur hoffen, dass Kim nicht glaubt er könne damit durchkommen die Mindestbedingungen des Sicherheitsrats zu ignorieren. Denn die Tatsache seiner angeblichen nuklearen Waffen bedeutet weniger Sicherheit für ihn und sein Land und nimmt Ländern wie Russland oder China die Basis sich einzumischen. Und als nuklear bewaffnetes Land, das Interkontinentalraketen entwickelt, entfällt der Schutz nuklear nicht bewaffneter Länder vor einem nuklearen Erstschlag.
Also den Gedankengang müssen Sie mal näher ausführen. Aus Sicht einer schwächeren Nation scheint es mir nämlich auf das Gegenteil hinauszulaufen: nur Atomwaffen bieten überhaupt Sicherheit: - Irak hatte keine (auch wenn das Gegenteil behauptet wurde) und wurde invasiert - Libyen hatte keine (hatte wenige Jahre zuvor die Bemühungen aufgegeben) und wurde von Rebellen und deren ausländischer Unterstützung zersetzt - Georgien hatte keine und wurde attackiert (wird es immer noch, das interessiert nur keinen) - Ukraine hatte keine (hatte welche zu Sowjetzeiten, hat sie aber für Sicherheitsgarantien aufgegeben) und wurde attackiert (von ebem dem der diese Garantien gegeben hatte) Internationales Recht lässt sich brechen, speziell wenn man ein Veto im Weltsicherheitsrat hat (oder Jemanden kennt der seinen für einen einsetzt) und konventioneller Krieg begünstigt die Nationen die eh schon stark sind. Und wer sich nicht wehren kann ist der Gnade der Großen ausgeliefert. Hätte Deutschland nicht Frankreich als Bündnispartner, würde ich ein eigenes Atomwaffenprogramm unterstützen.
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