Historisches Treffen in Singapur Trump sagt "großartige Beziehung" zu Kim voraus

Handschlag, Schulterklopfer, freundliche Worte zum Auftakt: Nach monatelangem Hin und Her haben sich Donald Trump und Kim Jong Un in Singapur getroffen. Laut dem US-Präsidenten liefen die ersten Gespräche "sehr, sehr gut".


Mit einem historischen Handschlag haben US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am Dienstag in Singapur ihr mit Spannung erwartetes Gipfeltreffen begonnen. Beide Politiker wirkten zunächst sehr ernst und konzentriert, als sie aufeinander zuschritten und sich die Hände gaben. "Schön Sie zu treffen, Herr Präsident", sagte Kim. Trump fasste seinem Gegenüber zwei Mal kurz an die Schulter, beide blicken vor jeweils sechs Flaggen ihrer Länder in die Kameras.

Später gingen sie ein kurzes Wegstück gemeinsam, Trump richtete ein paar Worte an Kim, ein freundliches Lächeln. "Wir werden eine großartige Beziehung haben", sagte Trump kurz darauf in einem Statement vor laufenden Kameras. Kim erklärte, der Weg zu seinem Treffen mit dem US-Präsidenten sei "nicht leicht" gewesen. "Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier."

Trump und Kim zogen sich anschließend hinter verschlossene Türen zurück. Im ersten Teil der Beratungen waren nur eine Übersetzerin und ein Übersetzer an ihrer Seite. Das Gespräch dauerte eine knappe Dreiviertelstunde, Trump sagte anschließend, es sei "sehr, sehr gut" verlaufen. "Exzellentes Verhältnis", betonte er.

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Trump und Kim in Singapur: Ein bisschen Frieden

Anschließend setzten sich Trump und Kim in größerer Runde zu Gesprächen zusammen. Auf US-Seite kamen Außenminister Mike Pompeo, der Nationale Sicherheitsberater John Bolton und Trumps Stabschef im Weißen Haus, John Kelly, hinzu. An der Seite Kims saß unter anderem der frühere Geheimdienstchef Kim Yong Chol (alle Fakten rund zum Treffen können Sie hier nachlesen, die aktuellen Entwicklungen können Sie hier verfolgen).

Video zum Gipfel-Ort: Fast wie in Mar-a-Lago

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Ob eine grundsätzliche Einigung auf die von den USA geforderte atomare Abrüstung Nordkoreas oder zumindest auf einen Fahrplan für den weiteren Prozess gefunden werden kann, ist völlig offen. Unterhändler hatten bis zur letzten Minute um mögliche Vereinbarungen gerungen. Der erste Gipfel beider Länder wird von großen Hoffnungen begleitet. Der Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ist einer der gefährlichsten Konflikte der Welt.

In einem Tweet wies Trump am frühen Dienstagmorgen seine Kritiker zurecht. "Wir haben unsere Geiseln (zurück), die Tests, die Forschung und alle Raketenabschüsse sind gestoppt", schrieb er. "Und diese Experten, die mir von Anfang an Fehler vorwarfen, haben nichts anderes zu sagen. Wir werden okay sein." Mit dem Hinweis auf die Geiseln bezog sich Trump auf drei US-Bürger, die vergangenen Monat aus der Haft in Nordkorea freigelassen worden waren.

In US-Medien waren zuvor Zweifel aufgekommen, ob die USA bei dem Gipfel mit Kim entscheidende Fortschritte erzielen können. Während das Weiße Haus verbreitete, die Vorgespräche liefen besser als erwartet, wurde spekuliert, die USA könnten bei den Nordkoreanern gegen eine Wand laufen. Trump hatte am Vortag erklärt, er werde bereits am Dienstagabend nach dem Gipfel wieder nach Hause fliegen. In früheren Planungen war von Mittwoch die Rede gewesen.

Mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Koreakriegs 1953 streben beide Seiten als Grundlage für eine atomare Abrüstung auch eine Friedenslösung mit dem US-Verbündeten Südkorea an, da damals nur ein Waffenstillstandsabkommen besiegelt worden war. Nie zuvor ist ein amtierender amerikanischer Präsident mit einem Führer des isolierten Landes zusammengetroffen.

"Eine vollständige, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel ist das einzige Ergebnis, das die USA akzeptieren werden", gab US-Außenminister Pompeo als Messlatte vor. "Wenn sich die Diplomatie nicht in die richtige Richtung bewegt, werden die Sanktionen verschärft."

Im Gegenzug will Nordkorea allerdings außer starken Sicherheitsgarantien eine Aufhebung der scharfen Sanktionen, die die Vereinten Nationen und die USA auch einseitig als Reaktion auf die Atom- und Raketentests Pjöngjangs verhängt hatten.

aar/dpa/AFP

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Kiwimann 12.06.2018
1. Na, endlich !
Genau so habe ich mir die Entwicklung vorgestellt. Hier treffen sich nicht verlogene Politiker sondern Menschen mit gesundem Verstand. Beide sind vom selben Kaliber und das ist gut so, denn dadurch geht es endlich voran. Ein lange ueberfaelliger Friedensvertrag zwischen beiden Teilen Koreas ist in Sicht, die Amerikaner ziehen sich aus Korea zurueck und sparen viel Geld, das sie fuer Infrastruktur im eigenen Lande dringend brauchen. Looser an dieser Entwicklung sind dann nur die Medien, die durch Hetze Unfrieden aufrechterhalten wollen, weil Unheil sich besser verkauft und nur um Mammon geht es ihnen.
lepuslateiner 12.06.2018
2. Der DEALER
Trump dealt um seinen Erfolg, weil er sich 1. bei den Midterm im November d. J. und dann 2. auch für seine Wiederwahl in 2 Jahren ins rechte Licht als GRÖPRÄS aller Zeiten setzen will. Er ist kein Chef-Staatenführer - noch ein Chef-Politiker, aber ein Chef-Dealer ! Heute kann man/er dem Raketenmann viel versprechen - die echten Verhandlungen kommen ja erst in den nächsten Jahren. Einem Dealer ist ein Leichtes den anvisierten Deal deshalb wieder platzen zu lassen, weil die Gegenseite gegen Absprachen verstoßen hat. Dem Dealer hat aber ein solcher Deal deutlich geholfen. Warten wir mal' die Pressekonferenz ab !
alternativlos 12.06.2018
3. Wat für‘n Theater
„Das ganze Leben ist ein Quiz und wir sind nur die Kandidaten.“ In der Logik der Spieltheorie müssten beide sich anschweigen und gleichzeitig ihr kooperatives Verhalten dominanter zur Schau stellen, als es andere „Gefangene“ der Vergangenheit bisher gezeigt haben. Wenn aber die Kandidaten falsch Spielen, dann wird jedes Quiz zu einem Theater, mal tragisch, mal komisch oder beides gleichzeitig.
Little_Nemo 12.06.2018
4. Weder groß noch artig - der Donald
Trump findet doch ständig alles mögliche "großartig", was ihm gerade in den Kram passt. Das hat nun wirklich nichts zu sagen. Er stellt irgendwelche Leute ein und ist sich sicher, dass die einen "großartigen" Job machen werden. Zwei Wochen später entlässt er sie dann wieder. "Großartig". Trump findet vor allem sich selbst ganz "großartig". Ist halt eines der wenigen Wörter in seinem überschaubaren Wortschatz. Dabei halte ich es durchaus für denkbar, dass dies der Beginn einer "großartigen" Freundschaft ist. Irgendwie passen diese beiden bizarren, schrulligen und egomanen Figuren ja recht gut zusammen.
bernteone 12.06.2018
5. Da haben sich 2 gesucht und gefunden
Vom Typ her ähnlich und beide brauchen unbedingt den Erfolg . Warum sollte es nicht klappen das man so sich irgendwie einig wird . Danach kann Amerika Waffen , Autos und andere Konsumgüter nach Nordkorea verkaufen um seine bescheidene Außenhandelsbilianz aufzubessern . Vielleicht hört er dann mit seinem ständigen Gejammer auf wie ungerecht Amerika vom Rest der Welt behandelt wird . Für Japan und Südkorea wird es mehr Sicherheit bringen , leider für den Rest der Welt nicht . Wenn Nordkorea abgearbeitet ist kann er seine ganze Energie als größter Macher aller Zeiten ganz auf den Iran konzentrieren und weiter für Chaos im Nahen Osten sorgen .
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