Zweiter Tag des Hanoi-Gipfels Kim nennt US-Verbindungsbüro in Nordkorea begrüßenswert

Es wäre ein Zeichen der Entspannung zwischen Washington und Pjöngjang: Donald Trump und Kim Jong Un sprechen über die Eröffnung eines US-Verbindungsbüros in Nordkorea.

REUTERS

US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un haben ihr Gipfeltreffen in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi fortgesetzt. Die beiden trafen sich am Donnerstag im Luxushotel Metropole zu einer neuen Verhandlungsrunde, zwischendurch spazierten sie gemeinsam durch den Innenhof. Trump sagte dabei erneut, er habe bei den Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm "keine Eile".

"Geschwindigkeit ist für mich nicht so wichtig." Wichtiger sei es, zu einem "richtigen Abkommen" über eine atomare Abrüstung Nordkoreas zu gelangen, sagte Trump. Kim bekräftigte, dass auch sein Land Interesse an einem "guten Ergebnis" des Treffens habe. Er werde "sein Bestes" für eine "großartige" Übereinkunft geben, sagte Kim und sprach von einem "großartigen Dialog" mit dem US-Präsidenten.

Nur kurz darauf wurde Kim von einem Journalisten gefragt, was er von einem US-Verbindungsbüro in Nordkorea halten würde. Dies wäre "begrüßenswert", sagte Kim. Trump sprach von einer "guten Idee".

Ein Verbindungsbüro hat nicht den Rang einer Botschaft, würde aber einen Schritt hin zu einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang bedeuten. Vergangenen September hatten Nord- und Südkorea ein solches Verbindungsbüro an der Ländergrenze eröffnet.

Kim bekräftigt Bereitschaft zur atomaren Abrüstung

Kim bestätigte vor den Reportern auch seine grundsätzliche Bereitschaft zur atomaren Abrüstung. Auf die Frage eines Reporters, ob er dazu bereit sei, sagte Kim: "Wenn ich nicht bereit wäre, es zu tun, dann wäre ich jetzt nicht hier." Kim wurde auch gefragt, ob er willens sei, konkrete Schritte dafür zu unternehmen. Darauf antwortete er: "Das besprechen wir gerade."

Trump und Kim hatten sich am Mittwoch zu einem kurzen Vieraugengespräch und einem gemeinsamen Abendessen getroffen. Beide Seiten äußerten sich anschließend positiv. Unklar blieb jedoch, ob bei der zentralen Frage der nuklearen Abrüstung Nordkoreas Fortschritte erzielt wurden. Am Donnerstag nun stehen die tiefer gehenden Gespräche an.

Acht Monate nach ihrem historischen Treffen in Singapur unternehmen Trump und Kim in Hanoi einen zweiten Anlauf, um eine Friedenslösung und die atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel voranzubringen. "Ich weiß es sehr zu schätzen, dass keine Atomwaffen, Raketen getestet werden. Nichts davon", sagte Trump vor Journalisten. "Der Vorsitzende Kim und ich hatten gestern Abend großartige Gespräche."

Trump verwies auf Kim, ob er auch etwas zu seinen Atom- und Raketentests sagen wollte, doch der äußerte sich nicht zu diesem Punkt. Auf die Frage, ob er zuversichtlich über den Verlauf des Gipfels sei, antwortete Kim aber: "Es ist zu früh, das zu sagen. Aber ich würde nicht sagen, dass ich pessimistisch bin. Im Moment habe ich das Gefühl, dass es gute Ergebnisse geben wird."

Die Frage hatte der "Washington Post"-Korrespondent David Nakamura gestellt, Kims Übersetzerin sprang daraufhin ein. Medienberichten zufolge war es wohl das erste Mal, dass Kim die Frage eines ausländischen Journalisten beantwortet hat.

Am Donnerstag - dem zweiten und letzten Tag des Gipfels in Hanoi - soll eine gemeinsame Erklärung verabschiedet werden. Spekuliert wird, dass damit der Koreakrieg offiziell für beendet erklärt werden könnte. Trotz des Waffenstillstands von 1953 gilt aus völkerrechtlicher Sicht immer noch Kriegszustand.

Ziel von Trumps Nordkoreapolitik ist die "Denuklearisierung" Nordkoreas, also die atomare Abrüstung. Das kommunistische Land hat mehrfach Atomwaffen getestet. Kim will Gegenleistungen der USA, etwa die Lockerung von Sanktionen.

Video: Trump und Kim starten Gipfel in Hanoi

Wegen des Gipfels lag der Verkehr in Hanoi am Donnerstagvormittag weitgehend lahm. Rund um das Hotel Metropole in der Innenstadt, dem Schauplatz des Treffens, ging wegen der strengen Sicherheitsvorkehrungen überhaupt nichts mehr.

Trump will sich noch am Donnerstagabend auf die Heimreise nach Washington machen. Kim wird wohl bis zum Wochenende in Hanoi bleiben.

aar/dpa/AFP

insgesamt 3 Beiträge
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dereuropaeer 28.02.2019
1. Kim und Trump
Wenn Trump ein Deal gelingt, dann hat er den Friedensnobelpreis verdient (Satire Ende)
Jörg-Detlef 28.02.2019
2. An Tagen wie diesen
Bin heute eigentlich ganz frohgemut in den Tag gestartet. Dann hat mich Spiegel.de damit konfrontiert, welche Figuren aktuell die weltweiten Schlagzeilen beherrschen, allen voran eben Donald Trump und Kim Jong Un. Ich will nicht überheblich sein, aber ich frage mich schon, womit ich es verdient habe, in einer Welt leben zu müssen, über deren Wohl und Weh solche Gestalten entscheiden. War ich denn wirklich so schlecht zu meinen Eltern?
justice005 28.02.2019
3. Völkerrechtlicher Kriegszustand?
Auch wenn das immer wieder gerne behauptet wird, entweder von Journalisten hinsichtlich Korea oder von Verschwörungstheoretikern hinsichtlich Deutschlands. Das Völkerrecht schreibt nirgends vor, dass ehemalige Kriegsparteien verpflichtet sind, einen Friedensvertrag zu schließen. Anstatt dies immer nur stumpf zu behaupten, möge mir doch bitte mal jemand zeigen, wo das geschrieben sein soll. Friede ist ebenso wie Krieg etwas faktisches. Wenn ehemalige Kriegsparteien wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen und friedlich nebeneinander oder miteinander leben, dann herrscht Friede, egal ob mit oder ohne Vertrag. Umgekehrt herrscht auch Krieg ab der ersten Gewaltanwendung, egal ob formelle Kriegserklärung oder nicht. Ich möchte wirklich mal appellieren, nicht immer wieder diese falschen Behauptungen aufzustellen, denn damit füttert man nur Verschwörungstheoretiker. Besten Dank.
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