Reaktionen auf Gipfeltreffen "Das dicke Ende kommt noch"

Politischer Durchbruch oder doch nur schöne Bilder? Die internationalen Reaktionen auf den US-nordkoreanischen Gipfel fallen unterschiedlich aus. Südkorea zeigt sich irritiert, Iran gibt Kim Jong Un einen Tipp.

Kim Jong Un und Donald Trump
DPA/ The Straits Times/ Singapore Government

Kim Jong Un und Donald Trump


US-Präsident Donald Trump wirkte auf der Pressekonferenz vor internationalen Journalisten wie aufgezogen: Mehrfach betonte er die herausragende Bedeutung des Treffens und seine besondere Beziehung zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Von der Begegnung gehe eine "Botschaft der Hoffnung" und eine "Vision des Friedens" aus.

Doch stellt die gemeinsame Vereinbarung wirklich einen Durchbruch in den Beziehungen der beiden Länder dar - und gibt Nordkoreas Diktator tatsächlich sein Atomprogramm auf?

In Politik und Medien wird das Gipfeltreffen unterschiedlich beurteilt. Die Einschätzungen bewegen sich zwischen dezenter Hoffnung und Skepsis. Der Überblick:

Japans Premierminister Shinzo Abe begrüßte die Erklärung, die Trump und Kim nach ihren Verhandlungen unterzeichneten. "Wir sehen das als Schritt für eine umfassende Lösung", sagte er. Es blieb vorerst bei dieser eher knappen Reaktion aus Tokio.

Die südkoreanische Regierung zeigte sich dagegen eher erstaunt über die Äußerung Trumps, die gemeinsamen Militärmanöver zu verringern. Man müsse ergründen, was Trumps Absichten seien, hieß es aus Seoul. Die Streitkräfte der beiden Verbündeten trainieren bisher regelmäßig gemeinsam.

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Trump und Kim in Singapur: Ein bisschen Frieden

China brachte eine Lockerung der Uno-Sanktionen ins Spiel, sofern Nordkorea sich stärker an die Resolutionen der Vereinten Nationen hielte. Der Uno-Sicherheitsrat hatte wegen Kims Atom- und Raketenprogramms mehrfach Strafmaßnahmen gegen Pjöngjang verhängt.

Iran warnte Kim davor, ein Atomabkommen mit Trump einzugehen. Das berichtet der Sender ABC unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Fars. "Wir haben es mit einem Mann zu tun, der seine Unterschrift widerruft, sobald er im Ausland ist." Der US-Präsident hatte jüngst das Abkommen aufgekündigt und wurde dafür international harsch kritisiert.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) begrüßte die Einigung auf eine Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Die IAEA sei bereit, bei der Überprüfung der Fortschritte zu helfen, wenn dies gefordert werde, sagt IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano.

Das Treffen in Singapur sei ein "entscheidender und notwendiger Schritt" für den Friedensprozess in der Region gewesen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der EU. Die unterzeichnete Erklärung zeige, dass eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen möglich sei, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini.

Der Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger dämpfte dagegen die Erwartungen. "Selbst wenn jetzt eine interessante, inhaltsreiche Vereinbarung unterschrieben sein sollte, kommt das dicke Ende natürlich erst noch einmal nach, nämlich die Frage, halten sich alle dran?", sagte der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz im SWR-"Tagesgespräch".

"Minus mal minus ergibt plus. Mögen den angekündigten Worten wirkliche Taten zur Deeskalation und Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel folgen", sagte Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warnte, Aussagen Trumps hätten "eine Halbwertzeit gerade mal von einem Tweet". Auch auf Kim sei kaum Verlass: "Wir haben es hier mit zwei - milde ausgedrückt - unbeständigen Charakteren zu tun."

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Alexander Graf Lambsdorff, sprach von einem "ungedeckten Scheck". Die gemeinsame Abschlusserklärung sei "wenig konkret" und lasse viele Fragen offen.

Positiv nahm die AfD die Vereinbarungen auf: Der stellvertretende AfD-Bundessprecher Georg Pazderski sprach von einem "historischen Meilenstein". Er lobte Trumps "klare Agenda". Die Vereinbarung zeige, "dass eine klare Politik zugunsten des eigenes Landes auch für die Welt insgesamt zu positiven Ergebnissen führen kann".

In den internationalen Medien wird das Treffen ebenfalls eher skeptisch gesehen:

So schreibt die "Washington Post" in einer Analyse: Der Präsident zähle auf seine Fähigkeiten, Kim davon überzeugen zu können, das Atomwaffenprogramm komplett aufzugeben - und dass das Sicherheitsversprechen im besten Interesse Nordkoreas und der Welt sei. "Doch dafür bedarf es Disziplin und Einsatz, die bisher nicht Teil des politischen Werkzeugkastens des Präsidenten waren." Trump müsse sein ungestümes Verhalten ablegen, das er etwa nach dem G7-Gipfel zeigte, als er die Unterstützung des Abschlusskommuniqués plötzlich zurückzog.

Der britische "Guardian" kommentiert: "Gipfeltreffen waren für Trumps Vorgänger unwichtig. Denn sie wollten die Verhandlungen vorantreiben und nicht wie Trump an ihrem Image feilen. Sie entschieden, sich nicht mit dem nordkoreanischen Führer zu treffen, denn sie sahen darin keinen Vorteil."

mho/dpa/Reuters/AFP

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