Trump und Kim starten Gipfel in Hanoi Show, Shrimps, Schmeicheleien

Der Gipfel von Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim läuft. Unklar bleibt, welche Konzessionen der US-Präsident machen wird, um sich einen PR-Erfolg zu sichern - und von seinen Skandalen abzulenken.

Aus Hanoi berichtet


Donald Trump kommt zuerst. Langsam schiebt sich die Autokolonne des US-Präsidenten durch die erleuchteten Straßen Hanois. Hinter den Barrikaden und Absperrseilen winken Schaulustige mit Fähnchen. Als Trump schließlich am Luxushotel Metropole eintrifft, ziehen Polizisten schnell einen schwarzen Vorhang zu, der verbirgt, wie er aussteigt.

Kim Jong Uns Konvoi erscheint ein paar Minuten später aus derselben Richtung, wie immer flankiert von seinen joggenden Leibwächtern. Der nordkoreanische Machthaber verschwindet durch ein Zelt in das Hotel.

Drinnen sind zwölf Flaggen aufgebaut. Trump kommt von links, Kim von rechts. Sie schütteln sich die Hand, blinzeln angespannt in die Kameras, setzten sich dann auf zwei Stühle, dazwischen ein Blumenstrauß. Die Anspannung weicht ein wenig. Die Reporter rufen Fragen in englischer Sprache, Kim guckt irritiert. Beide Männer schwitzen sichtlich.

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Trump trifft Kim: Dicke mit dem Diktator

Eine der Fragen dreht sich um Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen, der seinen früheren Chef nur wenig später im Kongress als Rassisten und Betrüger bezeichnen wird. Die Skandale holen Trump auch hier ein.

"Großer Führer", "ganz spezielle Beziehung"

Der Auftakt des zweiten Atomgipfels von Trump und Kim wirkt weniger wie ein historischer Staatsakt als wie unbeholfenes Speeddating. Alles etwas provisorisch, trotz des großen Protokolls. Sogar der runde Tisch, an dem sich die beiden schließlich im kleinen Kreis zum Dinner niederlassen, sieht so aus, als würde er bald zusammenbrechen.

Woran sie nicht sparen, sind Komplimente. Trump preist Kim, den brutalen Diktator, als "großen Führer", zu dem er inzwischen eine "ganz spezielle Beziehung" habe, die hoffentlich in einer "wundervollen Situation" ende. Kim ist zurückhaltender, lobt aber die Gipfeldiplomatie Trumps - via Dolmetscherin - als "mutige politische Entscheidung".

Die Schmeicheleien, die sie seit ihrem ersten Gipfel in Singapur im Sommer 2018 austauschen, eskalieren bei diesem zweiten Gipfel in schamlos-offensichtlicher Bauchpinselei.

Video: Frühere Erzfeinde - Handshake zwischen Trump und Kim in Hanoi

Bei den Zielen sind sie freilich uneins, da helfen auch alle netten Worte wenig. Es gibt die Befürchtung, dass Trump die Sanktionen gegen Nordkorea lockern könnte, ohne im Gegenzug große Konzessionen von Kim zu bekommen. Schließlich dürfte der sein über Jahrzehnte aufgebautes Atomprogramm kaum aufgeben wollen. Doch Trump schielt ohnehin eher auf einen PR-Erfolg - etwa eine Friedenserklärung, die er bei den nächsten Wahlen als historischen Durchbruch verkaufen könnte.

Weshalb dieser Abend auch erst mal nur als höfliche Ouvertüre zu verstehen ist - doch wozu? "Wir werden sehen", weicht Trump dieser Frage aus.

Die Stadt hat sich für den Gipfel herausgeputzt

Hanoi, die kommunistische Millionenmetropole, hat jedenfalls den roten Teppich ausgerollt. Überall hängen Flaggen der USA, Nordkoreas und Vietnam mit dem Gipfelsymbol, einem Handschlag. In den Cafés laufen Fernseher mit den Gipfelnachrichten, Bars verkaufen "Gipfeldrinks", in den Schaufenstern hängen Gipfel-T-Shirts mit den Konterfeis von Trump und Kim und dem Aufdruck "Peace".

Vietnam will einen guten Eindruck machen. Man habe "alle Anstrengung" unternommen, um "die besten Konditionen für den Erfolg dieses sehr besonderen Treffens" zu schaffen, sagt Präsident Nguyen Phu Trong, bevor er Trump in seinem Palast begrüßt. "Wir wissen die Bedeutung von Frieden und Versöhnung sehr zu schätzen."

Trump (l.), Kim
AP

Trump (l.), Kim

Trotzdem geht nicht alles glatt. Der US-Pressepool wird - bis auf eine Reporterin - vom Dinner ausgesperrt, weil es den Nordkoreanern missfällt, dass Trump nach Cohen gefragt wird. Einige Amerikaner mussten tags zuvor schon wegen Kim das Hotel wechseln. Diplomaten klagen, sie hätten den Gipfel sehr kurzfristig organisieren müssen.

Bloß kein kompliziertes Menü

Auch das Metropole steht erst im letzten Moment als Tagungsort fest. Das koloniale Hotel hat eine schillernde Geschichte, die Suiten sind nach berühmten Gästen benannt, von Charlie Chaplin bis George Bush. Das Haus gilt als diskret, aber schwer zu bewachen in der verwinkelten Altstadt.

Dann ist da die Sache mit dem Menu. Bis zuletzt sollen die Köche um eine akzeptable Speisefolge gerungen haben. Vor allem das Weiße Haus, hieß es, habe auf "supereinfachen" Gängen bestanden. Nach langem Hin und Her einigt man sich auf Shrimp-Cocktail, Sirloin-Steak und ein Dessert namens "Schokoladenlava".

Nach eineinhalb Stunden ist das Dinner vorbei, beide Seiten rauschen ohne weitere Statements in ihre Hotels zurück. Zur selben Stunde beginnt in Washington die Aussage von Michael Cohen.

insgesamt 31 Beiträge
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helmut46 27.02.2019
1. Die bekannten, verlogenen Lobhudeleien von Trump !!!!!
Da treffen sich zwei, denen man beiden nicht trauen kann. Das "Freund"-Getue von Trump ist ein Grund, besonders misstrauisch zu sein, denn Trump`s Strategie ist doch ausnahmslos: Drohen, Erpressen und Sanktionieren Wenn dieses Treffen dem nordkoreanischen Volk tatsächlich das Leben erleichtert, dann wäre das schon ein Fortschritt. Seine Waffen wird Kim ohnehin behalten, denn die sind seine Lebensversicherung. Trump hat keineswegs vor, Sanktionen gegen Nordkorea zurückzunehmen und Kim wird einen Teufel tun und seine Lebensversicherung aufkündigen. Wir werden nichts wirklich Neues nach diesem Schaugipfel zu hören bekommen. Niemand wird von Nordkorea bedroht. Um nicht das Schicksal von Ländern wie Irak, Libyen oder Afghanistan zu erleiden, macht es deshalb durchaus für Kim Sinn, eigene Atomwaffen zu besitzen. Keine andere Strategie schützt besser vor einer amerikanischen Aggression.
daishi666 27.02.2019
2. Cadet Bone-Spurs...
... hat es letztlich doch nach Vietnam geschafft. Die Ironie dürfte an ihm und seinen Anhängern aber komplett vorbeigehen. Ansonsten ist nicht viel zu Erwarten. Kim wird keine Atomwaffen aufgeben, allenfalls Versprechungen abgeben. Trump wird es hauptsächlich als Chance sehen sich selbst zu Feiern und das ihm für diese "Glanzleistung" noch der Friedensnobelpreis zusteht.
cipo 27.02.2019
3.
Zitat von daishi666... hat es letztlich doch nach Vietnam geschafft. Die Ironie dürfte an ihm und seinen Anhängern aber komplett vorbeigehen. Ansonsten ist nicht viel zu Erwarten. Kim wird keine Atomwaffen aufgeben, allenfalls Versprechungen abgeben. Trump wird es hauptsächlich als Chance sehen sich selbst zu Feiern und das ihm für diese "Glanzleistung" noch der Friedensnobelpreis zusteht.
Und auch die Ironie, dass er das sozialistische Vietnam als leuchtendes Beispiel für Nordkorea bezeichnet, während er zuhause gegen die sozialdemokratisch angehauchten Demokraten wie ein Irrer hetzt.
fjodfjod 27.02.2019
4. Marc Pitzke „berichtet“
... und hält dabei die Regeln des sich professionell verhaltenden Journalisten ein, lässt wie es sich gehört seine persönliche Meinung draußen, für ihn zählen nur die nüchternen Fakten
ratibor44 27.02.2019
5.
Ich wundere mich, dass die ersten drei Headlines ueber (gegen) Trump sind. Ist in Deutschland nichts los?
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