Geplatzter Trump-Kim-Gipfel in Hanoi Wie es zum Scheitern kam

US-Präsident Trump und Nordkoreas Diktator Kim haben das Gipfeltreffen in Vietnam verkürzt und ohne Abschlusserklärung verlassen. Was genau ist passiert und wie könnte es weitergehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.


Es sollte der Höhepunkt des zweiten Gipfels zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un werden: In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi wollten beide am Mittag des zweiten Tages (Ortszeit) eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen. Aber daraus wurde nichts. Trump trat allein vor die Presse und der Gipfel scheiterte vorzeitig. Ein konkretes Ergebnis: Fehlanzeige.

Warum ist der Gipfel geplatzt?

Die Positionen Trumps und Kims waren wohl letztlich zu verschieden. Der US-Präsident besteht auf der kompletten Denuklearisierung Nordkoreas. So erklärte er, die US-Seite habe Kim aufgefordert, außer der Anlage zur Anreicherung von Uran für Atomwaffen in dem Nuklearkomplex Yongbyon noch eine weitere Stätte an anderer Stelle zu schließen. "Ich denke, er war überrascht, dass wir darüber Bescheid wussten", sagte Trump. Nordkoreas Machthaber wiederum forderte, dass sofort alle Sanktionen gegen sein isoliertes Land aufgehoben werden. Dafür aber müsse Nordkorea "mehr tun", sagte der US-Präsident. Das wiederum wollte Nordkorea offensichtlich nicht zusagen. Eine Annäherung in Form eines Kompromisses war anscheinend unmöglich.

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Trump trifft Kim: Das Gipfel-Fiasko

Was bedeutet das Scheitern für den Konflikt?

Es ist eindeutig ein Rückschlag. Das erste Treffen in Singapur war ein wichtiges Symbol, letztlich aber vor allem eine PR-Show. Nun, in Hanoi, musste also wirklich etwas passieren, so die allgemeine Erwartungshaltung. Das ist nicht gelungen. Auch für den US-Präsidenten selbst ist das eine Enttäuschung. Er betont gern, dass er durch die Verhandlungen mit Nordkorea einen Atomkrieg verhindert habe, spekuliert offenbar sogar auf den Friedensnobelpreis. Nun aber kehrt auch er mit leeren Händen in die USA zurück.

Droht der Streit nun erneut zu eskalieren?

Auch wenn der Gipfel ohne Ergebnis endete, ist das eher unwahrscheinlich. Der Umgangston zwischen Trump und Kim hat sich in den vergangenen Monaten extrem gewandelt. Sie gehen nicht mehr feindselig miteinander um, sondern betont freundlich. Dabei blieb Trump auch bei seiner Pressekonferenz in Hanoi. Er betonte einmal mehr das gute Verhältnis zu Kim und stellte sich gegen die Idee verschärfter Sanktionen. Kim habe außerdem zugesagt, weiterhin keine Atomtests durchzuführen und auch keine ballistischen Raketen zu testen. Trump sagte, er glaube ihm. Kim selbst hat sich allerdings noch nicht zum Gipfel oder zu seinen weiteren Plänen geäußert.

Welche Seite hat das Treffen vorzeitig beendet?

Dieser Frage wich Trump aus - deutete aber mehrfach an, dass dieser Schritt auf ihn zurückgehe. "Ich möchte nicht sagen, dass es meine Entscheidung war. Ich möchte ja die Beziehung weiter aufrechterhalten." Und außerdem: "Sie müssen jederzeit in Verhandlungen bereit sein, aufzustehen und zu gehen." Klar ist aber auch, dass Trump an einem Bild gelegen sein dürfte, in dem er selbst den Verhandlungstisch verlässt. Und nicht eines, in dem Kim die Gespräche mit ihm abbricht.

Ist bereits ein drittes Treffen geplant?

Nein, dafür gibt es noch keinen Termin. "Wir werden sehen, was passiert", sagte Trump. Die Verhandlungen gehen nach seiner Aussage aber weiter. Zuvor hatte bereits das Weiße Haus mitgeteilt, die "jeweiligen Teams" beider Staaten wollten die Gespräche in Zukunft fortsetzen.

aev/dpa/AFP



insgesamt 88 Beiträge
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Addams 28.02.2019
1. Gähn...
Da haben sich zwei deren Macht auf Lügen basieren darauf verständigt, sich gegenseitig zu helfen, indem sie dem Anderen attestieren ein starker Mann zu sein. Kasperletheater auf Weltniveau.
detrius 28.02.2019
2. Kabuki Theater
Trump nutzt diese Treffen nur zur Selbstinszenierung, um von seinen rechtlichen Problemen abzulenken. Da gestern die ganze Welt auf Washington geschaut hat, hat er das Interesse an den "Verhandlungen" verloren. So einfach ist das.
antimaterie 28.02.2019
3. Ohne jedes Mysterium
Donald Trump ist einfach nur super in seiner erratischen Verve voller Verachtung für alles, was jemals ohne ihn erreicht wurde. Er löst den amerikanischen Traum für sich ein. Ohne Rücksicht. Das ist ohne jedes Mysterium.
frankfurtbeat 28.02.2019
4. da ...
da kommen die "schwergewichtigen" Politiker aus der USA und meinen Nordkorea den Fahrplan aufzeigen zu können? Selbst in freundlichem Ton wird ein Befehl von den USA nicht angenommen ... ignoriert - verneint. Da kann Pompeo weiterhin die Backen aufblasen, Trump freundlich lächeln - Kim ist nicht so blöd wie gerne gewünscht. Auch weiß er das die USA bei dem angedeuteten Wachstum lediglich von ihren Vortstellungen aus gehen - zukünftig Frittenbuden und Süssgetränke an jeder Ecke. Auto´s die keiner braucht und schon gar nicht bezahlen kann. Kim hat China und Russland in der Hinterhand und braucht die USA tatsächlich nicht ...
DietrichHorstmann 28.02.2019
5. Was wirklich dahintersteht wird in 50 Jahren bekannt werden
Die Mächte hinter Nordkoreas Diktator China und Russland werden eine Einigung kaum befürwortet haben. Ich vermute, dass die von Trump geforderte Öffnung des Landes für Privatinvestoren auch nicht auf Zustimmung gestoßen ist. Die Atomwaffen scheinen mir jedenfalls nur ein Vorwand für Trump zu sein. Diese hält er selbst ja für nicht so gefährlich und ist bereit sie sogar gegen Russland einzusetzen. Ihm und seinem Clan geht's um Profite beim Aufbau des Landes. Staatlich gesicherte Superhotels und Golfplätze für die steigende Zahl der Superreichen Asiens.
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