USA "Der Kongress wird Russland in den Arsch treten"

Der US-Republikaner Lindsey Graham ist einer der schärfsten Kritiker Donald Trumps - und Russlands: Dem Kreml drohte der einflussreiche Senator nun mit drastischen Worten.

US-Senator Lindsey Graham bei der Münchner Sicherheitskonferenz
REUTERS

US-Senator Lindsey Graham bei der Münchner Sicherheitskonferenz


Der republikanische Politiker Lindsey Graham hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Regierung in Moskau heftig kritisiert. "An meinen Freund Mister Lawrow", sagte er in Richtung des russischen Außenminister über die mutmaßliche Beeinflussung der US-Wahlen durch Russland. "Ich hoffe, Sie werden die Konsequenzen zu spüren bekommen."

"2017 wird das Jahr, in dem der Kongress Russland in den Arsch tritt", so Graham. Er forderte von US-Präsident Donald Trump harte Konsequenzen gegenüber Russland, auch wenn die Hackerangriffe nicht gegen seine republikanische Partei, sondern gegen die US-Demokraten gerichtet gewesen seien. Graham gilt als einflussreicher Trump-Kritiker bei den Republikanern.

Russland soll für Hackerangriffe auf Computer in den USA verantwortlich sein, darunter auf Rechner in der Parteizentrale der US-Demokraten. Damit sollten den Vorwürfen zufolge Informationen gestreut werden, die der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton schadeten und Trump zum Wahlsieg verhalfen. Barack Obama hatte deswegen Sanktionen gegen Russland verhängt, deren Aufhebung sein Amtsnachfolger Trump daraufhin in Aussicht stellte. Graham kündigte nun an, dass der US-Kongress mit großer Mehrheit einen Beschluss für schärfere Sanktionen gegen Russland fassen werde.

"Wir alle werden die Presse unterstützen"

Zuletzt hatte sich der Ton zwischen Washington und Moskau deutlich verschärft. Präsident Trump hatte von Russland den Rückzug von der ukrainischen Halbinsel Krim gefordert -was der Kreml umgehend ablehnte und als "Angriff auf unsere territoriale Integrität" verurteilte. Das Verhältnis zwischen den beiden Großmächten kühlt seitdem deutlich ab (mehr dazu lesen Sie hier).

Graham kritisierte den US-Präsidenten für seine Untätigkeit. "Er hat nie in eine Kamera geschaut und gesagt: 'Ich versichere, dass die Russen einen Preis für die Einmischung in unsere Wahl zahlen werden, auch wenn die Demokraten am meisten betroffen waren." Es gebe keine Garantie, dass eines Tages nicht die Republikaner zu Opfern einer ausländischen Wahlmanipulation würden.

Graham schlug daher einen "Pakt" zwischen Republikanern und Demokraten vor, der sich an Artikel 5 der Nato orientiert: "Ein Angriff auf eine Partei ist ein Angriff auf alle." Wer glaube, die Republikaner würden die Wahlmanipulation durch Russland nicht weiter verfolgen, nur weil Trump die Wahl gewonnen habe, werde sich täuschen. "Wir werden darüber abstimmen, und es wird eine Maßnahme beider Parteien sein." Sollte das unterbleiben, "könnten es die Chinesen oder die Iraner als nächstes versuchen", so Graham - "und dann könnten die Republikaner das Ziel sein."

Graham sprang zudem den Medien zur Seite, die Trump zuletzt wiederholt attackiert hatte. Der Senator wies die Behauptung des Präsidenten zurück, die Medien seien "ein Feind des amerikanischen Volkes". Sie könnten manchmal ein "Ärgernis" sein, so Graham, seien aber kein Feind des Volkes. In demokratischen Gesellschaften brauche man unabhängige Journalisten: "Wir alle werden die Presse dabei unterstützen, ihre Arbeit zu machen."

mxw/mbe/AP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 355 Beiträge
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Seite 1
Alias_aka_InCognito 19.02.2017
1. Bravo Senator Graham!
Lindsey Graham, einer der letzten republikanischen Senatoren, die von Format sind. Richtig republikanisch, kein Ochlokrat mit Caesarenwahn vom Schlage Trumps. Er ist einer der Senatoren, die den irren Caesar aus dem Amt entheben werden. Vielleicht Mitte März nächsten Jahres.
felix_tabris 19.02.2017
2. Wann...?
Vielleicht ist mir das entgangen, obwohl ich wirklich jeden Tag SPON lese, jedoch: Wann ist bittschön inzwischen der Kongress zusammengetreten UND hat Trump den Kopf gewaschen? Bis jetzt hat der Dekret-Diktator den demokratischen Kongress quasi umgangen - und absurderweise wieder im "Wahlkampf-Modus" geschaltet, obwohl frisch gewählt. Das kommt mir vor wie ein Süchtiger, der von seiner Droge nicht lassen kann.
b.toennies 19.02.2017
3. Endlich einer der Klartext redet...
Respekt werden die famosen Russen, die derzeit auf der Überholspur zu sein scheine,n nur vor den Leuten und Staaten haben, die Klartext reden so wie Graham... Nicht vor Kaspern wie Bannon oder Trump. Man muss sich das vor Augen führen... Trump bricht mit den bisherigen besten Verbündeten der USA allen voran Australien, Kannada, Deutschland und die EU, stösst China vor den Kopf.. nur einer wird nicht kritisiert... Putins Russland... wer da nicht 1 + 1 zusammenzählen kann muss komplett gaga sein... als alternative Wahrheit versucht Trumps Truppe zu verkaufen das 1 + 1 gleich 3 ist :-))) Einen Funken Hoffnung ist mit den Äußerungen dieses Republikaners verbunden - er hat zu 100 % recht. Den Hackern aus Russland muss das Handwerk gelegt werden... Notfalls z.B. mit der Abkopplung vom Zahlungsverkehr SWIFT wie bei Iran geschehen oder Einschränkung des Internets.. Die USA könnten das.....
olivervöl 19.02.2017
4. Gefährliche Kriegstreiberei
Sollten die USA selbst mit ihrer Homeland Security und der NSA es nicht schaffen, ihre Wahlen vor ausländischer Beeinflussung zu schützen? Diese Behauptungen sind lächerlich und entbehren jeder Beweise. Tatsächlich spricht Senator Graham für die US-Rüstungsindustrie. Obwohl die USA und die Nato das mit Abstand stärkste Militär der Welt besitzen, fühlen sie sich angeblich immer noch bedroht. Mehr Waffen machen die Welt aber nicht sicherer, sondern im Gegenteil gefährlicher.
karl-ecker 19.02.2017
5. Sprüche von den Amis
" Der Kongress werde Russland in den Arsch treten". Die Amis haben eine große Klappe. Zweifellos ist die USA die stärkste Weltmacht, die noch existiert. Von den angeblichen russischen Einmischungen in die Wahl ist bislang nichts bewiesen. Genau so, wie der Kriegsgrund gegen den Irak auf Falschmeldungen beruhte, so kann man diesen Diensten auch in solcher Sache nicht trauen. Beweise auf den Tisch, oder schweigen. So wie die Amis nicht in der Lage wären, konventionell auf dem Landwege oder mit Luftwaffe ernsthaft gegen Russland vorzugehen, betrachtet man die Waffentechnik derselben und ihre Truppen- sowie Panzerdivisionsstärke, ebenso wenig wären sie in der Lage, atomar einen Präventivschlag zu führen, ohne dass die Zweitschlagsfähigkeit Russlands die USA und Europa in Brand setzte anschließend. Also sind das alles nur große Worte, denen aus logischen Gründen keine Taten folgen können, es sei denn, die Amis möchten gerne kollektiven Selbstmord begehen. Aus diesem kühlen Grunde sollte man die Sprüche nicht so ernst nehmen.
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